Aachen: Ins 70-Millionen-Euro Projekt Blue Gate kommt Bewegung

Bauvorhaben Blue Gate : Das 70-Millionen-Projekt am Bahnhof kommt voran

Verblüfft reibt sich so mancher in der Aachener Bauverwaltung – direkt gegenüber – die Augen: Nach jahrelangen Verzögerungen kommt augenscheinlich endlich Bewegung in das 70-Millionen-Euro-Projekt Blue Gate. Der Parkplatz an der Zollamtstraße neben der Trümmerlandschaft am Hauptbahnhof wurde geräumt, die Schrankenanlage demontiert. Das gewaltige Bauvorhaben an der Burtscheider Brücke soll starten.

„Wir machen den Weg frei für die Bagger“, bestätigt Anne Körfer. Die Sprecherin der Parkhausgesellschaft Apag verweist darauf, dass der Pachtvertrag über die Fläche mit 70 Stellplätzen nach inzwischen sieben Jahren beendet wurde. „Endgültig“ wurde der Parkplatz geschlossen. So steht es auch auf einem Schild neben dem Schrankensystem, das am Mittwoch abgeschraubt wurde. In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes stehen nun noch 710 Stellplätze im benachbarten Parkhaus unter dem städtischen Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße bereit. Die sind allerdings teilweise etwas schmaler.

Die Apag bittet darum, „diszipliniert“ zu parken, also die Fahrzeuge präzise zwischen die Linien einer einzigen Stellfläche zu platzieren, um keinen Raum zu verschenken. Denn das Hauptbahnhof-Parkhaus ist in der Regel gut ausgelastet. Deshalb hat die Apag die Baustart-Verzögerungen bei Blue Gate auch gerne genutzt, um die offene Stellfläche zu bewirtschaften. „Ursprünglich war ja eine kürzere Pachtdauer geplant“, erinnert Körfer.

Fünf Gebäuderiegel neben den Bahngleisen

Der ursprüngliche Plan des Projektentwicklers, der Rüsselsheimer Merkur Development Holding GmbH, sah eine Fertigstellung vor 2017 vor. In jenem Jahr begannen jedoch erst die Abrissarbeiten der alten Hallen an der Zollamtstraße. Auf knapp 11.000 Quadratmetern neben den Bahngleisen sollen fünf Gebäuderiegel neben den Bahngleisen entstehen. Vorgesehen sind Flächen für ein Hotel mit 160 Zimmern, für Büros, Einzelhandel, Gastronomie, eine Tiefgarage, ein Fahrradparkhaus sowie rund 300 Appartments – laut Merkur vornehmlich für Studierende. „Wir wollen im dritten bis vierten Quadrat 2020 fertig werden“, hatte Blue-Gate-Projektleiter Marcus Hientzsch noch vor Kurzem gesagt. Im März 2019 betonte er auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir rechnen damit, dass in diesem Sommer die Baugrube ausgehoben wird.“ Dass der jüngst kommunizierte Fertigstellungstermin gehalten werden kann, halten Experten indes für ausgeschlossen.

Gerüchte um Finanzierungspaket

Immer wieder konnte die Merkur in den vergangenen Jahren entscheidende Hürden nicht nehmen. Seit 2014 sorgt das gewaltige Bauvorhaben in der Öffentlichkeit für Schlagzeilen. Erst war der Bauantrag nicht vollständig, dann galt es im Gespräch mit dem Eisenbahnbundesamt, statische Probleme wegen der Nähe der Baugrube zu den Zuggleisen zu lösen. Zuletzt habe es noch umfangreiche Umplanungen wegen Sonderwünschen eine „zentralen Mietinteressenten“ und zudem wegen des allgemeinen Baubooms Schwierigkeiten gegeben, „Bauleistungen aufgrund fehlender Verfügbarkeit“ einzukaufen. Immer wieder gab es unterdessen Gerüchte, die Investoren hätten das Finanzierungspaket noch nicht komplett geschnürt.

Tatsache ist nämlich, dass laut Aachener Stadtverwaltung seit dem Frühjahr 2018 alle rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, um mit der Realisierung von Blue Gate zu beginnen. Alle Genehmigungen sind zugestellt. „Der Bauherr kann dort sofort loslegen“, bestätigt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt.

Bauvorhaben kurz vor dem Start

Nun allerdings wolle die Merkur mit Blue Gate offenbar wirklich loslegen. Der Projektverantwortliche will in Kürze den aktuellen Fahrplan des Bauvorhabens bekanntgeben. Hientzsch war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. „Wir sind verhalten optimistisch“, hieß es indes aus der Aachener Stadtverwaltung. Wenn der erste Bagger anrollt, könnte es trotzdem ungläubige Blicke geben. Nicht nur aus dem Bauverwaltungstrakt gegenüber der Baustelle.

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