Aachen: Immer mehr Senioren sind auf Lebensmittel der Tafel angewiesen

Altersarmut in Aachen : 40 Prozent der Tafel-Kunden sind über 60

Die Aachener Tafel versorgt derzeit etwas mehr als 5000 Kunden mit gespendeten Lebensmitteln. Mittlerweile sind 40 Prozent dieser Kunden älter als 60 Jahre. Auch in Aachen sind also immer mehr Senioren auf die Hilfe der Tafel angewiesen.

Immer mehr Menschen im Rentenalter sind auf die Hilfe der Aachener Tafel angewiesen. Das hat die Vorsitzende des Aachener Vereins, Jutta Schlockermann, am Mittwoch auf Anfrage mitgeteilt. Sie bestätigt damit Zahlen des Dachverbands Tafel Deutschland e.V., wonach immer mehr Senioren zu den Kunden der Tafeln gehören.

Auch in Aachen sammelt der gemeinnützige Verein gespendete Lebensmittel und verteilt sie an Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen. Derzeit haben wir in Aachen etwas mehr als 5000 Kunden“, berichtet Schlockermann. „Darunter sind viele Familien. Aber rund 40 Prozent unserer Kunden sind über 60 Jahre alt.“ Vor zehn Jahren, sagt die Tafel-Vorsitzende, habe die Zahl der alten Tafel-Kunden noch bei etwa einem Drittel gelegen.

Schlockermann stellt sogar fest, dass nicht wenige regelmäßige Nutzer des Tafelangebots über 80 Jahre alt sind. „Ich finde das immer sehr beschämend“, gesteht sie. Manche alten Kunden seien so gebrechlich, dass sie die eingekauften Waren kaum nach Hause transportieren könnten. Früher sei sie davon ausgegangen, dass manche Kunden irgendwann nicht mehr in den Laden kommen müssten, weil sie nach dem offiziellen Ende des Erwerbslebens Rente beziehen. An den aktuellen Zahlen zeige sich aber einmal mehr, dass viele mit ihrer Rente nicht auskömmlich leben könnten. Das treffe vor allem viele Frauen, die früher nicht fürs Alter vorsorgen konnten.

Die Aachener Tafel besteht jetzt seit 20 Jahren. Und insgesamt steigt die Zahl der Kunden seit vielen Jahren konstant, aber stetig an. Und in jeder Kunden-Sprechstunde, berichtet Schlockermann, kämen Leute, die sagen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal herkommen müsste.“

Und selbst junge Menschen, sagt die Tafel-Chefin, hätten zunehmend das Gefühl, dass sie später von ihrer Rente nicht ausreichend leben können: „Das Gefühl, für mich wird nicht gesorgt, wenn ich alt bin, führt zu einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft“, befürchtet Schlockermann. „Und es kann auch ein Problem für die Demokratie werden.“

„Wir konnten die Not in unserer Nachbarschaft nicht mehr sehen“: Unter diesem Motto ging der Aachener Verein vor 20 Jahren an den Start. Man hoffte, dass der Einsatz der Tafeln irgendwann nicht mehr nötig sein würde. Das Gegenteil ist offenbar der Fall. „Aber eigentlich sollte ein Staat doch dadurch gekennzeichnet sein, dass er für die Alten und Schwachen sorgt“, überlegt Jutta Schlockermann.

www.aachener-tafel.de

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