Aachen: Ideen für das Kaiserbad-Ensemble stoßen auf Vorbehalte

Umbau geplant : Neue Kaiserbad-Ideen kommen in Fluss

Es gibt Überlegungen, das Kaiserbad am Aachener Büchel umzubauen – zumindest teilweise. Eigentümer Gerd Sauren möchte das Bauwerk modernen Anforderungen anpassen, damit es wieder mit Leben gefüllt werden kann. Architekt Professor Klaus Klever hält die Urheberrechte. Ein Abriss, auch teilweise, kommt deshalb kaum in Frage. Klever sagt: „Nur über meine Leiche.“ Doch es gibt positive Signale...

Die Sprachenakademie ist gerade erst eingezogen und fühlt sich im Kaiserbad wohl. Die Boutique „Blue“ bleibt. Doch das Restaurant Kaiserwetter zwischen Büchel und Hof ist ausgezogen, die Gastronomie steht leer – ebenso eine Arztpraxis. Insgesamt gibt es 2000 Quadratmeter in bester Lage. Es geht um vier schmucke Wohnungen, vier Etagen Büroflächen, die Gaststätte, zwei Ladenlokale und das öffentlich genutzte „Aachen Fenster“. Zum Jahresende will der Kinderwagenhändler My Junior GmbH sein Geschäft an der Buchkremerstraße räumen. So läuft das Kaiserbad-Ensemble – genauso wie vormals der misslungene Platz der Wasserkunst inmitten des Gebäudekomplexes – nur scheinbar weiter leer. Was wiederum Visionen eröffnet, worunter der „emblematische Charakter“ des Kaiserbads und seine Wirkung keinesfalls leiden sollen. Im Gegenteil. Alles zur Aufwertung des in die Jahre gekommenen Baukörpers geschehe in enger Abstimmung, vor allem mit den Schöpfern des Bauwerks, heißt es.

Als der Projektentwickler Sauren mit seiner Aachener Immobiliengesellschaft mbH die Gebäude Mitte 2017 von einer insolventen israelischen Gesellschaft erwarb, durfte er noch auf den großen städtebaulichen Wurf in unmittelbarer Nachbarschaft hoffen. Da war er selbst an der Entwicklung des Nikolausquartiers anstelle des Büchel-Parkhauses und der Antoniusstraße federführend beteiligt. Das ambitionierte Großprojekt wurde Anfang des Jahres ad acta gelegt; hier will die Stadt nun allein Regie führen.

Hält die Urheberrechte für das Kaiserbad-Ensemble: der Architekt Professor Klaus Klever. Foto: Andreas Steindl

Aber auf der anderen Seite des Bahkauv-Brunnens hält Sauren die Fäden auch nicht allein in der Hand. Vorteilhaft fänden einige Fachleute nach Informationen unserer Zeitung, wenn der rote Baukörper des Kaiserwetters auf der Seite zum Hof umgestaltet würde. Dort könnte dann, auch zur Belebung der verwaisten Freifläche zwischen den Gebäudeteilen, ein neues Konstrukt entstehen. Denn die Gastronomiebereiche hat Sauren ohnehin in einem extrem sanierungsbedürftigen Zustand übernommen. Aber er sieht Potenzial, sucht das Gespräch mit Architekten, Politikern und Bauverwaltung auf dem Weg zu einer Lösung, die den rund 25 Jahre alten Bau aktualisiert. Und natürlich mit Professor Klever, der als Architekt die Urheberrechte hält. Ein architektonisch anspruchsvoller, raumgreifender Bau könnte den Komplex Richtung Hof weiter profilieren, glauben Planer wie Sauren.

Dabei ist die Ausgangslage kompliziert. Das Grundstück hatte die Stadt seinerzeit im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt und sich damit zugleich den ständigen Zugang zur Kaiserquelle und die Nutzung des „Aachen Fensters“ gesichert. 1994 wurde Richtfest gefeiert. Danach gab es für die ausführenden Architekten – Professor Ernst Kasper und Professor Klaus Klever – vor allem Lob aus der Fachwelt. Die markante Dachlinie mit der Einkerbung auf der Sichtachse zwischen Büchel und Dom ist damaligen Vorgaben der Politik geschuldet. Der Blick aufs Münster sollte nicht unter dem Neubau leiden.

Will das Kaiserbad wieder erwecken: Projektentwickler und Eigentümer Gerd Sauren. Foto: ZVA/MICHAEL JASPERS

Dies führte allerdings insgesamt zu vielen schrägen Wänden und unterschiedlichen Geschossniveaus – was die wirtschaftliche Nutzung des Baus erschwert. Das räumt auch Architekt Klever ein. „Ein Abriss – auch in Teilen – wäre eine Katastrophe für Aachen“, sagt er. Er habe seinem ehemaligen Geschäftspartner Kasper vor dessen Tod versprechen müssen, dass er auf das neue Kaiserbad aufpasse. Aber: „Ich kann teils den Wunsch nach Veränderungen nachvollziehen. Überlegenswert wäre, wie man den Raum der großen Freitreppe etwa Richtung Haus der Kohle auf der Seite Buchkremerstraße anders nutzt. Die Durchwegung hat ihre Funktion verloren“, erklärt er auf Anfrage unserer Zeitung. Auch die Positionierung der Ladenlokale sei nach heutigen Erkenntnissen nicht optimal.

Der Gesamtkomplex Kaiserbad steht auf einem geschichtsträchtigen Areal. Schon die alten Römer vergnügten sich dort in dem 52 Grad heißen Thermalwasser und begründeten die lange Tradition der Thermalbäder, die dort im Laufe der Jahrhunderte errichtet wurden. Der Betrieb des letzten echten Kaiserbads – übrigens mit einer täglichen Kapazität von 400 Wannenbädern – wurde 1984 eingestellt, kurz darauf erfolgte der Abriss. Ein Badehaus gibt es dort also nicht mehr, nur der Name ist geblieben. Zwei Frankfurter Bauherren realisierten das jetzige Gebäude-Ensemble, das danach durch viele Eigentümerhände ging. Jetzt wird der Königsweg fürs Kaiserbad gesucht. Ein kreativer Kompromiss wäre die Krönung.

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