Aachen: Hof nach monatelangen Bauarbeiten wieder geöffnet

Nach acht Monaten Bauarbeiten : Das Slalomlaufen im Hof hat ein Ende

Aachen hat eine Baustelle weniger. Nach monatelangen Arbeiten ist der Hof nun wieder frei. Die Stadt hat dort aufwendig die Oberfläche erneuert und dafür an 50.000 Pflastersteinen die „Köpfe“ abschneiden lassen.

Der Professor ist dieser Tage wieder schwer gefragt. Mal wird die Hand in bewährter Denkerpose ans Kinn gelegt, mal weist der Finger die Krämergasse entlang. Touristen wie Aachener haben sichtlich ihren Spaß daran, dass der Puppenbrunnen seit gut einer Woche von den schützenden Holzbrettern befreit und für die Öffentlichkeit wieder freigegeben ist. Da wird gezuppelt und in Position gebracht, was das Zeug hält. Dass die eigentliche Attraktion ein paar Meter weiter im Hintergrund im neuen Glanz erstrahlt, dürfte dabei zumindest den Touristen entgehen, die es das erste Mal nach Aachen verschlägt: Der Hof ist nach monatelangen Arbeiten offiziell wieder baustellenfrei – was vor allem die Gastronomen aufatmen lässt.

Ausgerechnet im Rekordsommer 2018

So spricht auch Milos Sous vom Domkeller von einem „schweren Sommer“. Dass ausgerechnet in diesem Rekordsommer die Außengastronomie durch die in mehreren Bauabschnitten vollzogenen Arbeiten erheblich eingeschränkt werden musste, habe die Hofgemeinschaft natürlich alles andere als gefreut. „Doch wir wollen nicht jammern. Es musste halt sein.“ Nicht nur der Kanal unter dem Hof war dringend sanierungsbedürftig, wie Wolfgang Raabe, Leiter der Abteilung Planung und Bau der Stawag-Tochtergesellschaft Regionetz GmbH, erläutert. Auch die Versorgungsleitungen und Anschlüsse für Strom, Gas und Wasser wurden von der Stawag erneuert. Um dann Platz zu machen für die wirklich großflächige Baumaßnahme: die Erneuerung der Oberfläche im Hof und in der Körbergasse.

Rund 50.000 Pflastersteine hat die Stadt auf der 1000 Quadratmeter großen Fläche im Hof neu verlegt. Das Besondere daran: Sie sind etwa zwei Zentimeter kürzer als die herkömmlichen Steine, „die Köpfe“ seien sozusagen abgeschnitten worden, sagt Karlheinz Ophey, Teamleiter der Abteilung Straßenbau. Damit ist die Oberfläche jetzt deutlich glatter und gehfreundlicher. Für Menschen, die mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind, soll das eine spürbare Erleichterung sein. Gänzlich aufs Kopfsteinpflaster habe man selbst zum Wohle der Barrierefreiheit indes nicht verzichten können, betont Niels-Christian Schaffert, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. „Im Schutzbereich des Weltkulturerbes Dom müssen wir gewisse Kompromisse eingehen.“

Das Brettergerüst ist weg: Am Puppenbrunnen können Touristen und Aachener nach Ende der Bauarbeiten wieder Hand an die Figuren legen. Foto: Andreas Schmitter

Hilfe für Menschen mit Sehbehinderung

Auch taktile Leitelemente aus Naturstein weisen jetzt Menschen mit einer Sehbehinderung sicher den Weg durch den Hof. Gut 400.000 Euro hat sich das die Stadt kosten lassen. Und ist damit deutlich unter der ursprünglich Kalkulation geblieben, wie Ophey sagt. Angekündigt hatte die Stadt im März rund 520.000 Euro. Als „Worst Case“ habe man sich sogar auf 600.000 Euro eingestellt. Dass die Arbeiten statt geplanten sechs nun doch acht Monate lang dauerten, sei somit leicht zu verschmerzen gewesen. Zumal sie wegen der beengten Verhältnisse auf dem Platz und dessen besonderer Lage durchaus als kompliziert einzustufen gewesen seien. Weil das Baumaterial über die Ursuliner- und die Krämerstraße zum Hof gekarrt wurde und damit die wertvollen Figuren am Puppenbrunnen womöglich beschädigt worden wären, wurde deshalb auch der Brunnen vorsorglich eingerüstet.

Milos Sous freut sich jedenfalls, dass das Slalomlaufen im Hof zwischen Bagger, Laster und Schutt ein Ende hat. Und die Touristen zuppeln weiter an Professor, Prälat, Marktfrau von Bonifatius Stirnberg. Bis es zum Fettdonnerstag 2019 dann wieder das Holzbrett vor den Kopf gibt.

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