Aachen: Heidemarie Ernst ist neue "Kümmerin" für den Brennpunkt Bushof

Neue „Kümmerin“ zieht erste Bilanz : Täglich am Start im Aktionsfeld rund um den Bushof

Nicht nur das städtebauliche Sorgenkind namens Altstadtquartier steht weiter im Brennpunkt der (politischen) Debatten. Am Bushof, quasi gleich um die Ecke ist seit wenigen Wochen, von wegen Sorgenkind, bekanntlich gar eine eigens bestellte „Kümmerin“ am Werk.

Heißt: Während das berühmte Auge des Gesetzes den Blick auf die strukturell und vor allem sozial alarmierende Situation rund um den „Brennpunkt Bushof“ weiter geschärft hat, setzt Heidemarie Ernst vor allem auf die ganzheitliche Betrachtung des wahrlich vielschichtigen „Problemfeldes“ im Herzen der City, das längst auch als sogenannter „Angstraum“ die Gemüter erregt.

Vandalismus, ausufernde Alkohol- und Drogenexzesse, Kriminalität, verwaiste Geschäftslokale – der fatalen Spirale der Verelendung, zumindest Verödung will die gelernte Sozialarbeiterin und ehemalige städtische Integrationsbeauftragte jetzt mit neuen Ideen und Konzepten entgegenwirken. Anlass genug für Heidemarie Ernst, gemeinsam mit Marianne Conradt, Bürgermeisterin im Bezirk Aachen-Mitte, bereits nach etwas weniger als 100 Tagen im Amt eine erste Bilanz ihrer bisherigen Aktivitäten an der Schnittstelle zwischen Behörden, Bürgern und Hilfseinrichtungen für Schwerstabhängige zu ziehen.

„Ein Gesicht“ für alle Bürger

Den Bushof permanent im Visier: Abertausende Aachener sind täglich rund um die Peterstraße unterwegs. Als sozialer und städtebaulicher Brennpunkt steht der Bereich im Herzen der City im Fokus der neuen „Kümmerin“ Heidemarie Ernst. Foto: ZVA/Harald Krömer

„Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir nun eine direkte Ansprechpartnerin haben, ein Gesicht, an das sich jeder wenden kann, der in Sorge ist um die Entwicklung vor Ort“, erklärt Marianne Conradt. Nicht zufällig sei die neue Position daher auch unmittelbar im Bezirksamt Mitte angesiedelt worden.

„Meine Aufgabe sehe ich vor allem darin, eine direkte Verbindung zwischen allen Beteiligten und Betroffenen herzustellen und ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich aktiv einzubringen“, unterstreicht Ernst. Klinken putzen sei da freilich im besten Sinne angesagt. „Mittlerweile habe ich bereits rund 450 Info-Flyer verteilt, um die neue ,Koordinationsstelle Bushof‘ vorzustellen.“

Eine umfassende Bestandsaufnahme in Gestalt etlicher statistischer Daten gehörte natürlich ebenso zum Startpaket im zumindest geografisch ziemlich überschaubaren Aktionsradius zwischen Promenadenstraße, Blondelstraße, Komp-
hausbadstraße, Alexanderstraße und Gasborn. Genau 1041 Aachener wohnen dort, vor allem Studenten und Migranten prägen das Bild, wenn man von ungezählten Nichtsesshaften und/oder Suchtkranken einmal absieht. Der Ausländeranteil liegt bei knapp 40 Prozent und ist damit rund doppelt so hoch wie im kommunalen Durchschnitt.

Rund 40.000 Fahrgäste zählt allein die Aseag pro Tag im Schnitt am „Dreh- und Angelpunkt der städtischen Mobilität“ (Conradt), 800 Kfz sowie 200 Fahrräder rollen über die Kreuzung an der Peterstraße, 2000 Fußgänger sind dort unterwegs. „Belastungen abbauen, Ressourcen aufbauen“, Vernetzung und Vertrauensbildung – so kennzeichnet die „Kümmerin“ folglich ihre Aufgaben. Handlungsbedarf sieht sie naturgemäß zunächst im und rund um den Bushof selbst – auch und gerade, weil die Zukunft des Komplexes derzeit bekanntlich offen sei, müsse ein adäquates „Zwischennutzungskonzept“ für das Areal ringsum entwickelt werden.

Neue Pläne für das City-Center

„Wir wollen zeitnah dafür sorgen, dass die düsteren und daher oft besonders verdreckten Ecken verschwinden“, sagt sie. Eine bessere Beleuchtung der Wagenhalle etwa sei jetzt dringend erforderlich. Und auch direkt vis-à-vis zum Bushof, im City-Center, soll sich nach Informationen unserer Zeitung allerhand bewegen: Dem Vernehmen nach will dessen Inhaberin, die Kölner Immobiliengesellschaft Rendita Colonia, in Kürze den Startschuss für eine umfassende Neugestaltung setzen.

An einer „Restrukturierung“ werde jetzt gearbeitet, hieß es in der Kölner Unternehmenszentrale. Konkreteres könne man allerdings voraussichtlich erst in einem halben Jahr sagen. Zudem sollen Kunst und Kultur im gesamten Umfeld gefördert werden, um die Aufenthaltsqualität im Ganzen zu verbessern, Unsicherheitsgefühle und Ängste abzubauen. Regelmäßige Gesprächstermine mit Polizei, Ordnungsamt und Suchthilfe füllen den Terminkalender ohnedies. „Inzwischen bin ich in etlichen Arbeitskreisen unterwegs gewesen, um Anregungen mitzunehmen“, erzählt Ernst.

An Baustellen mangelt es – so sich auch die neuerliche Ankündigung im Hinblick auf die zusehends verwaiste Passage bewahrheitet – also nicht nur für die frisch gebackene „Kümmerin“ Heidemarie Ernst, die ihre Funktion gern auch als „Lotsin für alle Bürger“ definiert. Und daher natürlich auch ein erstes Ziel ins Auge gefasst hat: „Bis 2021 soll das Zwischennutzungskonzept für den Bereich Bushof auf jeden Fallstehen.“

Die neue „Koordinationsstelle Bushof“ ist im Verwaltungsgebäude am Katschhof, Zimmer 211, angesiedelt. Telefonisch ist sie erreichbar unter 0241/432-7229. per Mail unter netzwerk-bushof@mail.aachen.de.

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