Aachen-Hauptbahnhof: Reisende über eine Stunde im Aufzug eingesperrt

Störung am Aachener Hauptbahnhof : Bahnreisende über eine Stunde im Lift eingesperrt

Dramatische Szenen spielen sich am Aachener Hauptbahnhof ab: Ein Fahrstuhl versagt, fünf Reisende sind eingeschlossen, ein Rollstuhlfahrer bekommt keine Hilfe. Die Rettungsversuche scheitern lange. Die Befreiung gelingt erst nach mehr als einer Stunde. Ein Bahnsprecher entschuldigt sich.

Mit Pünktlichkeit hat die Bahn offenbar nicht nur auf den Gleisen ein Problem. Über eine Stunde waren fünf Reisende in einem gläsernen Aufzug im Aachener Hauptbahnhof eingesperrt, die Notfallkette unterbrochen. Oben auf dem Bahnsteig saß zudem wegen des defekten Lifts ein Rollstuhlfahrer fest. Er nässte sich ein, wurde später von jungen Menschen die Treppenstufen hinunter Richtung WC im Hbf-Tunnel getragen.

„Das waren extrem beschämende Szenen, die wir da erleben mussten“, schildert Ye One-Rhie. Die SPD-Ratsfrau war unter den Bahnreisenden, die in dem Fahrstuhl ausharren mussten. „Die Bahnmitarbeiter vor Ort waren völlig überfordert, Hilfe war viel zu spät vor Ort“, kritisiert die Aachenerin.

Ein Bahnsprecher räumt am Montag auf Anfrage unserer Zeitung ein, dass der Ablauf bei der Störung in Aachen „bis zur Befreiung der Passagiere nicht perfekt gelaufen ist“. Rhie wird da deutlicher. „Technische Defekte kann man nie ausschließen. Aber es kann einfach nicht sein, dass man so lange auf Hilfe warten muss: Das gilt vor allem für Rollstuhlfahrer, die wegen des blockierten Lifts keine Chance hatten, von dem Bahnsteig herunterzukommen – und natürlich für Menschen, die in einem Aufzug eingesperrt sind.“

Sonntagnachmittag, kurz nach 17 Uhr. Rhie und viele Mitreisende kehren pünktlich gemäß Fahrplan aus Wien zurück nach Aachen. Mit viel Gepäck betritt eine Gruppe den Aufzug zwischen den Gleisen zwei und drei. Dann gibt es einen kurzen Ruck, die gläsernen Türen schließen sich – und lassen sich nicht mehr öffnen. Es geht weder nach unten noch nach oben. Eingesperrt, beobachtet von zig anderen Reisenden auf dem Bahnsteig. Jemand drückt den Notrufknopf. „Aber die Tonverbindung zu der sogenannten 3-S-Zentrale in Duisburg war so schlecht, dass man erst offenbar gar nicht verstand, was los war“, erklärt Rhie. „Die Sprachverbindung brach mehrfach ab.“

Keine Hilfe für Rollstuhlfahrer

Vor dem Aufzug bilden sich Menschentrauben, Bahnmitarbeiter versuchen die Türen aufzustemmen, ohne Erfolg. Ein Rollstuhlfahrer vor dem verklemmten Fahrstuhl signalisiert, dass er dringend eine Toilette benötigt, allein aber die Stufen zum tiefer liegenden Hbf-Tunnel und dem dortigen Sanitärbereich nicht bewältigen kann. Kein Bahnmitarbeiter bietet laut diverser Zeugen Hilfe an. Erst als er sich deutlich später einnässt, greifen andere Reisende beherzt zu, helfen dem beschämten behinderten Bahnpassagier aus seiner Falle.

In ihrer gläsernen Aufzugsfalle sitzen die fünf Reisenden laut Rhie nahezu anderthalb Stunden fest. Der Bahnsprecher spricht offiziell von einem Notfallprotokoll von knapp 40 Minuten – was aber ebenfalls länger als legitim wäre. Zeugen widersprechen diesen offiziellen Angaben. Eine Frau in dem Aufzug reagiert panisch, wird laut. Die zeitliche Diskrepanz führen Reisende gegenüber unserer Zeitung darauf zurück, dass die „3-S-Zentrale“ womöglich erst nach dem Scheitern der ersten Befreiungsversuche durch Bahnmitarbeiter vor Ort einen Techniker Richtung Aachener Hauptbahnhof beordert hat. Die „3-S“ stehen für Service, Sicherheit und Sauberkeit.

Als der Techniker endlich vor Ort ist, geht alles ganz schnell. Er setzt einen Spezialschlüssel an, die Eingesperrten können dann von innen die Türe von Hand aufstemmen. Am Montag ist besagter Lift – an den anderen Bahnsteigen gibt es drei weitere – wieder in Betrieb.

Das gilt auch für einen anderen „Problemfahrstuhl“ in Aachen-Rothe Erde. Der war an jenem Haltepunkt erst im November neu eingebaut worden, nachdem der alte Vorgänger über Jahre hinweg immer wieder monatelang ausgefallen war. Der neue Einbau stand dann nach einigen Wochen auch wieder still, die Reparatur verzögerte sich erneut. „Seit Ende Februar läuft der Aufzug störungsfrei“, versichert der Bahnsprecher. Angesichts der jüngsten Fehler am Aachener Hbf drückt der Sprecher ausdrücklich sein Mitgefühl und Bedauern aus.

2200 Aufzüge – bei bundesweit 5400 Bahnhöfen – betreibt die Bahn nach eigenen Angaben. Will heißen: An den meisten Bahnhöfen und Haltepunkten gibt es keinen Aufzug. Die bestehenden Lifts, die teils extrem beansprucht werden, „weisen nach unserer Statistik inklusive der Rolltreppen eine Verfügbarkeit von 97 Prozent aus“, rechnet der Sprecher vor. Alle technischen Anlagen würden regelmäßig überprüft, die Notfallknöpfe einmal pro Woche. Der Bahnsprecher rät, die Feuerwehr zu rufen, wenn man zu lange in einem Aufzug feststeckt. Die rückt in der Regel pünktlich an.

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