Aachen: „Aachen handelt“: Ein Brückenschlag voller Charme

Aachen : „Aachen handelt“: Ein Brückenschlag voller Charme

„Kommen Sie miteinander ins Gespräch. Sorgen Sie dafür, dass Angebot und Nachfrage zusammenfinden“, sagte Michael Kaps, Deutsche Bank, beim Marktplatz „Aachen handelt“, den die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen zum dritten Mal in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) organisierte.

Und tatsächlich dauerte es nicht lange, und schon war der erste Deal unter Dach und Fach. Die Suchthilfe Aachen mit ihrem Projekt „Querbeet“ und die studentische Unternehmensberatung „aixsolution“ fanden als erste zusammen. Laut Leo Klie von „aixsolution“ werden die studentischen Berater der Suchthilfe bei der Spendenakquise unter die Arme greifen. Sie denken dabei speziell an einen verbesserten Internetauftritt und Hilfe beim Marketing. Schlag auf Schlag gingen die Meldungen von weiteren Kooperationen ein.

Eine Stunde hatten Unternehmen und gemeinnützige Organisationen Zeit, um sich in einer Art Speeddating kennenzulernen und Verträge abzuschließen.

Bereichernd für alle

Laut Brigitte Erm, Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, profitieren beide Seiten von diesen Begegnungen. „Die Unternehmen lernen andere Landschaften kennen, und setzten sich beispielsweise mit der Problematik eines Hörgeschädigtenzentrums auseinander. Das ist für beide Seiten bereichernd.“ Und die gemeinnützigen Organisationen finden Hilfe bei ihren Projekten. Damit sie im Gewühl nicht untergingen, hatten sie sich jeweils etwas ganz Besonderes ausgedacht.

So präsentierte sich Axel Jansen, Bleiberger Fabrik, im Maler-Outfit mit Regenschirm über dem Kopf. Die Botschaft dahinter: „Wir brauchen ein Dach, damit unsere Jugendlichen beim Malen und Werkeln im Hof nicht nass werden.“ Andere trugen ihre Botschaft als Schriftzug auf dem T-Shirt, und so fiel es den Unternehmen recht leicht, den richtigen Partner zu finden.

Die Firmen bieten Know-how, Sachspenden oder einfach nur Zeit und lernen ganz nebenbei gemeinnützige Einrichtungen und ihre Arbeit kennen. Wie Erm erläutert, ist es ein Brückenschlag zwischen der Wirtschaft und dem Karitativen — voller Leichtigkeit, Spaß und Charme. Jeweils rund 20 Unternehmen und 20 karitative Einrichtungen haben sich in diesem Jahr in der IHK an der Theaterstraße eingefunden, um ins Geschäft zu kommen.

Nachdem Moderator Achim Kaiser, Lokalchef der Nachrichten, das Kommando für den Start gegeben hatte, begann ein reger Austausch. Und damit die verabredeten Vereinbarungen nicht wieder in Vergessenheit gerieten, wurden sie an Ort und Stelle mit Details schriftlich fest gehalten. Insgesamt wurden 34 Abschlüsse erreicht, und das ist „eine stolze Zahl“, so Brigitte Erm. Die Gespräche seien sehr intensiv gewesen, und alle hätten es toll gefunden, die „andere“ Seite kennenzulernen. „Die Wirtschaft muss menschlicher werden“, sagt sie und wünscht sich für den nächsten Marktplatz, dass noch mehr Unternehmen mitmachen und Verantwortung zeigen.

Schön findet sie, dass sogar gemeinnützige Organisationen untereinander zu einem Abschluss gekommen sind. So gibt es jetzt eine Vereinbarung zwischen dem Freundeskreis Botanischer Garten und dem Ökumenischen Lenkungskreis Brand-Forst, der sich in der Flüchtlingsbetreuung engagiert. Die Flüchtlinge werden den Freundeskreis ab Frühjahr 2016 bei der Gartenarbeit im Bauerngarten Gut Melaten unterstützen. Hier profitieren beide Seiten: Der Verein braucht dringend Hilfe bei der Gartenarbeit, die Flüchtlinge suchen eine sinnvolle Beschäftigung.

Ansonsten gibt es jede Menge andere Abschlüsse: Firmen bieten Beratungen an, unterstützen gemeinnützige Einrichtungen mit Möbeln und Farben oder bieten Busfahrten an. Alles ist möglich — nur Geld darf beim Marktplatz nicht zum Einsatz kommen. Das ist die Bedingung.

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