Aachen: Gutachter bescheinigen dem nächsten Parkhaus Rost

City-Center : Schon ist das nächste Parkhaus ein Sanierungsfall

Die Tiefgarage unter dem City-Center leidet unter Rost und brüchigem Beton. Dadurch ist die Tragsicherheit laut Gutachten gefährdet. Immer mehr Stellplätze fallen weg. Jetzt ist schon das dritte Aachener Parkhaus ein umfassender Sanierungsfall.

Wenn Parkhäuser unter die Räder kommen, kann das teuer werden. Auch im übertragenen Sinn. Nach dem abrissreifen Parkhaus Büchel und dem Sanierungsfall Parkhaus Mostardstraße am Markt droht nun die nächste Großbaustelle für parkendes Blech. Das City-Parkhaus unter dem Betonboliden „City-Center“ an der Ecke Alexianergraben/Franzstraße wird von Gutachtern seit geraumer Zeit genau unter die Lupe genommen – mit dramatischen Resultaten: „Wir empfehlen mit Nachdruck, die seitens des Tragwerkplaners empfohlenen Maßnahmen umgehend und vollumfänglich umzusetzen, um eine ausreichende Standsicherheit wiederherzustellen“, heißt es in einem Gutachten.

Ingenieure schlagen Alarm, weil man auf diese Umstände bereits seit 2017 hinweise. Teilschließungen und eine Millionen Euro teure Instandsetzung werden von Fachleuten dringend empfohlen.

Teilsperrungen: Im Apag-Parkhaus an der Mostardstraße sind seit geraumer Zeit etliche Stellplätze gesperrt. Wann die Sanierung beginnt, bleibt unklar. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Gebaut wurde die Tiefgarage auf mehreren Kelleretagen im Jahr 1980, als das City-Center – damals unter dem Namen „Grabenhof“ – mit 20 Einzelhandelsgeschäften, 42 Wohnungen, zwei Kinos sowie Garagenplätzen für rund 200 Autos schon zur Einweihung in der Kritik stand. Vor allem die monströse Architektur des 27 Meter hohen Gebäudes mit 900 Tonnen Stahl und massenhaft Beton stieß nicht auf ungeteilte Begeisterung. Diese hält sich aktuell auch beim Parkhaus-Betreiber (City-Parkhaus Hans-Günter Hermanns) und der zuständigen Immobilienverwaltung Fox in Grenzen. Das betagte Gebäude befindet sich in Privatbesitz.

Fox bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass man an einem umfassenden Sanierungskonzept arbeite. Dies scheint auch überfällig. Gutachter berichten von „bereits fortgeschrittener Bewehrungskorrosion“. Das heißt: Rost hat sich tief eingefressen – Hohllagen, Abplatzungen, Risse und Querschnittsverluste im Bauwerk sind die Folgen. Letztlich kann dies gefährliche Auswirkungen auf die Standfestigkeit von Gebäuden haben. Deshalb empfehlen Gutachter unter anderem großflächigen Betonabtrag auf den Zwischendecks – was wiederum Abstützungsmaßnahmen notwendig macht.

„Tiefergehende“ Prüfungen empfohlen

Experten gehen davon aus, dass das stabilisierende Stahlkorsett des Betonboliden durch Chloride erheblich im Mitleidenschaft gezogen wurde. Empfohlen werden „tiefergehende“ Prüfungen. Und es drohen noch andere Kostentreiber: etwa der Brandschutz. Ob für die Tiefgarage Bestandsschutz gilt oder – etwa aufgrund der Bauzeit oder aktuell nicht eingehaltener Anforderungen – Instandsetzungs- und Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind, ist dem Vernehmen nach noch nicht abschließend geklärt.

Ähnliche Probleme haben bereits im Apag-Parkhaus am Büchel für eine erhebliche Reduzierung der Parkplätze wegen Traglastproblemen und für teure Stützmaßnahmen gesorgt – obwohl das marode Parkhaus bekanntlich seit Jahren wegen der stockenden Überplanung des Nikolaus-Quartiers auf der Abrissliste steht. Dazu wird es auch deshalb vorerst nicht kommen, weil das Apag-Parkhaus an der Mostardstraße – das sogenannte Rathaus-Parkhaus – auf unabsehbare Zeit ein Sanierungsfall ist.

Abriss in weiter Ferne: Das marode Parkhaus Büchel wir erstmal mit allerlei Maßnahmen stabilisiert. Foto: HARALD KROEMER

Wann die extrem kostspielige Generalsanierung bei Vollsperrung des Parkhauses beginnt, steht laut Apag-Sprecher Paul Heesel noch nicht fest. Man geht davon aus, dass hier fast 3000 Tonnen Beton entfernt und neu aufgebracht werden müssen. Angedacht war, diesen mit Höchstdruckwasserstrahlen, die rund 1200 bar erreichen, abzusprengen.

Mindestens ein Jahr wären die 370 Parkplätze nicht nutzbar – ein Mammutvorhaben. Auch hier hatte eindringendes und mit Salzen versetztes Wasser die Bausubstanz über Jahrzehnte geschädigt. „Zurzeit ist die Apag immer noch dabei, technische Fragen und Kosten zu klären. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 laufen“, erklärte Heesel auf Anfrage. Damit rückt ein Sanierungsstart im laufenden Jahr in weite Ferne.

Bis dahin dürften allerdings noch einige Parkplätze in diversen Parkhäusern aufgrund statischer Probleme unter die Räder kommen – aber zum Leidwesen von Autofahrern nur noch bildlich.

Mehr von Aachener Nachrichten