Aachen: Grundschule Passstraße freut sich über Differenzierungsräume

Schule kann frühere Hausmeisterwohnung nutzen : Neue Räume mit alten Erinnerungsstücken

Wenn an der Katholischen Grundschule Passstraße nach den Sommerferien der Unterricht wieder losgeht, dann können Kinder und Kollegium auch die neuen Differenzierungsräume nutzen. Beim Umbau unten im Keller ist auch manches historische Relikt erhalten geblieben.

Eine alte Metalltür, historisches Mauerwerk, Fenster noch mit Gittern davor: An der Katholischen Grundschule Passstraße gibt es manches alte Schätzchen. Kein Wunder, schließlich ist die Schule gut 125 Jahre alt. Da muss jede kleine Veränderung mit den städtischen Denkmalschützern ausgehandelt werden.

Im Keller des Altbaus, in der ehemaligen Hausmeisterwohnung, ist hinter alten Mauern nun aber etwas ganz Neues entstanden: Die Schule hat dringend benötigte Mehrzweck- und Differenzierungsräume bekommen. Nach den Ferien werden sie im Schulalltag vielfältig genutzt werden. Die ehemalige Schulleiterin Maria Keller wird das nicht mehr miterleben. Kurz vor dem Ruhestand hat sie die runderneuerten Räume aber noch fix und fertig begutachten können.

„Wir haben unendlich gewonnen durch die neuen Räume“, sagt Keller. „Und ich finde es toll, dass die Stadt als Schulträger sich darauf eingelassen hat, dass wir das Alte bewahren durften.“ In die Räume, in denen vor Jahrzehnten der Kastellan (Hausmeister) wohnte und die zuletzt eher Rumpelkammer waren, sind nämlich sowohl moderne Schulmöbel als auch historische Erinnerungsstücke eingezogen.

Die alten Lineale zum Beispiel, die noch herumlagen und die längst niemand mehr benutzt, haben jetzt einen Ehrenplatz an der Wand bekommen. Und die fröhlich-grünen Wände bilden einen schönen Kontrast zum alten Mauerwerk, das sichtbar gemacht wurde. Auch eine alte Tür ist erhalten geblieben. Sie steht mitten im Raum und erfüllt eigentlich keinen Zweck. „Aber sie hat so einen Charme“, sagt Keller. Auch die Kinder haben ihren Spaß an dieser besonderen Tür. Geplant wurde die Maßnahme im Rahmen des Ausbauprogramms für die städtischen Grundschulen vom Aachener Büro Lambertz Architekten.

Hier können sich auch kleine Gruppen zusammensetzen: Die neuen Räume sind vielfältig nutzbar. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

„Die neuen Räume bilden die Entwicklung unserer Schule ab“, findet Maria Keller: „Von der Unterrichtsanstalt zum Lebens- und Erfahrungsraum für Kinder.“ Alte Bilder an den Wänden zeigen den Unterricht vor 100 Jahren. In solchen „Drillschulen“ regierte der Lehrer mit dem Rohrstock. „Heute muss der Lehrer auf ganz individuelle Bedürfnisse und Voraussetzungen der Kinder eingehen“, sagt die langjährige Rektorin. Knapp mehr als 200 Schülerinnen und Schüler hat die KGS Passstraße aktuell. 180 von ihnen lernen in der Ganztagsklasse. 33 Nationalitäten sind an der Schule vertreten, zehn Prozent der Kinder haben einen anerkannten Förderbedarf. Zum individuellen Angebot gehört es aus Kellers Sicht auch, dass für die Kinder, die an manchen Tagen einen Acht-Stunden-Ganztag an der Passstraße absolvieren, neben den Klassenräumen viele unterschiedliche Lernorte zur Verfügung stehen: Aula, Turnhalle, Bibliothek, Stadtpark – und jetzt auch die Differenzierungsräume. Wechsel und Bewegung sei wichtig an so langen Schultagen, betont Keller.

In den neuen Differenzierungsräumen kann sich zum Beispiel die „Lesemutter“ mit einzelnen Kindern zum Lesenüben zurückziehen. Dort können Kinder das nächste Schülerparlament vorbereiten, können die „Pausenengel“ sich beraten, kann die Schulsozialarbeiterin Gespräche führen. Auch für Tests und Diagnoseverfahren können die Räume gebucht werden. Viel Inhalt also hinter so alten Mauern.

Als nächste Baumaßnahme an der Passstraße steht nun die Hofüberdachung an. Das neue Dach soll dafür sorgen, dass die Kinder künftig immer trockenen Fußes zwischen dem alten Schulgebäude und dem Gebäude der Offenen Ganztagsschule unterwegs sein können.