Aachen: Grüne fordern Programm für den Dachausbau

Wohnungsmangel : Unterm Dach gibt’s noch Bauland

Im Kampf gegen den Wohnungsmangel wollen die Aachener Grünen Hauseigentümern den Ausbau ungenutzter Dachflächen schmackhaft machen. Dort stecke viel Potenzial, neuen Wohnraum zu schaffen.

Auf der Suche nach Problemlösungen haben sich die Blicke von Johannes Hucke, sachkundiger Bürger der Grünen im Planungsausschuss, zuletzt immer öfter nach oben gerichtet. Als Architekt weiß er, welcher Druck auf der Stadt lastet, in der auf der einen Seite allein bis 2020 rund 5000 Wohnungen fehlen, auf der anderen Seite aber kaum noch Grundstücke zu finden sind. Warum also nicht in luftiger Höhe Bauland erschließen? „Das löst zwar nicht das Problem, aber es reduziert es“, ist er überzeugt.

Hucke kann sich dabei auf eine Studie der TU Darmstadt beziehen, wonach bundesweit rund 1,5 Millionen Dachausbauten möglich wären. Konkrete Zahlen für Aachen gibt es nicht. Die insgesamt rund 16.500 Mehrfamilienhäuser in der Stadt bergen aber sicher ebenfalls ein großes Potenzial, ist Hucke überzeugt. Wenn sich nur fünf Prozent der Eigentümer zum Ausbau entschließen würden, wären das schon mehr als 800 neue Wohnungen, sagt er.

Gemeinsam mit dem wohnungspolitischen Sprecher der Grünen, Sebastian Breuer, hat Hucke nun einen Ratsantrag erarbeitet, um diese Ausbaureserven zu erschließen. Denn viele Hauseigentümer wüssten gar nichts von diesen Möglichkeiten oder würden sie bisher gar nicht in Erwägung ziehen. Manche würden auch die Risiken und Kosten scheuen. Man müsse daher aktiv auf sie zugehen, sie aufmerksam machen und ihnen Starthilfe geben, empfehlen die Grünen.

Ihre Idee: Bei der Stadt sollte eine Stelle für eine Fachkraft eingerichtet werden, die zunächst die für einen Ausbau geeigneten Gebäude ausfindig macht und im zweiten Schritt die jeweiligen Eigentümer anspricht. Hilfestellungen könne es etwa bei der Machbarkeitsuntersuchung, zur Statik, zu Finanzierungsmöglichkeiten oder Sicherheitsvorschriften geben. Interessant könnte der Dachausbau auch für all jene sein, die ohnehin eine Dachsanierung planen. Die Kombination einer notwendigen Erhaltungsmaßnahme mit der Schaffung von Wohnraum sei auch wirtschaftlich interessant, ist Hucke überzeugt. Gerade im Dachbereich gebe es oftmals hochattraktive Wohnlagen, dort dürfte es kaum Probleme geben, Mietinteressenten zu finden.

Die Grünen hoffen, für ihren Antrag noch in diesem Jahr eine Mehrheit zu finden, damit auch das nötige Geld möglichst schon für 2019 bereitgestellt werden kann. Je eher das Programm umgesetzt werde, desto besser, meinen sie.

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