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Aachen: Grüne fordern bessere Vernetzung zum Umweltschutz

Umweltschutz : Aachener Weihnachtsmarkt soll plastikfrei werden

Ab dem kommenden Jahr soll beim Aachener Weihnachtsmarkt komplett auf Plastik verzichtet werden. Das hat Manfred Piana vom Märkte- und Aktionskreis City gegenüber unserer Zeitung erklärt. Die Grünen im Rat fordern zudem eine zentrale Anlaufstelle bei der Stadt, um weitere Aktivitäten in Sachen Umweltschutz zu forcieren.

Gerade bei großen Events wie dem Weihnachtsmarkt, der schon bald wieder Zigtausende aufs Altstadtpflaster lockt, soll der viel zitierte ökologische Fußabdruck so weit wie möglich schrumpfen. Die Grünen im Aachener Rat wollen daher jetzt eine zentrale Anlaufstelle bei der Stadt einrichten, um weitere Aktivitäten in Sachen Klimaneutralität und Umweltschutz zu forcieren.

Beim offiziellen Fassanstich zum Start der jüngsten Sommerkirmes hat Hilde Scheidt nach eigenem Bekunden noch mehr Spaß gehabt als sonst. Und das durchaus nicht nur aus der sprichwörtlichen Bierlaune heraus – und nicht nur, weil das kühle Blonde in wiederverwertbaren Bechern kredenzt wurde. „Ich war wirklich beeindruckt zu erfahren, dass der komplette Bend-Betrieb mittlerweile mit Ökostrom versorgt wird“, bekennt die Bürgermeisterin und Grünen-Ratsfrau aus gegebenem Anlass. Spätestens zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts nämlich rücken zukunftsweisende Konzepte in Sachen Umweltschutz auf der Wunschliste wieder ganz weit nach oben – auch wenn bereits viel erreicht worden ist.

„Wir wissen natürlich, dass es längst zahlreiche hervorragende Initiativen und Ansätze zur nachhaltigen Gestaltung großer Events in Aachen gibt“, sagt Scheidts Fraktionskollege Kaj Neumann. „Aber gemeinsam mit den örtlichen Ansprechpartnern kann die Stadt noch mehr tun, um neue Strategien zur Abfallvermeidung und zur Nutzung alternativer Energien zu entwickeln.“ Daher haben die Grünen mit Blick auf die herausragenden lokalen Happenings – vom adventlichen Budendorf über die närrischen Umzüge bis zum September Special – jetzt einen entsprechenden Ratsantrag formuliert. Das Ziel liegt auf der Hand: weitestgehende Verbannung von Plastikverpackungen, keine Verwendung von Einweggeschirr, Vermeidung umweltbelastender Ferntransporte, zunehmende Bevorzugung regionaler Produkte, um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen.

„Wir würden uns wünschen, dass die Verwaltung – ähnlich wie beim ,Fairtrade‘-Siegel, mit dem inzwischen viele Geschäftsleute werben – ein gemeinsames Label für die Beschicker von Märkten und Veranstaltungen erarbeitet“, erklärt Scheidt. Zumal der Impuls für den Grünen-Vorstoß von zwei Aachener Gewerbetreibenden ausgegangen sei. „Es geht uns keinesfalls darum, irgendwelche Vorschriften zu machen“, betont die Bürgermeisterin. „Wir sind überzeugt, dass die Idee bei den Geschäftsleuten gut ankommt. Und es macht ja auch Spaß, wenn die Kräfte in diesem Sinne noch effektiver gebündelt werden.“

Auf offene Ohren und Türen stoße man damit sicher auch bei den städtischen Behörden. „Die Verwaltung sollte zunächst eine Bestandsaufnahme machen, um zu sehen, was schon gut funktioniert und wo man im regelmäßigen Austausch aller Beteiligten noch besser werden kann.“ Wenn dazu eine zentrale Beratungs- und Infostelle eingerichtet würde, könnte jeder davon profitieren. „Das Interesse ist ja sichtlich vorhanden“, betont Scheidt. Zumal das Bestreben, den viel zitierten ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, in der Regel nicht einmal höhere Kosten mit sich bringe. Und: „Ein solches Label wäre ein gutes Marketing-Instrument, mit dem man die Anziehungskraft von Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt noch steigern könnte“, meint Neumann.

Dass der Märkte und Aktionskreis City (MAC) als einer der Hauptorganisatoren der wichtigsten Freiluft-Events bereits eine Menge unternimmt, um der Müllflut Einhalt zu gebieten, betont MAC-Geschäftsführer Manfred Piana – gerade mit Blick auf die anstehende Budendorf-Saison rund um Dom und Rathaus. „Bei Getränken haben wir schon vor Jahren auf Mehrwegbehältnisse umgestellt, und inzwischen servieren die meisten Händler ihre Mahlzeiten grundsätzlich auf unbeschichteten Papptellern.“ Auch bei den Verpackungen soll dem Umweltfrevel in Kürze gänzlich Einhalt geboten werden: „Unser Ziel ist, im kommenden Jahr bei allen großen Veranstaltungen keine Plastikverpackungen mehr zuzulassen“, unterstreicht Piana.

Auch in punkto „grüne Energien“ sei der MAC erfolgreich unterwegs. „Mit der Stawag haben wir vereinbaren können, dass auch der Weihnachtsmarkt bereits in diesem Jahr ausschließlich mit Ökostrom versorgt wird.“ Zudem sei man im intensiven Gespräch mit einem großen Anbieter von Einweggeschirr. „Becher, Teller und dergleichen sollten bald nur noch aus nachwachsenden Materialien hergestellt sein, so wie es beim Besteck in aller Regel bereits der Fall ist.“

Allerdings stehe man hier noch vor technischen Problemen im Hinblick auf eine adäquate Mülltrennung, wenn etwa „Irrläufer“ wie Glasflaschen in den Abfallcontainern auftauchten. „Aus unserer Sicht kann man es niemandem zumuten, das von Hand zu machen“, findet Piana. „Im Ganzen kann man aber sicherlich sagen, dass wir in diesem Jahr im Hinblick auf nachhaltige Konzepte einen großen Schritt nach vorn gemacht haben.“