Aachen: Große und kleine Könner beim Radrennen rund um Dom und Rathaus

Sportiver Spaß in der Aachener Altstadt : Ein glattes Vergnügen auf holprigem Pflaster

Einmal im Jahr legt der Aachener Radsportverein „Zugvogel 09“ die Innenstadt lahm – und auch am Samstagnachmittag stört sich kein Flanierwilliger daran, dass die üblichen Passagen von der Krämerstraße über den Markt, vom Elisenbrunnen in die Krämerstraße, von der Kleinkölnstraße auf den Katschhof nicht mehr einfach zu gehen sind. Denn rasenden Pedalrittern gehört dann der Parcours „Rund um Dom und Rathaus“.

Seitenwechsel nur an Übergängen möglich, je nach Rennverlauf auch eine Weile gar nicht: Die 44. Auflage des durchaus berühmt-berüchtigten Straßenradrennens feierten viele Radsportbegeisterte und Einkaufsbummler bei besten äußeren Bedingungen.

Zu den echten Fans gehörten auch Mila und Jacqueline Führen: „Heute Vormittag waren wir in der Stadt und haben von der Aktion am Nachmittag gehört“, berichtete Mama Jacqueline. „Deshalb sind wir jetzt noch einmal gekommen.“ Die achtjährige Mila war dabei die treibende Kraft – obwohl oder gerade weil sie vorher noch nie bei einem Radrennen war. „Wenn hier was los ist, sind wir gern dabei.“

Dabei waren auch Theo (3), Leo (3), Paul (2) und Lene (4) – sozusagen als Nachwuchs-Radrennfahrer. Sie gehörten zu den 30 Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Laufradrennens, dass zwischen dem Amateur- und dem Elite-Amateurrennen gestartet wurde: 100 Meter über den Markt, frenetisch angefeuert von den Menschen an den Absperrgittern und in Empfang genommen von ihren stolzen Eltern. Dass der eine oder die andere angesichts der jubelnden Massen völlig fasziniert das Laufen und Rollen fast einstellten, änderte nichts am gemeinsamen Sieg. Alle durften später auf das kleine Siegerpodest unterhalb der Rathaustreppe krabbeln, um ihre Preise in Empfang zu nehmen.

„Pole Position“ für hungrige Zaungäste: Schlemmen und Schauen galt vielen Altstadtgästen als otimale Kombination. Foto: Andreas Steindl

Auf dem abgesperrten Parcours gab es aber auch noch etwas zu gucken: 51 mal mehr, mal weniger junge Männer, sogenannte Elite-Amateure und Jungprofis, wollten immerhin noch 80 Runden – sprich 65 Kilometer – über das Aachener Kopfsteinpflaster rasen (siehe auch Bericht im Sportteil). Zuvor hatten schon 60 Amateure 50 Runden inklusive schmerzenden Beine und rasend pochenden Herzen beackert und krönten schließlich Olivir Johr vom Stevens-Racing-Team zu ihrem Schnellsten.

„Paris-Roubaix ist ein Sch… dagegen“, wurde Rennsprecher Henning Tonn nicht müde zu betonen. In der Tat hat das legendäre Eintagesrennen, das zu den fünf „Monumenten“ des Radsports gezählt wird, insgesamt nur 50 Kilometer über Kopfsteinpflasterstrecke, in Aachen sind es ein bisschen weniger als 72 Kilometer. Auf dem Parcours Markt, Jakobstraße, Johannes-Paul-II.-Straße, Fischmarkt, Schmiedstraße, Münsterplatz, Ursulinerstraße, Buchkremerstraße und Büchel ist nur die Buchkremerstraße asphaltiert. Ansonsten geht’s immer über mal mehr, mal weniger glatte Pflastersteine und auch mal ein Schlagloch.

Zu gucken gab es also genug, wenn die Passanten an den Übergängen darauf warteten, von den Verkehrskadetten über die Rennstrecke gelassen zu werden. Einmal im Jahr den Passantenstrom lahm zu legen, um per Sportrad richtig loszulegen, ist deshalb ein guter Grund zu feiern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kleine und große Sportler haben alles gegeben

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