Aachen: Gewalt im Frankenberger Viertel

Prozess um Gewalt im Frankenberger Viertel : Wenn Linke auf Rechte treffen

Es war einer von mehreren Vorfällen im Frankenberger Viertel, die Ende März 2017 und am vergangenen Sonntag sogar zu Demos von Linksautonomen gegen den allgemeinen Rechtsruck und gegen Aktionen von Mitgliedern der rechtsradikalen „Identitären Bewegung“ führten.

Man demonstrierte damals auf dem Neumarkt etwa gegen das Anbringen eines Banners mit rechten Parolen gegen Ausländer an der Burg Frankenberg oder gegen ein gewalttätiges Zusammentreffen von Linken und Rechten an der Ecke Triebel- und Bismarckstraße. Bei dieser Begegnung, so hieß es damals auf der Demo, seien die Rechten die Aggressoren gewesen und eben nicht die Linksautonomen.

Das sah die Staatsanwaltschaft vertreten durch Ankläger Jost Schützeberg allerdings anders. Vor dem Jugendschöffengericht müssen sich deswegen seit Mittwoch die 20-jährige Leandra B. aus Darmstadt sowie der 25-jährige Felix G. aus Aachen vor dem Jugendschöffengericht mit der Vorsitzenden Richterin Katrin Thierau-Haase verantworten.

Der Vorfall, um den es geht, trug sich am späten Nachmittag des 16. März 2017 im Straßenbereich der Einmündung der Triebelstraße unmittelbar zwischen denen sich gegenüber liegenden Eingängen der Gastronomien eines Grills und der Gaststätte „Zum Insulaner“ zu.

Zwei bekannte Vertreter aus der rechten Szene hatten anscheinend ihren Frisörtermin in dem nahen Laden an der Ecke Oppenhoffallee absolviert und gingen in Richtung Bismarckstraße, als sie auf eine Gruppe von „acht bis neun“, wie Zeugen übereinstimmend berichteten, Vertreter und Vertreterinnen der linksautonomen Szene trafen.

Unmittelbar ergab sich eine Auseinandersetzung, von der bislang beide Seiten behaupten, dass die jeweils andere Seite zuerst gewalttätig geworden sei. Jedenfalls flogen, das berichteten Zeugen ebenfalls übereinstimmend, zwei Flaschen aus dem Pulk der Linken in Richtung der entgegenkommenden und frisch frisierten Rechten. Die Flaschen zerbarsten auf der Straße.

Felix G. nun wird von der Anklage zusätzlich vorgeworfen, mit einer Dose Pfefferspray einen der beiden entgegenkommenden Männer verletzt zu haben. Der Verteidiger von G. machte im Namen seines Mandanten allerdings geltend, dass der Einsatz des Pfeffersprays rein zur Abwehr des rechten Angreifers benutzt worden sei. Denn der sei mit einem Teleskopschlagstock in der Hand und ebenfalls mit Pferrspray bewaffnet auf die linke Gruppe zugelaufen und habe drohende gerufen „wir hauen dir auf die Fresse“. Da habe sein Mandant gesprüht.

Aus den Befragungen durch die Vorsitzende war auch am Nachmittag nicht eindeutig ersichtlich, wer nun den Händel angefangen hatte. Selbst ein Video, das von einer Zeugin aus unmittelbarer Nähe gedreht wurde, gab dazu keinen Aufschluss.

Vor allem verweigerten die beiden vermeintlich angegriffenen jede Aussage, weil auch gegen sie Ermittlungsverfahren geführt werden.

Eine Zeugin beschrieb, wie sich die Fronten aggressiv gegenüber gestanden hatten, eine weitere Zeugin berichtete darüber hinaus, dass der Angeklagte G. zunächst maskiert gewesen sei, im Eifer des Gefechtes allerdings die Maske herunterrutschte. Daher erkenne sie nun sein Gesicht, sagte sie.

Widerstand gegen Polizei

Der Mitangeklagten Leandra B. werden Widerstandshandlungen gegen die Polizei vorgeworfen. Zunächst habe sie sich nach der Teilnahme an jenem Vorfall am 16. März mit Gewalt ihrer Festnahme widersetzt. Das Gleiche habe sich sodann bei der Auflösung der Hausbesetzung am Muffeter Weg am Morgen des 20. Juli dieses Jahres zugetragen, hier hab sie flüchten wollen und dabei einen Polizisten zu Fall gebracht, der sich am Bein verletzte.

Das Verfahren fand unter erheblichen Sicherheitsaufwand statt. Die Linke hatte vor Prozessbeginn zu einer Demo aufgerufen, viele der Teilnehmer suchten sich dann Plätze im Sitzungssaal. Der nächste Termin im Landgericht ist am Freitag, 30. November, ab 9 Uhr.

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