Aachen: Gericht berät über akute Gefährdung im Klinikum

Eilverfahren : Wie gefährlich sind die Brandschutzmängel in der Uniklinik?

Wie akut sind zehntausende Patienten, Mitarbeiter und Besucher in der RWTH-Uniklinik in Aachen gefährdet? Über die Tragweite nicht beseitigter Brandschutzmängel streitet die Uniklinik mit der Bauaufsicht und anderen städtischen Fachabteilungen jetzt vor dem Verwaltungsgericht. Sechs Eilverfahren sind schon anhängig. Sogar eine Teilstilllegung des Klinikums wird nicht mehr ausgeschlossen.

In der vergangenen Woche hatte die Stadt Informationen unserer Zeitung bestätigt, nach denen Ämter ernste Versäumnisse der Klinikleitung bei der Aufarbeitung von Brandschutz-Mängellisten „ordnungsbehördlich aufgegriffen“ haben. Weil die RWTH-Uniklinik Fristen verstreichen ließ, wurden bereits Zwangsgelder festgesetzt. Sogar eine Stilllegung bestimmter Gebäudeteile des Klinikums wurde „ins Gespräch gebracht“, wie es aus Verwaltungskreisen heißt.

Die Uniklinik wehrt sich nun vor Gericht gegen Ordnungsverfügungen. Diese betreffen unter anderem fehlende Prüfberichte über die Funktion von Brandmelde- und Alarmierungsanlagen sowie die Instandsetzung von Rauchsaugsystemen. Denn hier liegt offenbar eine besondere Gefahr – nämlich das Ausblasen von extrem gesundheitsschädlichen Asbestpartikeln über die gigantische Anlage des Klinikums.

Installiert wurden in den 80er Jahren unzählige Brandschutzklappen mit Asbestteilen. Eine Brandschutzklappe ist ein sicherheitstechnisches Bauteil, das zwischen den einzelnen Brandabschnitten eines Gebäudes in Wände und Decken eingebaut wird. Im Normalbetrieb ist die Klappe geöffnet und ermöglicht so den Luftdurchlass. Im Brandfall schließt die Brandschutzklappe automatisch und verhindert somit die Ausbreitung von Feuer und Rauch. Bei der Produktion von Brandschutzklappen verwendete man früher Asbest für verschiedene Bauteile – etwa das Klappenblatt oder die umlaufende Dichtung. Nun soll ausgeschlossen werden, dass im Klinikum fortwährend oder in Gefahrensituationen krebserregendes Asbest freigesetzt wird und in die Atemwege der Menschen gelangt.

Dies sei „ein bekanntes Problem, das Betreiber und die öffentliche Hand vor organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen stellt“, erläutert dazu Kliniksprecher Mathias Brandstädter auf Anfrage. „Denn einerseits müssen die Brandschutzklappen regelmäßig betätigt werden, um deren Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Andererseits ist darauf zu achten, dass dabei auf keinen Fall Schadstoffe durch poröses Material freigesetzt werden“, bestätigt er. Die Klinik weist darauf hin, dass viele öffentliche Gebäude in riesigem Ausmaß von der Asbestbelastung betroffen seien und von einer „extremen Gefährdung“ in der Uniklinik keine Rede sein könne.

Die Aachener Bauaufsicht schätzt die Lage offenkundig anders ein. „Bei der Gefahrenabwehr das Klinikum betreffend handelt es sich um eine komplexe, vernetzte Wertung und Entscheidungsfindung“, teilt die Stadt mit. „In diesem Zusammenhang wurde thematisiert, dass grundsätzlich keine notwendige Maßnahme tabuisiert werden kann. Sofern andere ordnungsbehördliche Anordnungen nicht zum Ziel führen, können in letzter Konsequenz auch Teilstilllegungen nicht ausgeschlossen werden“, heißt es.

Ein Termin zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts steht noch aus.

Mehr von Aachener Nachrichten