Aachen: Generali löscht den Versicherungsnamen AachenMünchener

Generali übernimmt : Die AachenMünchener wird komplett demontiert

Nach 194 Jahren wird der traditionsreiche Versicherungsname AachenMünchener ausgelöscht. Generali zeigt mehr Farbe – Rot statt Gelb. Fahnen und Hinweisschilder sind ausgetauscht. Die Fusion geht Anfang Oktober über die Bühne.

Gestrichen ist nur die Idee, den kompletten gelb-schwarzen AachenMünchener-Komplex umzupinseln. Das hätte der Mehrheitseigentümerin, der Generali Deutschland, gefallen können. Deren Firmenfarbe im Corporate-Design ist Rot. Doch der Plan ist vom Tisch, die schmucken Fassadenfarben bleiben nun doch wie sie sind. Ansonsten ist die AachenMünchener (AM) Versicherung nach 194 Jahren schon fast Geschichte.

Die AM-Firmen-Fahnen rund um das imposante Direktionsgebäude wurden durch Generali-Flaggen ersetzt, sämtliche gelbe Hinweisschilder rot ausgetauscht. Auch im Gebäude, auf Fluren und in den Büros läuft die Umwandlung auf Hochtouren. Generali statt AM. In den Tagen vom 2. bis 7. Oktober 2019 wird die AachenMünchener Versicherung AG als Sachversicherung in der italienischen Mutter aufgehen.

Hintergrund der komplexen Wandlung ist offenbar die laufende Umstrukturierung des gesamten Deutschland-Geschäftes des börsennotierten italienischen Versicherungsriesen Assicurazioni Generali. Den finalen Zeitpunkt dieser Fusionsabwicklung in Aachen hat die Generali am Mittwoch erstmals auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Schon im kommenden Jahr soll dann auch die AachenMünchener Lebensversicherung AG von der Bildfläche verschwinden. Der Name AachenMünchener wäre damit beerdigt.

„Mit Gelb spielt man nicht“: In Anlehnung an der AM-Werbespot mit Mario Adorf („Mit Geld spielt man nicht“) wird die Außenhülle des Direktionsgebäudes an der Borngasse nicht rot gestrichen – auch wenn Generali den Namen Versicherungsnamen AachenMünchner auslöscht. Foto: Andreas Herrmann

In den kommenden Wochen werden Hunderttausende AM-Versicherungskunden Post erhalten – damit sie erfahren, dass sich außer dem Namen quasi nichts für sie ändert. Auch das architektonisch spektakuläre Direktionsgebäude – entworfen vom preisgekrönten Aachener Architekturbüro „kadawittfeld“, das dort selbst auf mehreren Etagen beheimatet ist – erstreckt sich weiterhin von der Aureliusstraße über die Borngasse hinweg bis zum Kapuziner Karree. Einen zweiten Standort betreibt die frühere AM nun als Generali neben dem Hangeweiher – dort ist das Rechenzentrum untergebracht.

Die Generali in Deutschland zählt in Aachen mit ihren Unternehmen AachenMünchener, Generali Deutschland Informatik Services, Generali Deutschland Schadenmanagement sowie Generali Deutschland Services und ihren rund 1700 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern in der gesamten Region. Am Standort der Direktion der AachenMünchener (AachenMünchener-Platz 1) sind rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv, davon rund 450 (noch) bei der AachenMünchener.

Die heutigen Mitarbeiter der AachenMünchener werden im Zuge des Rebrandings im Rahmen von Betriebsübergängen zu Mitarbeitern der Generali Deutschland AG. Die mehr als 1000 weiteren Aachener Kollegen der Generali Group arbeiten auf dem Gelände des Alten Klinikums (Maria-Theresia-Allee bzw. Anton-Kurze-Allee), davon mehr als 650 in der Informationstechnik (IT). Diese ist eines von zwei internationalen Rechenzentren der Generali Group. Der Konzern will die Umfirmierung in Aachen deshalb ausdrücklich als Stärkung des Standorts verstanden wissen. Schließlich seien „signifikante Investitionen geplant“, wie es heißt. „Die besondere Bedeutung des Standorts Aachen für die Generali in Deutschland wird durch die Umfirmierung weiter steigen. Das gilt auch international: „Aachen ist mit der Generali wichtiger Standort für eine der größten Versicherungsmarken Europas.“, teilt die Generali mit. Ob dies in naher Zukunft Auswirkungen auf den Personalbestand hat, ist nicht bekannt.

Grundstein im Jahr 1825 gelegt

Den Grundstein für die fast 200-jährige AM-Geschichte legte David Hansemann im Jahr 1825 mit der Gründung der Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Nach dem Zusammenschluss mit der Deutschen Lebens-, Pensions- und Rentenversicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit in Potsdam setzten sich seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Aachen und München im Firmennamen immer stärker durch. Begleitet wurde dies später auch durch millionenschwere Werbekampagnen. Mario Adorf drehte beispielsweise bei Alemannia Aachen für die AM TV-Werbespots („Mit Geld spielt man nicht“), das war 2003. Die AM, die seit 1998 zur Generali mit Hauptsitz in Triest gehört, zog sich dann aber als Werbepartner von großen Sportveranstaltungen immer weiter zurück; vor wenigen Jahren auch vom Reitturnier CHIO in der Soers. In diese Lücke stieß der Konkurrent Allianz.

Die Generali Deutschland ist nach Branchenangaben mit rund 18 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und mehr als 13,5 Millionen Kunden nach der Allianz der zweitgrößte Erstversicherer in Deutschland und die viertgrößte Versicherungsgruppe. Den operativen Gewinn bezifferte die Gruppe für 2018 auf 821 Millionen Euro.

Offizielle Postadresse der Generali-Direktion ist nunmehr übrigens der AachenMünchener Platz 1. Die Aachener-und-Münchener-Allee indes flankiert den Kaiser-Friedrich-Park (Hangeweiher). Diese beiden Straßennamen bleiben erst mal bestehen. Andernfalls würden wohl nicht nur Aachener Anwohner rotsehen.