Aachen: Gelassene Reaktion auf BGH-Urteil zu Werbegaben in Apotheken

Vorsitzende des Apothekerverbands ist besorgt : Ende Juni schließen wieder zwei Apotheken

Apotheken-Kunden mit einem ärztlichen Rezept dürfen nach einem BGH-Urteil in der Apotheke zum Medikament keine Werbegaben mehr dazubekommen. Das sei nichts Neues, kommentiert die Vorsitzende des Apothekerverbands Aachen, Gabriele Neumann. Sie treiben andere Probleme um.

Keine Papiertaschentücher, keine Halspastillen, kein Stückchen Seife: Kunden, die in der Apotheke ein Rezept einlösen, dürfen in Zukunft keine noch so kleine Kleinigkeit als Zugabe bekommen. Das hat der Bundesgerichthof in Karlsruhe vor wenigen Tagen entschieden. Apothekerin Gabriele Neumann nimmt den Richterspruch gelassen. Kopfzerbrechen bereiten ihr dagegen andere Entwicklungen: die Konkurrenz der Versandapotheken aus dem EU-Ausland – und das weiter anhaltende Apothekensterben.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen in Deutschland überall gleich viel kosten. Das soll einen ruinösen Preiskampf unter Apotheken verhindern und damit eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sicherstellen. Gibt der Apotheker zum verschriebenen Medikament aber ein noch so kleines Geschenk dazu, so wird die Preisbindung indirekt unterlaufen. Das haben die obersten deutschen Zivilrichter in ihrem aktuellen Urteil ausdrücklich bestätigt. Konkret beanstandeten sie Gutscheinaktionen von zwei Apotheken in Darmstadt und Berlin.

„Die Vorschrift gab es ja schon lange“, sagt Gabriele Neumann. „Jetzt haben wir es noch einmal Schwarz auf Weiß. Mal sehen, wie sich daran gehalten wird.“ Auch Neumann hat Hustenbonbons in Miniportionen und andere kleine Geschenke in der Schublade liegen. „Aber ich habe mich auch bisher schon an die Regeln gehalten und solche Sachen nur dazugegeben, wenn die Kunden frei verkäufliche Arzneimittel oder Kosmetika erworben haben“, versichert sie. Zum Medikament auf Rezept aber habe es bei ihr nie ein Präsent dazugegeben. Bei Kunden kommt das nicht immer gut an. Der eine oder andere reagiere regelrecht unwirsch, erzählt die Apothekerin. „Da wird man auch schon mal angemeckert.“ Ihre Erfahrung: „Manche Leute sind regelrechte Zugabenjäger.“

Viel mehr als die aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu den kleinen Geschenken aber ärgert sich Gabriele Neumann über den ungleichen Wettbewerb mit den ausländischen Versandapotheken. Denn die Versender gewähren bisher satte Rabatte. „In diesem Wettbewerb ziehen wir den Kürzeren“, klagt Neumann. Mit Spannung erwarten sie und ihre Kollegen nun das angekündigte Apothekenstärkungsgesetz. Für die von der großen Koalition geplante Apothekenreform liegt derzeit der Referentenentwurf vor. Neumann ist allerdings in Sorge, dass am Ende eher ein „Apothekenvernichtungsgesetz“ herauskommen wird.

Ohnehin beobachtet die Vorsitzende des Apothekerverbands ein anhaltendes Apothekensterben. Ein Grund dafür ist aus ihrer Sicht neben der Versandkonkurrenz aus dem Ausland die Tatsache, dass die Preise seit Jahren nicht angepasst worden seien und somit der Rohertrag sinke. „Als ich vor 19 Jahren in Aachen anfing, gab es hier noch mehr als 80 Apotheken“, sagt Neumann. „Aktuell sind es noch 68. Und Ende des Monats schließen wieder zwei.“

Mehr von Aachener Nachrichten