Aachen gegen den Rechtspopulismus

Initiative Offenes Aachen : Die Demokratie ist kein Selbstläufer mehr

Vielleicht ist es dem einen Aachener oder der anderen Aachenerin noch in Erinnerung: Die Projektgruppe „Offenes Aachen!“ der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen feierte ein buntes, viel beachtetes Fest für Vielfalt, Demokratie und Menschenwürde im Elisengarten.

5000 Menschen aller Couleur feierten mit und ließen als beeindruckendes Zeichen des Zusammenhalts in einer gewollt pluralistischen Gesellschaft schließlich ein buntes Meer von Luftballons in den Himmel schweben.

Danach ist es erst einmal still geworden um die Projektgruppe „Offenes Aachen!“. Verschnaufen war nach dem immensen ehrenamtlichen Einsatz nötig. Jetzt melden sich die Akteure zurück, „denn die Notwendigkeit, das Verbindende der Gesellschaft in den Mittelpunkt zu stellen, ist aktueller denn je“ meinte Hans-Joachim Geupel, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen.

„Offenes Aachen 2.0“ nennen die Organisatoren den neuen Veranstaltungsreigen (siehe Info), der am 23. Mai mit einem großen Fest im Ballsaal des Alten Kurhauses seinen Höhepunkt finden soll. Dann stoßen die Bürgerstifter und hoffentlich viele Gäste auf den Geburtstag des Grundgesetzes an.

70 Jahre wird die Grundlage unseres Zusammenlebens alt und für Norbert Greuel, Projektleiter von „Offenes Aachen!“, eben nicht ein Grund für einen beschaulichen Rückblick, sondern für ein aktives Aufmerksammachen auf den nach wie vor bestehenden hohen Wert der deutschen Verfassung: „Wir wollen mehr Menschen vom Wert unserer Grundrechte und der Gewaltenteilung überzeugen. Mit dem Grundgesetz als normative Grundlage können wir auch Vielfalt leben. Eine vielfältige Gesellschaft ist vielleicht kompliziert, aber sie bereichert uns enorm“, meinte er auch in Hinblick auf immer stärker werdende rechtspopulistische Strömungen und ausgrenzende Tendenzen allgemein.

Gerade junge Menschen nähmen das Grundgesetz und die demokratische Grundordnung oft als selbstverständlich und gegeben hin. „Das sind sie aber nicht, wie uns zu viele andere europäische Länder aufzeigen, in denen zum Beispiel die Presse- und Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.“

Recht realistisch betrachten die Organisatoren indes die Erreichbarkeit derjenigen, die bereits fest in rechtspopulistischen Bahnen denken, auch wenn sie selbst jederzeit zum Dialog bereit stehen. „Die werden wir vielleicht tatsächlich nicht aus ihrer Blase herausholen, aber vielleicht erreichen wir ihr Umfeld“, meinte Herbert Taudien, Leiter der AG Demokratie, die für einen Teil der Ausgestaltung von „Offenes Aachen 2.0“ verantwortlich zeichnet. Adolf Bartz, Leiter der ebenso beteiligten AG Menschenrechte und Vielfalt ergänzt: „Wenn wir erreichen, dass sich wieder mehr Widerspruch regt bei rassistischen und ausgrenzenden Äußerungen, haben wir viel geschafft.“

Als Kooperationspartner hat „Offenes Aachen!“ den Aachener Friedenspreis, die RWTH Aachen, das Projekt „Demokratie leben“, die VHS Aachen, den Integrationsrat der Stadt, das Bildungsbüro der Städteregion, die Kommunalen Integrationszentren von Stadt und Städteregion sowie die Initiative „Offene Gesellschaft“ in Berlin gewinnen können.

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