Aachen: Gastronomen ziehen sich vielerorts zurück

Gastro-Szene : Aachener Restaurantchefs werfen reihenweise das Handtuch

Nach „Ratskeller“ und „Kohlibri“ trifft es „Altes Zollhaus“, „Twentyfive Steakclub“ und „Bistro Petit Charlemagne“. Populäre Gastronomen ziehen sich in diesem Jahr reihenweise zurück. Das Café im Super C ist auch schon dicht.

Vielen verwöhnten Gaumen dürfte diese Menüfolge so gar nicht schmecken. Immer mehr Namen verschwinden nämlich von der gastronomischen Karte der Stadt Aachen. Nachdem die Spitzenköche Bernd Geiger und Maurice de Boer ihren Rückzug zum 30. Juni – der eine durch die endgültige Schließung des Restaurants „Kohlibri“ über dem BMW-Autohaus an der Neuenhofstraße, der andere gibt seinen Abschied aus dem „Ratskeller“ am Markt – verkündet haben, sagen weitere populäre Gastro-Betriebe adieu.

Betroffen sind das traditionsreiche „Alte Zollhaus“ an der Friedlandstraße, der „Twentyfive Steakclub“ an der Schillerstraße und das renommierte „Bistro Petit Charlemagne“. Komplett dichtgemacht gemacht hat unterdessen schon das im RWTH-
Super C am Templergraben gelegene „C-Caffé“, das mit Abstand billigste Lokal in diesem Zusammenhang.

Damit Studierende preiswert trinken und speisen können, hatte der vormalige Betreiber, das Studierendenwerk Aachen, das Geschäft kräftig subventioniert – bis die RWTH ihrem Pächter die Miete für die 170 Quadratmeter plus Außenterrasse nach zehn Jahren kräftig erhöhte.

Das Café im Super C ist bereits geschlossen. Foto: ZVA/Harald Krömer

„Da das C-Caffé ausschließlich tagsüber und unter Berücksichtigung einer sozialverträglichen Preisgestaltung betrieben wird, ist eine kostendeckende Bewirtschaftung nun nicht mehr möglich“, erklärt Dirk Reitz, Geschäftsführer des Studierendenwerks. „Wir sind sehr traurig – unser Café war für viele Studierende eine feste Anlaufstelle. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass ihnen hier eine ähnlich gute und kostengünstige Versorgung zur Verfügung stehen wird.“

Das ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn die Café-Betreiber, mit denen die Hochschule derzeit verhandelt, sind eher im höherpreisigen Segment zu Hause. Der Ausgang ist offen.

Restaurantchefin Teresa Froitzheim zieht sich zurück: Der „Twentyfive Steakclub“ wird verkauft – das neue Konzept ist offen. Foto: Andreas Steindl

Beides gilt auch für den „Twentyfive Steakclub“. Gastronomin Teresa Froitzheim verabschiedet sich am Mittwoch von ihrem „Baby“, das sie vor zwei Jahren mit ihrem damaligen Geschäftspartner Christof Lang („La Bécasse“) im ehemaligen „Romanelli“ auf die Beine gestellt hat. Das bislang reinrassige Steakhaus soll in neue Hände übergeben werden – womöglich mit verändertem Konzept. Als Betriebsleiterin soll Oana Longo mit weiteren Gesellschaftern übernehmen.

Froitzheim räumt ein, dass die jüngste Zeit in dem einzigartigen Lokal – in dem beispielsweise Tische aus alten Bahngleisen konstruiert waren – nicht einfach war. „Ich bedanke mich von Herzen und an allererster Stelle bei meinen Kollegen, die aus der Achterbahnfahrt der letzten zwei Jahre nie aussteigen wollten – für ihre Geduld, ihr Durchhaltevermögen und ihr Verständnis“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Mein Plan von Gastronomie in der Größe und Qualität lässt sich an diesem Ort nicht länger realisieren.“

Sternekoch Detlev Rams bestätigt Abschied: Das „Bistro Petit Charlemagne“ am Elisengarten schließt im Herbst. Foto: ZVA/Robert Esser

Zu viele Steine auf dem Weg sieht auch Gastronomin Silvia Frankenne, die das urige „Im alten Zollhaus“ an der Friedlandstraße im Laufe des Junis schließen wird. „Ja, die Entscheidung ist leider alternativlos“, bestätigt sie am Dienstag. Für einen neuen Pachtvertrag ließ sich mit dem Verpächter keine Einigkeit erzielen. Dabei stehen erhebliche Investitionen an: Küche, Bierkeller und Theke im in die Jahre gekommenen Zollhaus von 1876 zwischen Marschiertor und Burtscheider Brücke müssen – schon weil Behörden dies vehement verlangen – dringend erneuert werden.

Mit viel Herzblut, Engagement und Qualität hatte Frankenne das Restaurant – weit über Aachens Grenzen hinaus für seinen „Renner“ Sahneschnitzel bekannt – seit einem Jahr auf Vordermann gebracht. „Der Laden läuft super, das macht es umso bitterer“, sagt sie. 30 Mitarbeiter stehen vor dem Aus. Denn ein Nachfolger ist unter den gegebenen Umständen aktuell nicht in Sicht.

Im Herbst will Sternekoch Detlef Rams das edle „Bistro Petit Charlemagne“ hinter sich lassen. Das Aus ist beschlossene Sache, wie am Dienstag bestätigt wurde. Bis dahin soll aber auf bekannt hohem Niveau weiter gekocht und serviert werden. Alle Reservierungen bleiben gültig. Die Hartmannstraße am Elisengarten verliert mit dem Gourmet-Tempel einen vielfach ausgezeichneten Küchenchef. Rams hatte schon vor gut 15 Jahren in seinem Eilendorfer „Charlemagne“ den ersten Michelin-Stern erkocht – bevor er in die Innenstadt wechselte. Auch das ist Geschichte.

Wohin verwöhnte Gaumen angesichts der Abschiedsserie in der gehobenen Aachener Gastronomie und klassischer Traditionslokale ausweichen, bleibt noch ein Geheimnis – quasi ein Überraschungsmenü.