Aachen: Für das Umweltprojekt FLIP werden Flächen gesucht

Flächen für Umweltprojekt gesucht : „Wiesenwelten“ in der Städteregion

Mehr Platz für Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere heimische Insekten: RWTH, Stadt Aachen, Städteregion und die Aachener Stiftung Kathy Beys haben sich zusammengeschlossen, um die Insektenvielfalt in und um Aachen zu erhöhen.

Mit einem gemeinsamen Projekt wollen sie dafür sorgen, dass Rasen und landwirtschaftliche genutzte Flächen zu artenreichen Wiesen werden. Gesucht werden Menschen, die weitere Flächen für das Projekt zur Verfügung stellen. Die Lage ist dramatisch: Wenn sich nicht schnell und massiv etwas ändert, ist weltweit eine Million Insektenarten vom Aussterben bedroht.

Der Weltbiodiversitätsrat hat das vor wenigen Monaten eindrücklich beschrieben. Mit Mitteln des Bundesprogramms Biologische Vielfalt des Bundesamts für Naturschutz wollen die vier Partner in der Städteregion gemeinsam gegensteuern. Für ihr Projekt „Förderung der Lebensqualität von Insekten und Menschen durch perfekte Wiesenwelten“ (Flip) derzeit wird der Förderantrag erarbeitet.

Das Ziel ist ehrgeizig: Man will viele heimische Pflanzen ansiedeln, um den Lebensraum für Insekten wiederherzustellen. Deshalb sind die Projektpartner auf der Suche nach weiteren Flächen. Infrage kommen zum Beispiel größere Rasenflächen, intensiv genutzte landwirtschaftliche Grünflächen oder Feldraine, die beispielsweise im Besitz von Landwirten, Kirchengemeinden, Kleingartenvereinen, Bildungseinrichtungen, Gewerbetreibenden oder Privatpersonen sind.

Mindestens 200 Quadratmeter groß sollten die Bereiche allerdings sein, erläutert Jana Jedamski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am RWTH-Institut für Umweltforschung. Die Flächen sollen dann ab Frühjahr 2020 „insektenschonend“ bearbeitet, erläutert Jedamski: „Die Flächen dürfen zum Beispiel nicht vor dem 15. Juni gemäht werden und insgesamt nur zweimal im Jahr geschnitten werden.“ „Flip“-Flächen sind also nichts für den Einsatz von Rasenmäher oder gar den Mähroboter.

Projektkoordinatorin Martina Roß-Nickoll vom Institut für Umweltforschung ermuntert die Besitzer von Grünflächen, sich zu melden: „Das Projekt ,Flip’ bietet Unterstützung bei der Bewertung der Flächen und der Entwicklung von passenden Pflegemaßnahmen.

Über die Projektlaufzeit evaluieren wir auch, wie sich die Fläche entwickelt und für welche Insekten sie attraktiv wird. Unser Ziel ist es, intensiv genutzte Flächen in der Stadt-Umland-Region ökologisch sinnvoll aufzuwerten.“ Wer Flächen in das Projekt einbringe, sei ausdrücklich gefordert, mitzudenken und mitzuarbeiten, betont Jana Jedamski.

Rund 20 Hektar Grünflächen in der Städteregion sind bereits für „Flip“ vorgemerkt. Auch die Stadt Aachen bringe etliche eigene Grünflächen in das Projekt ein, berichtet Fabiola Blum vom städtischen Fachbereich Umwelt.

So sollen zum Beispiel Flächen im Stadtpark, auf der Hollandwiese am Pariser Ring oder im Nelson-Mandela-Park am Alten Klinikum zu artenreichen Insektenparadiesen werden. „Ein paar Landwirte sind bereits am Start“, sagt Blum, „und es wäre schön, wenn noch weitere dazukommen.“ Mähweisen, zum Beispiel im Wurmtal, oder größere Feldraine sind ebenfalls bereits für „Flip“ vorgesehen.

Begleitet werden soll das Projekt, das zunächst auf sechs Jahre angelegt ist, von einer umfangreichen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. „Flip“ habe schließlich auch das Ziel, ein Bewusstsein für den Wert der Pflanzen- und Tiervielfalt zu wecken, sagt Blum. Die Besitzer der Flächen wiederum sollen im Projektzeitraum so viel lernen, dass sie ihre „Wiesenwelt“ auch weiter dauerhaft erhalten können. Wer sich vorstellen kann, bei „Flip“ mitzumachen, sollte sich per E-Mail an FLIP@bio5.rwth-aachen.de bei den Projektpartnern melden.

(mg)
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