Aachen: Für 182 Verstorbene hat das Amt die Beerdigung veranlasst

Öffentliche Gedenkfeier auf dem Friedhof : Das letzte Geleit zahlt das Ordnungsamt

In der Zeit vom 1. April 2018 bis zum 22. April 2019, also in etwas mehr als zwölf Monaten, sind in Aachen 182 Menschen gestorben, die keine nahen Angehörigen hatten, die sich um die Beerdigung kümmern konnten. Für ihr Begräbnis hat das Ordnungsamt Sorge getragen.

182, das sind immerhin gut acht Prozent der 2203 Menschen, die in diesem Zeitraum in Aachen beigesetzt worden sind. Für sie alle gibt es am Dienstag, 21. Mai, 18 Uhr, eine öffentliche Gedenkfeier. Ein Bestatter, ein Friedhofsmitarbeiter, meist noch ein Geistlicher: Stirbt ein Mensch ohne nahe Angehörigen, dann ist der Trauerzug zum Grab meist sehr überschaubar. 182 Mal war das seit April 2018 wieder der Fall. „Und die Zahlen steigen seit Jahren“, beobachtet Elke Wartmann, zuständige Abteilungsleiterin beim städtischen Ordnungsamt. Sie sieht darin auch ein Zeichen zunehmender Vereinzelung in der Gesellschaft. Traurige Schicksale mit viel Einsamkeit seien das manchmal.

Das Ordnungsamt wird häufig vom Krankenhaus oder Altenheim informiert, in dem der Betroffene gestorben ist. Manchmal meldet sich auch die Polizei. „Wir haben dann die gesetzliche Bestattungsfrist von zehn Tagen einzuhalten“, sagt Elke Wartmann. Das Ordnungsamt forscht, ob es Hinweise auf Angehörige gibt, ob womöglich sogar die Todesnachricht noch zu überbringen ist. „Und wir müssen uns um das Finanzielle kümmern“, erklärt Wartmann. „Wir versuchen zu klären, ob noch Vermögen da ist, aus dem die Beisetzung bezahlt werden kann. Das ist oft auch eine Portion Detektivarbeit.“

Wer muss eigentlich zahlen? „Herangezogen werden die nach dem Bestattungsgesetz Verpflichteten“, sagt Elke Wartmann und zählt auf: Ehegatten, Eltern, Geschwister, Kinder … Die Suche nach nahen Angehörigen endet auch nicht mit der durch das Ordnungsamt organisierten Beisetzung. Die Kosten gehen ja zu Lasten der Allgemeinheit, und die Behörde muss versuchen, diese Kosten wieder hereinzuholen. „Da ist man manchmal jahrelang beschäftigt“, sagt Wartmann.

Keine Extras bei „Armenbegräbnis“

Ein Begräbnis, um das sich das Ordnungsamt kümmert (der Volksmund nennt das auch „Armenbegräbnis“), kostet rund 2500 Euro für Bestatter, Gebühren und Friedhofsverwaltung. Blumenschmuck oder andere Extras sind nicht vorgesehen. Das Ordnungsamt darf nur das Notwendigste ausgeben – „zur Gefahrenabwehr“, wie es übrigens offiziell heißt. Für die 182 Verstorbenen seit April 2018 kalkuliert das Ordnungsamt mit Kosten von insgesamt rund 425.000 Euro. Auf dem Friedhof Hüls an der Wilmersdorfer Straße ist für diese Toten ein eigenes Rasenfeld eingerichtet worden, das vom Stadtbetrieb gepflegt wird.

Die öffentliche Feier, die in Aachen seit einigen Jahren organisiert wird, soll ein würdiges Gedenken für die Verstorbenen sein. Aber auch Nachbarn, ehemalige Kollegen oder alte Freunde haben dann die Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Sie erfahren häufig ja nichts von der Beisetzung eines Menschen, den sie gekannt haben und dem sie vielleicht gerne die letzte Ehre erwiesen hätten. Die Traueranzeige mit den 182 Namen ist am vergangenen Samstag in unserer Zeitung erschienen. Der Zeitungsverlag Aachen veröffentlicht diese Anzeige kostenlos.

Oberbürgermeister Marcel Philipp ist jedes Jahr Schirmherr der Gedenkfeier. Die Stadt und die evangelische und katholische Kirche laden gemeinsam dazu ein. Aber viele weitere Beteiligte unterstützen die Veranstaltung. Steinmetzbetriebe etwa stellen zu günstigen Konditionen kleine Gedenksteine zur Verfügung, die auch dann noch an die Verstorbenen erinnern, wenn die schlichten Holzkreuze mit Namen und Lebensdaten längst verwittert sind. Eine Friedhofsgärtnerei spendet die Kerzen, die während der Gedenkfeier entzündet werden. „Wichtig sind aber vor allem die Menschen, die hinkommen“, betont Elke Wartmann. Die Resonanz auf die schön gestaltete Feier sei seit Jahren erfreulich groß.

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