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Aachen: Flüchtiger Geiselnehmer aus Bedburg-Hau erschossen

Schussabgabe auf Aachener Spielplatz : Flucht aus der Forensik endet tödlich

Geiselnahme endet in Aachen tödlich

Es ist später Montagabend, als zwei Männer aus der Forensik in Bedburg-Hau am Niederrhein fliehen. Weniger als 24 Stunden später ist einer von den beiden tot. Eine spektakuläre Flucht mit mehrfacher Geiselnahme endet am Dienstagabend auf einem Spielplatz in Aachen.

Sie nahmen zwei Pflegekräfte in der Forensik Bedburg-Hau als Geiseln und setzten sich mit einem gestohlenen Auto in Richtung Aachen ab: Am Montagabend gegen 22.45 Uhr sind zwei Männer aus der Region, die seit Oktober und Dezember des vergangenen Jahres in der Einrichtung am Niederrhein einsaßen, von dort getürmt. Sie hatten, mit einem Küchenmesser bewaffnet, einen Pfleger eingesperrt und einen anderen dazu gezwungen, sie unter einem Vorwand nach draußen zu bringen. Sie hatten vorgetäuscht, den Müll hinaustragen zu wollen.

Erste Hinweise, dass sich die beiden, die sich offenbar schon von früher kannten, in den Aachener Raum aufmachen wollten, gab es offenbar sehr schnell. Und als dann am Dienstagnachmittag der gestohlene weiße Ford Mondeo am Heider-Hof-Weg in Verlautenheide entdeckt wurde, etwa 150 Kilometer von der Klinik entfernt, wurde unter Hochdruck nach den beiden gesucht. Sie sind laut Polizei einschlägig vorbestraft und gelten als gewalttätig.

Ersten Informationen zufolge hatten die 38 und 43 Jahre alten Männer gleich mehrere potenzielle Anlaufstellen in Aachen, an denen die Ermittler sie vermuteten. Entdeckt wurden sie schließlich gegen 19 Uhr im Bereich Peliserkerstraße/Joseph-von-Görres-Straße, wo sich die Hugo-Junkers-Realschule, ein Kinderspielplatz und das städtische Depot Talstraße befinden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Essener Polizei, die ursprünglich die Fahndung aufgenommen hatte, gerade erst Fotos und Informationen zu den beiden Flüchtigen veröffentlicht.

Als die beiden Männer die Einsatzkräfte der Polizei sahen, kam es auf dem Spielplatzgelände an der Talstraße zu einer erneuten Geiselnahme. Als die beiden Männer die Einsatzkräfte der Polizei sahen, kam es auf dem Spielplatzgelände an der Talstraße zu einer erneuten Geiselnahme.

Auf einem Spielplatz in Aachen endet am Dienstagabend die Flucht zweier Männer, die am Montag aus der forensischen Anstalt in Bedburg-Hau geflohen sind. Einer der beiden stirbt nach einer Schussverletzung. Foto: dmp press/Ralf Roeger

Wie die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Mittwochmorgen mitteilte, bedrohte der 38-Jährige eine sich dort aufhaltende Mutter von hinten mit einem Messer. Drei der Beamten hätten ihn demnach unter Vorhalt ihrer Schusswaffe mehrfach aufgefordert, die Frau frei und das Messer fallen zu lassen. Weil der Mann diesen Aufforderungen nicht nachkam, hätten zwei Beamte „in einer klaren Nothilfelage“ von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht. Dabei sei der 38-Jährige von beiden Kugeln getroffen worden. So schwer, dass er später trotz notärztlicher Behandlung seinen Verletzungen erlag und starb. Der 43-Jährige wurde festgenommen, die Geisel blieb unverletzt.

Die Staatsanwaltschaft Aachen ordnete die Obduktion des Toten an, gegen die Polizeibeamten besteht laut Mitteilung kein Anfangsverdacht einer Straftat.

Auch Stunden nach der Tat zeugen ein stehen gelassener Kinderwagen, mehrere Spielzeuge und Jugendfahrräder davon, dass die Aachener, die sich hier auf dem Spielplatz aufgehalten haben, den Tatort fluchtartig verlassen haben müssen.

Dort, wo der Mann zu Boden ging, hat die Aachener Polizei das Spielplatzgelände zur Spurensuche großräumig abgesperrt – auch wenn die Ermittlungen jetzt nicht von der Aachener Polizei geleitet werden. Federführend sind die Staatsanwaltschaft Aachen zuständig und, aus Neutralitätsgründen wegen der Schussabgabe, das Polizeipräsidium Mönchengladbach.