Aachen: Finanzierung des Tierheims nicht gesichert

Finanzielle Sorgen : Aachens Tierheim darf nicht vor die Hunde gehen

Es geht um Mäuse, Kröten, Piepen – eben um tierisch viel Geld. Auf 1,1 Millionen Euro pro Jahr sind die Betriebskosten für das Aachener Tierheim am Feldchen explodiert. Das sind etliche Hunderttausend Euro mehr als noch vor wenigen Jahren.

Damit die für die Städteregion unersetzliche Auffang- und Vermittlungsstation im kommenden Jahr mit dem Tierschutzverein einigermaßen beruhigt ihr 90-jähriges Bestehen feiern kann, muss nun finanziell nachgesteuert werden.

Der Vorstand um Lutz Vierthaler ist zuversichtlich, dass die aktuellen Verhandlungen mit Stadt und Städteregion künftig mehr als 360.000 Euro Zuschuss ermöglichen. Denn allein die Personalkosten für das 24-köpfige Tierheim-Team, das sich im Drei-Schicht-Betrieb fürs Tierwohl aufopfert, belaufen sich mittlerweile auf 460.000 Euro. „Das ist mittelfristig nicht zu stemmen“, warnt Vierthaler. Allen Spenden und Erbschaften zum Trotz. Es reicht nicht.

Denn auf den rund 5000 Quadratmetern, auf den die Auffangstationen für Hunde, Katzen, Vögel und andere Artgenossen – außer Großnutztiere und Exoten – untergebracht sind, ist von Jahr zu Jahr mehr los. Was nicht zuletzt an Kater & Co. liegt. „Von den inzwischen 2300 bis 2500 Tieren, die wir pro Jahr aufnehmen, sind 1300 bis 1500 Katzen dabei“, rechnet Vierthaler vor. Davon zählen etwa 750 als Fundtiere. Also im Jahresschnitt zwei bis vier Kätzchen täglich. Die Aachener Einrichtung zählt damit zu den größten der 78 Tierheime Nordrhein-Westfalens – auch wenn die Fläche zwischen Prager Ring und Wurm eher klein ist. „In der Regel melden sich die Eigentümer nach drei bis fünf Tagen“, sagt der Tierheimchef. Danach, frühestens nach zehn Tagen, geht das Tier in die Weitervermittlung. Aber bis dahin fallen Kosten an. „Bei jedem Neuzugang ist eine Eingangsuntersuchung durch unseren Tierarzt vorgeschrieben, natürlich muss jede Fundkatze geimpft werden“, erläutert Vierthaler.

Liebevolle Pflege: Das Personal im Tierheim am Feldchen arbeitet am Limit. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Dann beginnt die Recherche nach den Eigentümern, die bestenfalls über eine Tätowierung auf der Katzenhaut oder einen winzigen implantierten Chip und dann über die Auskunft von Melderegistern wie „Tasso“ oder „Findefix“ zum eigentlichen Eigentümer führt. Wenn das zu lange dauert, wird’s kompliziert. Und es sorgt wegen der bis dahin aufgelaufenen Unkosten in Einzelfällen für erheblichen Ärger. Denn die Rechnung muss der Eigentümer bei Abholung begleichen – ob es sich nun um eine Fundkatze nach einigen Wochen oder auch einen beschlagnahmten Listenhund à la American Staffordshire, manchmal nach einigen Jahren, handelt.

20 Euro pro Tag kostet die Unterbringung, sieben Euro für Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen. In allen Fällen spielen die Futterkosten dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vor allem die Personalkosten (auch wegen des erhöhten Mindestlohns), aber auch Müllentsorgung, Strom- und Heizkosten schlagen in der Endabrechnung zu Buche. Nach einem Jahr kämen pro Tier schon über 7300 Euro zusammen.

120 Katzen gleichzeitig

Hilfe willkommen: Tierschutzzbeauftragter David Scholz mit einer Tierpatin, die Hunde ehrenamtlich ausführt. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Nach dem vergleichsweise milden Winter erwartet David Scholz, Tierschutzbeauftragter des Tierheims, einen „heißen April“: „Wir rechnen mit starken Katzenwürfen und entsprechendem Andrang“, sagt er. 120 Katzen, die gleichzeitig im Tierheim landen, sind da keine Seltenheit; hinzu kommen bis zu 85 Hunde. Gerade im Eschweiler Raum, am Blausteinsee und an Autobahnraststätten, aber auch im grenznahen Aachener Gebiet werden laut Vierthaler besonders viele herrenlose Tiere aufgelesen.

Alles landet am Feldchen. Wo nicht nur die aufwendige Pflege in Käfigen und Zwingern, sondern in Versorgungsgebäuden die Industriewaschmaschinen für Hunderte Decken, die eigene Apotheke, die eigenverantwortliche Tierarztdependance, immer neue kostspielige Hygiene- und Bauvorschriften sowie die komplexe Verwaltung finanziert werden müssen. Wobei vielerorts die Preise steigen: „Extrem ärgerlich ist, dass medizinische Tierpräparate oft viel teurer als vergleichbare Mittel für Menschen sind“, klagt Vierthaler.

50 Prozent der Gesamtkosten für den Betrieb wünscht sich der Vorstand künftig von Stadt und Städteregion. Damit das Tierheim nicht vor die Hunde geht.

Mehr von Aachener Nachrichten