Alt-Aachener Bühne wird 100 Jahre alt: Aachen feiert seine alte Bühne

Alt-Aachener Bühne wird 100 Jahre alt : Aachen feiert seine alte Bühne

Vor der Premiere ihres Stücks „Et es för ze fre/äcke“ am 9. Februar, bei der es wieder turbulent zugehen wird, hat die Alt-Aachener Bühne in eher besinnlichem Rahmen ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Gegründet 1919 in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg, brauchte die Bühne wahrscheinlich mehr als einmal göttlichen Beistand, um unruhige Zeiten und Krisen zu überstehen. Daher war es wohl eine passende Idee, die Jubiläumsfeier mit einem Gottesdienst im Dom zu beginnen, der – wie könnte es anders sein? – in Platt gehalten wurde.

Das fällt eindeutig in die Zuständigkeit von Pater Georg Mießen und Diakon Manfred Oslender, die der Alt-Aachener Bühne schon dadurch verbunden sind, dass sie genau wie diese Träger des Thouet-Mundartpreises sind. Mit der Capella a Capella war ein weiterer Thouet-Preisträger in die Gestaltung der Messe eingebunden, und ihre Mitglieder stellten mit „Sound the Trumpet“ von Henry Purcell und dem Engel-Terzett von Mendelssohn-Bartholdy ihre musikalischen Fähigkeiten unter Beweis. Die Lieder der Gemeinde wurden von Domorganist Professor Michael Hoppe überaus ausdrucksstark begleitet.

Die Arche aus der Eifel

Zusammen mit Pater Georg zelebrierte Dompropst Manfred von Holtum die Messe. In seinem Grußwort meinte er in Anlehnung an das Goethe-Wort „das Land der Griechen mit der Seele suchend“, die Alt-Aachener Bühne suche mit ihrer Seele in der Muttersprache die eigene Heimat. Das sollten die einzigen Worte in Hochdeutsch bleiben, denn die Messtexte wurden in feinstem Öcher Platt gelesen. Die Predigt wurde von Manfred Oslender gehalten, der augenzwinkernd die Geschichte von Noah und dem Bau der Arche in die Eifel und nach Aachen verlegte, ohne das ernste Anliegen seiner Predigt aus dem Auge zu verlieren.

Für die geladenen Gäste gab es dann ein Nachspiel im Forum M der Mayerschen Buchhandlung, wo Sabine Plum, Vorsitzende der Alt-Aachener Bühne, Freunde, Sponsoren und Förderer begrüßte. In ihrer Ansprache ließ sie die Geschichte der Bühne Revue passieren und schilderte, wie aus der reinen Frauengruppe, die unter dem Namen Caritasbühne auftrat, um den mildtätigen Zweck  hervorzuheben, nach einigen Jahren eine gemischte Spielschar wurde.

Auf Krieg folgte das Fernsehen

Die wiederum musste einige Jahre den angestammten Namen ablegen, weil er den braunen Machthabern nicht gefiel. Von da an hieß man Alt-Aachener Bühne, aber schon bald machte der Zweite Weltkrieg dem Vergnügen ein Ende. Schon kurz nach dem Krieg nahm die Bühne einen ungeahnten Aufschwung, ehe der Siegeszug des Fernsehens die Unterhaltungsgewohnheiten  veränderte. Man ließ sich bei Blauem Bock, Millowitsch, Ohnsorg-Theater, Kulenkampff oder Frankenfeld von der „Glotze“ bespaßen. Aber die Zeiten änderten sich erneut, und ab den frühen
80-er Jahren war es wieder „in“, sich die Stücke der Alt-Aachener Bühne anzuschauen, so sehr, dass man mittlerweile Vorstellungen im Stadttheater spielt. Eines aber hat sich nicht geändert. Wie ganz am Anfang ist die Alt-Aachener Bühne eine ehrenamtliche Truppe, und jeder Cent Überschuss wird für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt, immerhin mehr als eine halbe Million Euro in den letzten Jahren.

Die Glückwünsche der Stadt Aachen überbrachte Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die allen Mitgliedern der Bühne für die vielen Glücksmomente als Folge des herzlichen Lachens dankte. Für den Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen gratulierte Kuratoriumsmitglied Thomas Muckel, der feststellte, mit ihren 100 Jahren könne die Alt-Aachener Bühne leicht die Oma des Thouet-Preises sein, der ja erst 34 Jahre alt sei.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Dieter Böse – Thouet-Preisträger 2018 – mit dem Klenkes-Lied und Parodien auf Smokies „Living next Door to Alice“ und den sechziger-Jahre-Hit „Lola“ von den Kinks. Ein weiteres musikalische Highlight und zugleich der Schlussakkord war der Auftritt von Jupp Ebert, der die Zuhörer mit „En Oche ben ich jebore“ und „Os Oche“ begeisterte.

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