Aachen: Fast 1000 Tonnen Herbstlaub verbrannt

Kompost oder Verbrennung? : Bei Blattlaub spielt die Stadt mit dem Feuer

Fast 1000 Tonnen Blattlaub, die von Aachener Bäumen fallen, landen in Verbrennungsanlagen. Eine Kompostierung ist teils unmöglich. Die bunte Herbstmalerei von der Straße gilt quasi als Giftmüll.

In bunten Farben segeln die Blätter zu Boden, formen ein rauschendes Meer. Mit Verlaub: Könnte Herbstromantik schöner sein? Wer nun damit rechnet, dass in Aachen tausende Tonnen Laub – per Rechen zusammengekehrt – auf kolossalen Komposthaufen den Weg zurück in den ökologischen Kreislauf finden, ist auf dem Holzweg.

Der Weg der Blätter führt über die Straße, auch über die Autobahn. Denn der Mammutanteil des braunen Blattgolds wird zwecks Entsorgung weit außer­halb der Stadt schlicht abgefackelt, „thermische Verwertung“ nennen das die Fachleute. Aachen arbeitet mit dem Krefelder Komplettentsorger und Recyclingpartner C.C. Gruppe zusammen.

Genauso wie viele andere Kommunen. Gestiegene gesetzliche Anforderungen bei der Beseitigung von „kontaminierten Stoffen“ zwingen die öffentliche Hand unter Umweltgesichtspunkten zum Spiel mit dem Feuer.

Keine Kompostierung: Auf dem Betriebshof am Rande der Stadt schaufeln Arbeiter das Laub tonnenweise in Container zum Abtransport. Foto: Andreas Steindl

Denn der Straßenkehricht – also alles was Besen, Rechen, Kehrmaschinen und Co. von Bürgersteigen und Asphalt aufsammeln – gilt quasi als Giftmüll. Kompostierbar sind nur reine biologische Abfälle, darunter auch Laub aus Parks und von Friedhöfen. Immerhin einige hundert Tonnen, die Richtung Bioverwertungsanlage transportiert werden.

Allein in den Herbstmonaten September, Oktober und November fallen rund 900 Tonnen Straßenkehricht an. Experten gehen davon aus, dass in dieser Zeit das Laub 85 Prozent des Kehrvolumens ausmacht. Rund 850 Kilometer Straße „beackert“ der Stadtbetrieb in Aachen.

Das Laub ist durch Abgase, Reifenabrieb, Bremsstaub und anderes belastet; gesundheitsschädliche Schmier- und Treibstoffe sowie Schwermetalle könnten in tausenden Kubikmetern Laub versteckt sein. Oft ist es augenscheinlich aber auch „normaler“ Straßenmüll – wie Zigarettenkippen und Plastiktüten.

Verunreinigung: Oft kann man schon mit bloßem Auge erkennen, welcher nicht-biologische Abfall im Laub steckt – andere Giftstoffe sind unsichtbar. Foto: Andreas Steindl

Täglich sind derzeit etwa 100 Mitarbeiter mit der Laubbeseitigung im Stadtgebiet beschäftigt. „Vor allem an den Wochenenden gibt es Sonderschichten für die Großkehrmaschinen“, erklärt Timo Pappert vom städtischen Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung. „In der Regel werden zwei Container Straßenkehricht pro Tag gefüllt, in der Laubzeit sind es fast immer vier pro Tag“, sagt er.

Die Container holt der Entsorger täglich mehrfach per Laster auf dem Hof des Aachener Stadtbetriebs ab, dann geht die Reise weiter – bis zu einer zertifizierten Aufbereitungsanlage für mineralische Abfälle. Das passiert überall in Deutschland. Außerhalb der Laubzeit geht nur ein geringer Teil in die „thermische Verwertung“, also die Verbrennungsanlage.

Dort wird letztlich über die Wärme Energie gewonnen. „Wie sich diese Menge dann auf die Stromeinspeisung auswirkt, kann nicht beziffert werden“, heißt es.

Verkehrssicherheit: Nässe erschwert nicht nur die Kehrarbeiten, auch die Gefahren durch Laub auf Straßen und Gehsteigen steigen. Foto: Andreas Steindl

„Doch der Hauptanteil des Materials wird als Ersatzbaustoff im Straßenbau eingesetzt und verwertet“, erläutert Pappert. Günstigenfalls sind das bis zu 98 Prozent des eingelieferten Materials – wohlgemerkt nicht im Herbst.

Dann hat natürlich nicht nur der Stadtbetrieb mit Laubbergen zu kämpfen. „Zusätzlich zu diesen Mengen kommt nicht nur Laub aus Parkanlagen, sondern auch aus privaten Haushalten, das oft – richtigerweise – in der Biotonne oder direkt bei den Grünschnittcontainern auf den Recyclinghöfen und an den anderen städtischen Standorten landet“, sagt Pappert.

130.000 Euro zahlt die Stadt Aachen pro Jahr für die Abholung und Entsorgung des Straßenkehrichts an externe Firmen – inklusive Laubvernichtung. Nach der ökonomischen steht die ökologische Laubbilanz: auf einem anderen Blatt.

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