Aachen: "Extinction Rebellion" blockiert Kreuzung

Aktivisten kämpfen für den Klimaschutz : Verkehr am Hansemannplatz drei Mal völlig lahmgelegt

Drei Mal haben Aktivisten von „Extinction Rebellion“ den Verkehr am Aachener Hansemannplatz für jeweils sieben Minuten völlig lahmgelegt. Der Straßenverkehr sei einer der Hauptverursacher der Klimakatastrophe, sagt ein Sprecher.

Der grauhaarige Herr im schwarzen BMW kurbelt seine Scheibe nicht herunter und starrt stattdessen auf sein Lenkrad: Er ist einer der wenigen, die die Aktion der Aachener „Extinction Rebellion (XR)“ ganz demonstrativ nicht gutheißen. Ansonsten ist die Stimmung gut, obwohl die Aktivisten den Verkehr am Freitagabend am Hansemann-Platz drei Mal für jeweils sieben Minuten völlig lahmlegen.

„Der Straßenverkehr ist einer der Hauptverursacher der Klimakatastrophe“, sagt Jakob Stubenrauch, „Extinction Rebellion“ Aachen. Diese „Organisation des zivilen Ungehorsams“ mobilisiert Bürger, um sich gemeinsam mit ihnen für Artenschutz und Klimaschutz einzusetzen. Zwischen 50 und 60 Demonstranten sind der Einladung gefolgt und sammeln sich rund um das David-Hansemann-Denkmal an der Monheimsallee. Dort werden sie sorgsam auf die Aktion vorbereitet: „Seid extrem friedlich“, instruiert Cersten Frank die Teilnehmer des geplanten „Swarmings“. Dann bilden die Aktivisten unter den wachsamen Augen der Polizei in Höhe der Ampel eine menschliche Blockade.

„Gleich geht es weiter“, steht auf einem der selbstgemalten Schilder. Eine kleine Gruppe von Aktivisten schwärmt aus und verteilt Flyer und Infomaterial an die Autofahrer. Die nehmen den unfreiwilligen Stopp größtenteils gelassen, auch wenn dem einen oder anderen durchaus Nachteile daraus entstehen: Ein Handwerker wird nun seinen Zug verpassen, und die junge Frau im roten Kleinwagen ist schon auf der Fahrt von Köln nach Aachen von Stau zu Stau gefahren. Aber trotz aller Unbilden bleiben alle gelassen. „Wir sind aber eigentlich nicht die richtigen Adressaten für solche Aktionen“, sagt die junge Frau im roten Auto. „Die sollten sich lieber an die Politiker wenden“, fügt sie noch hinzu.

Die Stimmung ist dennoch gut, und dafür sorgen sicher auch die Kekse, die die Aktivisten in der Warteschlange verteilen. Und die bunten, essbaren Blumen geben dem Ganzen zusätzlich einen freundlichen Anstrich. Niemand soll kritisiert werden, weil er mit dem Auto unterwegs ist, den Aktivisten geht es allein darum, aufzuklären. Das betonen sie immer wieder. Bereits im vergangenen Mai haben sie mit einer Aktion in der Aachener Innenstadt auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Damals dröhnten erst die Sirenen, dann fielen Menschen wie tot auf den Boden. Die Idee solcher „Swarmings“ stammt aus London. Dort wurde „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen das Aussterben) im vergangen Jahr gegründet und hat sich danach ganz schnell weltweit verbreitet.

„Raubbau stoppen“

Mit Mitteln des zivilen Ungehorsams prangern die Aktivisten das Massensterben von Tieren und Pflanzen sowie das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise und der Vernichtung von Lebensräumen an. Auf den blauen Flugblättern, die sie am Hansemannplatz verteilen, stehen die drei Forderungen, die ihnen am meisten am Herzen liegen: Die Bundesregierung soll aktiv werden und mit entsprechenden Gesetzen für einen wirksamen Klimaschutz sorgen, der Raubbau an Lebensräumen soll gestoppt und der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch verringert werden, und im Bundestag sollen Bürgerinnen und Bürger an den Gesetzesänderungen mitwirken.

Dass das „Swarming“ am Hansemann-Platz so viel Zuspruch findet, freut den 13-jährigen Max Ehlen ganz besonders. Er ist bereits seit den Anfängen der Aachener Ortsgruppe mit dabei und unterstützt auch „Fridays for Future“. Eine alte Dame beobachtet das Treiben am Hansemann-Platz mit Wohlwollen, aber auch mit Bedauern. „Wir haben unseren Planeten zerstört“, sagt sie.

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