Aachen: Aachen erinnert sich an den langen Weg zum Frauenwahlrecht

Aachen : Aachen erinnert sich an den langen Weg zum Frauenwahlrecht

1918 bekamen die Frauen in Deutschland das Wahlrecht. Das ist jetzt 100 Jahre her, und auch in Aachen soll daran erinnert werden. So gibt es im Herbst eine Ausstellung zum Frauenbild der Parteien im Spiegel ihrer Wahlplakate.

Am 30. Oktober wird die Schau mit dem Titel „...um die Stimmen der Frauen“ in der Volkshochschule eröffnet. Manche werden in den historischen Wahlplakaten alte Bekannte erkennen. Denn vor zehn Jahren, zum 90-Jährigen des Frauenwahlrechts, war die Wanderausstellung schon einmal in Aachen zu sehen. 100 Jahre nachdem Frauen erstmals wählen und gewählt werden durften, soll es aber auch Neues zu entdecken geben.

Was ist 1918 und in den Jahren davor eigentlich in Aachen passiert? Wie kämpften in Aachen Frauen und auch Männer für das Frauenwahlrecht? Die Historikerin und Rechercheurin Sylvia Möhle ist dieser Frage im Auftrag des städtischen Gleichstellungsbüros nachgegangen. Die Ergebnisse sind in einer kleinen Schrift zusammengestellt, die das Gleichstellungsbüro zum 8. März, dem Internationalen Frauentag, herausgibt.

Es sei spannend, zu erfahren, wie der große Kampf ums Frauenwahlrecht auch in Aachen ausgetragen wurde, sagt die städtische Gleichstellungsbeauftragte Roswitha Damen. „Dafür möchten wir möglichst viele Menschen interessieren.“

„Der Weltkrieg hatte den Einsatz für das Frauenwahlrecht gebremst, der hauptsächliche Kampf für die Einführung eines allgemeinen Wahlrechts fand vor dem Krieg statt“, stellt Sylvia Möhle fest. „Politische Aktivitäten waren Frauen erst ab 1908 möglich, nachdem das preußische Vereinsgesetz geändert wurde, das zuvor Frauen solche Aktivitäten verboten hatte.“

Möhle beschreibt, wie sich Frauen organisierten und welche Treffpunkte es damals in Aachen gab. Sie zeigt auch auf, welche Hindernisse und Gefahren im Kampf um die Emanzipation zu überwinden waren.

Im Verwaltungsgebäude Katschhof, wo heute auch das Gleichstellungsbüro untergebracht ist, befand sich übrigens schon vor dem Ersten Weltkrieg ein städtisches Gebäude. Neben der städtischen Steuerkasse war dort auch eine Rechtsschutzstelle für Frauen und Mädchen untergebracht. Dort fanden Beratungsstunden des Reichsverbands für das Frauenstimmrecht statt, dem Aachener Ableger einer reichsweiten, von bürgerlichen Frauen getragenen Organisation.

1919, als die Frauen erstmals zu den Urnen durften, gab es in Aachen 87.990 Wahlberechtigte. 51.134 davon, mehr als 58 Prozent, waren Frauen. Die wahlberechtigten Frauen hatten also einen großen Einfluss auf den Ausgang der Wahl. Im Aachener Stadtrat, der im November 1919 gewählt wurde, waren bereits sechs Frauen vertreten. Das waren für das Zentrum Klara Timmermanns, Margaretha Schlömer, Gerta Krabbel und Rosa Schwalge, für die Demokraten Johanna Gillet-Wagner und für die Sozialdemokraten Luise Schiffgens.

Drei der ersten sechs Frauen im Aachener Stadtrat waren übrigens Lehrerinnen oder ehemalige Lehrerinnen. „Überhaupt ist festzustellen, dass es aus dem Kreis der Lehrerinnen der städtischen Mädchenschulen eine größere Zahl politisch aktiver Frauen gab“, sagt Sylvia Möhle. „Während die Arbeiterinnen den Kampf für ihre Gleichstellung in und mit der SPD führten, organisierten sich bürgerliche Frauen in einer Vielzahl verschiedener Vereine.“

Ergänzt wird die Broschüre durch historische Dokumente und Fotos. Roswitha Damen würde mit der Schrift gerne auch junge Leute ansprechen. „Es ist wichtig, dass junge Menschen ihre Rechte, zum Beispiel das Wahlrecht, selbstverständlich in Anspruch nehmen“, sagt sie. „Aber es ist auch wichtig zu sehen, wie diese Rechte entstanden sind und wie hart der Kampf darum war.“

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