Aachen: Entsorgungsexperten rücken Asbest im Vegla-Haus zu Leibe

Bauen in Aachen : Asbest im Vegla-Haus wird jetzt aufwendig entsorgt

„Kompetenz in Glas“ hieß dereinst der Slogan der Aachener Vegla, von deren ehemaligem Stammsitz im Frankenberger Viertel momentan nur noch ein halb abgerissenes Gebäudegerippe übrig ist. Seit ein paar Tagen ist an der Ecke Viktoriaallee/Bismarckstraße allerdings spezielles Know-how gänzlich anderer Art gefragt. Die Arbeiten zur Entsorgung von Asbestmaterialien, die in Betonverschalungen für Rohrleitungen entdeckt worden waren, haben begonnen.

Bevor die Bagger Anfang November zwecks Errichtung eines neuen Wohn- und Geschäftshauses anrücken, das das Aachener Unternehmen Nesseler Projektidee, alias „np3 Gmbh“, auf dem rund 9000 Quadratmeter umfassenden Grundstück bauen will, müssen die hochgefährlichen Substanzen nach und nach aus sogenannten Faserringen herausgelöst werden, die in etlichen Wänden des 70-er-Jahre-Komplexes installiert worden sind, erklärte Hubertus Neßeler, Geschäftsführer der np-3-Muttergesellschaft Nesseler Grünzig.

Nachdem die massive Belastung Ende vergangenen Jahres festgestellt worden war, wurde zunächst ein Gutachten in Auftrag gegeben, um das technische Vorgehen in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung im Detail zu klären. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte, Ende Juni mit den Entsorgungsarbeiten fertig sind“, erklärte Christoph Hohlweck, Geschäftsführer der mit der Beseitigung beauftragten Duisburger Kluge Sanierung GmbH, am Montag auf Nachfrage. Die einzelnen Geschosse werden dabei zunächst komplett isoliert. Die riesigen Glaselemente des „Aquariums“, wie die Anwohner das Gebäude vor Jahr und Tag getauft haben, werden mit Platten abgedichtet.

Spezielle Maschinen, eine Art riesige Staubsauger, sorgen für den benötigten Unterdruck, damit auch feinste Stäube nicht nach außen dringen können. Rund 25 Experten rücken mit Spezialanzügen und natürlich unter Atemschutz vor, um die kontaminierten Bauteile zu demontieren. Dazu werden eigens Schleusen eingerichtet, in denen sich Duschen befinden, um die Anzüge nach den Arbeitseinsätzen zu säubern.

Die Schadstoffe werden in Spezialdeponien entsorgt. „Die Materialien werden einzeln registriert, um die exakte Kontrolle zu gewährleisten“, erläutert Neßeler. Die zusätzlichen Kosten für das aufwendige Verfahren veranschlagt er im siebenstelligen Bereich.

Die Firma Kluge gilt als eines der renommiertesten Fachunternehmen zur Entfernung gefährlicher Baustoffe. Zurzeit sind die Duisburger zum Beispiel auch an einem ehemaligen Sitz der EU-Kommission in Straßburg im Einsatz.

Noch vor dem Jahresende sollen die Arbeiten zur Errichtung eines neuen Wohn- und Geschäftshauses an der Viktoriaallee durchstarten; rund 70 Millionen Euro will der Aachener Bauherr dort investieren. Die Bauzeit soll rund zwei Jahre betragen.

(mh)
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