Aachen: Eltern bangen um die Plätze in der Kita Benediktusstraße

Zu wenig Fachpersonal für die Kinderbetreuung : Eine Zusage und dann doch kein Kitaplatz?

Die neue Kindertagesstätte Benediktusstraße in Brand soll im Sommer an den Start gehen. Etliche Eltern, die für ihr Kind eine Zusage erhalten haben, befürchten, dass sie den reservierten Platz zum neuen Kita-Jahr nicht nutzen können.

Denn noch ist nicht klar, ob die Stadt genug Personal hat, um alle fünf Betreuungsgruppen ab August zu eröffnen.Ab Sommer soll Kjell in den Kindergarten gehen. Gut drei Jahre ist er dann alt, und seine Eltern, Corina und Björn van Lent aus dem Stadtteil Brand, waren sehr erfreut, als sie erfuhren, dass in der neuen städtischen Kindertagesstätte Benediktusstraße ab dem 1. August ein Platz für Kjell reserviert sei.

Bereits im Februar erhielten sie das Angebot und sagten umgehend zu. Mittlerweile sind die van Lents äußerst besorgt, ob ihr Sohn wirklich ab August in die Kita gehen kann. Denn noch ist nicht sicher, wie viele der fünf Betreuungsgruppen in der neuen Kita tatsächlich im August in Betrieb sind. Der Grund: Fachkräftemangel. Der Stadt fehlt es an Erzieherinnen und Erziehern, um die neuen Gruppen zu betreuen.

Stutzig wurde Corina van Lent, als sie auch nach den Osterferien noch keinen Betreuungsvertrag erhalten hatte. „Ich dachte, die Kita meldet sich wegen der Unterschrift“, sagt sie. „Andere Eltern, die in anderen Kitas einen Platz hatten, hatten aber schon ihren Vertrag.“ Auf mehrfache Nachfrage bei der Stadt habe sie schließlich erfahren, dass es Probleme mit dem Personal gibt, erzählt sie.

Mit ihren Sorgen steht sie nicht allein da. Auch Mirvat Chermat hat eine Platzzusage für ihren dreijährigen Issa. „Ich habe in einer anderen Kita abgesagt, als ich den Platz in der Benediktusstraße bekam“, erzählt sie. Mirvat Chermat möchte im August wieder in ihren Beruf zurückkehren. „Und wo soll der Kleine denn dann hin?“, fragt sie ratlos. „Ich habe niemanden, der auf ihn aufpassen könnte. Und wenn ich nicht wieder arbeiten gehe, werde ich gekündigt. Es kann doch nicht sein, dass die Stadt so ein Ding aufbaut und dann kein Personal hat.“

Das „Ding“, das ist die neue Kindertagesstätte, auf die man in Brand lange und dringend gewartet hat. An der Ecke Benediktusstraße/Im Kollenbruch, gleich neben dem Spielplatz, ist der auffällige Holzmassivbau mit dem Tonnendach mittlerweile fast fertiggestellt. Die fünf neuen Betreuungsgruppen werden dringend benötigt, denn in Brand fehlen nicht nur – wie überall – Kitaplätze für Kleinkinder unter drei, sondern auch für die Älteren. Zwei der neuen Gruppen gibt es auch bereits, sie sind seit August 2018 zunächst provisorisch in den Pavillonbauten an der Schagenstraße untergebracht.

Auch Elternratsvorsitzende Daniela Näther hat von den Problemen gehört. Sie hat großes Verständnis für die Sorgen der betroffenen Familien. „Das ist eine ganz schwierige Situation“, sagt sie, „die Eltern sind sehr verunsichert.“

Nadine Nowak geht demnächst ebenfalls wieder arbeiten. Auch sie hat die Reservierungszusage längst in der Tasche und hatte sich bisher darauf verlassen, dass es für den dann dreijährigen Elias einen Platz in der Kita Benediktusstraße gibt. Jessica Roemers könnte zumindest die Hilfe ihrer Eltern in Anspruch nehmen, wenn Felix in der Kita nicht zum Zuge kommt. „Aber ideal ist das auch nicht“, sagt sie, „der Kleine muss doch unter Gleichaltrige.“ Auch Roemers hat ein Platzangebot in einer anderen Kita zugunsten der Kita Benediktusstraße abgesagt.

Bei der Stadt äußert man sich am Donnerstag zurückhaltend. In den nächsten Tagen, teilt Björn Gürtler vom Presseamt mit, werde der zuständige Fachbereich Kinder, Jugend und Schule die Personalplanung für die Kitas abschließen. Gürtler weiter: „Erst dann kann man sagen, wie viel Personal wir für die neue Kita Benediktusstraße haben.“ Und erst dann lasse sich auch festlegen, wie viele Gruppen im Sommer tatsächlich eröffnet werden könnten. Die betroffenen Eetern würden dann umgehend informiert. Bei der Stadt hofft man auch, dass sich bis August doch noch etwas tut in Sachen Personalgewinnung.

Allerdings brauche nicht nur die Kita Benediktusstraße dringend Fachpersonal, ruft Gürtler in Erinnerung. Vakanzen gebe es auch in anderen, bereits bestehenden Einrichtungen. „Und auch dort müssen wir den Betrieb sichern.“

Die Brander Eltern, die jetzt akute Sorgen haben, ab August ohne Kitaplatz dazustehen, wird das nicht gerade beruhigen. Die Stadt müsse sich zumindest darum kümmern, dass die Kinder wohnortnah versorgt sind, fordern sie.