Aachen: Einzelhändler in Kockerellstraße auf dem Rückzug

Einzelhandel in der Krise : Outdoor-Spezialist „Sport Gruber“ streicht die Segel

Die Talfahrt des stationären Einzelhandels geht weiter: Der Aachener Outdoor-Spezialist „Sport Gruber“ streicht Ende März in der Kockerellstraße nach 42 Jahren endgültig die Segel.

Wie warm man sich als Einzelhändler anziehen muss, weiß Outdoor-Experte Walter Lersmacher. In jeder Hinsicht. Nach 42 Jahren schließt der passionierte Bergsteiger und Wanderer Ende März sein Geschäft „Sport Gruber“ in der Kockerellstraße 6. Damit verliert die Aachener Innenstadt einen weiteren renommierten Einzelhändler.

„Natürlich hat uns der wachsende Onlinehandel in den vergangenen Jahren zugesetzt“, sagt der 59-Jährige. Gerade im Bekleidungsbereich sei das Angebot im Netz riesig – aber im Ladenlokal vor Ort eben nur konzentriert darstellbar, erklärt er. 20 bis 30 Prozent weniger Kunden haben seiner Einschätzung nach in den vergangenen Jahren den Weg zu Geschäften in der Kockerellstraße gefunden: Rucksäcke, Wanderschuhe, Camping, Schlafsäcke und viele weitere Marken-Hartwaren warten.

Seitdem an der Ecke zum Markt das Kindergeschäft „Villa Kunterbunt“ weggezogen und nun seit Monaten nebenan die Hamburger-Braterei „Jecke Q“ dicht ist, komme spürbar weniger Kundschaft vorbei. „Wir sind hier wie abgeschnitten“, sagt Lersmacher.

1977 eröffnete sein Schwager „Sport Gruber“, bis 2016 gab es noch einen größeren Ableger 100 Meter entfernt, ebenfalls auf der Kockerellstraße. „Aber das ließ sich auch angesichts des Kosten- und Personaldrucks nicht fortführen“, erläutert Lersmacher.

Seine berufliche Zukunft ist derweil völlig offen. „Ich werde mich umschauen müssen“, räumt er ein. Und betont, dass er die Gründe für die Geschäftsschließung keineswegs nur außerhalb der eigenen Ladenwände suche. „Aber es ist natürlich auffällig, dass der klassische Einzelhandel hier auf dem Rückzug ist. Dafür gibt es immer mehr Gastronomie – von der Cocktail-Bar bis zum Schnellrestaurant“, sagt er. Und wie zum Beweis macht sich nebenan gerade eine koreanisches Schnellrestaurant zum Einzug in die verwaiste Laden-Immobilie bereit.

Auch für die Eckimmobilie Richtung Markt, immerhin 435 Quadratmeter, gibt es Interessenten. Eine Bank, ein Café, auch eine Fortsetzung eines Pop-up-Konzepts unter Federführung der städtischen Wirtschaftsförderung sei denkbar, erklärt Gisela Nießen (CIA City Immobilien). Die erfahrene Maklerin vermittelt die Immobilie. „Grundsätzlich gilt allerdings, dass der Standort Aachen für den Einzelhandel derzeit enorm schwierig ist; das ist auch an anderer Stelle spürbar, die Innenstadt stagniert“, stellt Nießen fest.

Dagegen wehren sich Einzelhändler rund um Marin Luhn von der Interessengemeinschaft Altstadt. „Die Passantenfrequenzen in der Fußgängerzone sind gut“, sagt er. Sein Geschäft „Yucca Design“ liegt schräg gegenüber von „Sport Gruber“. „Eine andere Frage ist: Wie viele Passanten kaufen auch im Laden? Da kann man drinnen trotzdem an belebten Tagen verhungern“, räumt er ein. Deshalb plane man im Schulterschluss mit Gleichgesinnten allerlei Aktionen – zum Beispiel die sogenannten Blumenampeln an 100 Laternenmasten, um die Innenstadt floral zu verschönern.

Dies alles ändere allerdings nichts daran, dass der inhabergeführte, vielfältige, kleine Einzelhandel unterschiedlichster Branchen in der Aachener Innenstadt auf dem Rückzug sei, sagt Lersmacher. „Das verändert das Gesicht der Einkaufsstadt nicht unbedingt zum Besseren“, resümiert er. Er fürchtet, dass es nicht mehr lange dauert, bis es den nächsten Handelskollegen kalt erwischt.