Aachen: Einige Straßen bekommen Namen auf Öcher Platt

Straßennamen auf Öcher Platt : Von der Tolbetstroeß zum Rommenejjjäjßje

Straßenschilder im Stadtkern von Aachen erhalten Zusatzschilder in Öcher Mundart. Das hat die Bezirksvertretung Aachen-Mitte beschlossen.

Wer demnächst, der Aachener Mundart noch nicht mächtig, durch die Innenstadt flaniert, kann, bei einiger Übung und Begabung, Öcher Platt lernen. Zumindest 17 Worte hat er dann drauf. Im Stadtkern erhalten die Straßennamen nämlich Zusatzschilder in Öcher Mundart.

Die Übungen des Flaneurs reichen von der Adalbertstraße = Tolbetstroeß über die Krämerstraße = Kriem bis hin zum Sankelbach = Sankelbaach. Leichte Aufgaben sind das, schwierig wird es aber bei der Romaneygasse = Rommenejjjäjßje.

Der Verein „Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen“ unter Vorsitz von Ägid Lennartz regte die Zusatzschilder an. Er will auch die Kosten übernehmen. Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte stand nun vor der höchst komplizierten Entscheidung, ob die Öcher-Platt-Schilder wie die offiziellen Straßennamen in weißer Schrift auf blauem Grund oder in den gelb-schwarzen Stadtfarben leuchten sollen.

Im Sitzungssaal des Rathauses hing der Alexianergraben = Bejaadejrav in zweifacher Ausfertigung Modell, mal stadtfarben, mal offiziell. Der Alexianergraben, gibt der „Aachener Sprachschatz“ von Will Hermanns Auskunft, hieß um 1850 noch Begardengraben. Was von den Klosterbrüdern des Alexianerordens zeugt, den Begarden, woraus die alten Öcher ihren Bejaadejrav formten. Der Jrav darf nicht verwechselt werden mit dem ein a längeren Jraav, dann nämlich lägen dort die Begarden begraben.

Die Bezirksvertreter folgten dem Wunsch des Thouet-Preis-Vereins und entscheiden sich für die Stadtfarben. Das heißt: Die Kriem und das Rommenejjjäjßje und die anderen Straßen und Gassen und auch die Bejaade werden unter den offiziellen blau-weißen Straßenschildern als Zusatz neben dem Logo des Thouet-Preises mit schwarzer Schrift auf gelbem Grund die schönn Öcher Heämetsproech verkliehre.

Die Bezirksvertreter entschieden sich damit gegen den Vorschlag der Verwaltung. Die wollte alles im einheitlichen Blau-Weiß. Die amtlichen Stadtgestalter argumentierten, zweierlei Schilder führten „zu einem unruhigen und unübersichtlichen Erscheinungsbild der innerstädtischen Ausschilderung“.

Die Bezirksvertreter befürchteten in Blau-Weiß dagegen allerlei Verwechslungsgefahren. Vor allem dachten sie an die niederländischen und flämisch-belgischen Gäste, die wieder und wieder verzweifelt das Rommenejjjäjßje in ihr bockiges Navi eintippen, bevor sie das dumme Ding zornentbrannt wegschleudern.

Einmal mundartlich in Fahrt, wurden die Bezirksvertreter tollkühn. Warum nicht mal eine Sitzung in Öcher Platt? Ralf Otten, der Mundart mächtig, steuerte feixend ein lautsprachliches „hure Macron“ bei. Will Hermanns hilft: „Makróe“, was vom französischen „maquereau“ herrührt und einen „Zuhälter, Kuppler“ meint. „Dat es ene fise Makroe“, ein übler Bursche, gilt aber nur, wenn Herr Präsident im Clinch um die Gas-Pipeline nicht einlenkt!

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