Aachen: Eines der ältesten Pferde Deutschlands ist bereits 37

Enorm hohes Alter : So alt wie Angelo wird kaum ein Pferd

Wallach Angelo ist 37 Jahre alt. Für ein Pferd ist das ein enorm hohes Alter. Seine Pflegerin und beste Freundin Ulrike Morgenstern feiert am Samstag ihren 75. Geburtstag – und ist doch am liebsten im Stall.

Es klingt nach rekordverdächtiger Liebe: Wenn man die Adenauerallee am Aachener Tierpark entlangfährt und rechts auf die grünen Wiesen um Gut Schönthal schaut, dann sieht man das Reich von Angelo T. Er wohnt hier seit 17 Jahren und genießt nicht nur im Stall als Grandseigneur die Aufmerksamkeit der Damen aus den Nachbarboxen.

Seine beste Freundin ist Ulrike Morgenstern, die am Samstag 75 Jahre alt wird. Nicht nur sie weiß den inzwischen 37 Jahren alten Angelo zu schätzen. Er ist ein Leistungssportler durch und durch. Und er zählt wohl mittlerweile zu den ältesten Pferden Deutschlands. Besonders im Wettkampf war er in Höchstform und konnte regelmäßig über sich hinauswachsen. Wenn auch sonst so manche junge Stute wunderbar taugte, seine Aufmerksamkeit zu erhaschen, umso fokussierter war er, wenn die drei Juroren seine „Intermediaire 1“-Dressurprüfung bestaunten und er im Dressurviereck mit seiner Reiterin Meike Morgenstern um die Prozente kämpfte.

Er ist mit seinen 1,64 Meter Stockmaß ein eher kleiner Prinz, aber er wusste sich in Szene zu setzen. Ein dunkelbrauner Wallach mit weißer Blesse und einem unbändigen Selbstvertrauen und bis heute bärenstarkem Willen. Und obendrein verfügt er über einen nicht enden wollenden Appetit! Eines Nachts hat er sich aus seiner Box befreit und sich über die Möhrenvorräte der ganzen Gasse her gemacht. Während die Nachbarschaft unschuldig schlief oder neidisch wieherte, genoss er in aller Ruhe die Gemüsepracht und legte sich anschließend zu einem nicht enden wollenden Verdauungsschläfchen in seine Box. Die Damen – Meike und Ulrike Morgenstern – wachten in Todesangst neben dem regungslosen möhrengefüllten Gaul. Nach einem langen halben Tag stand er plötzlich auf, schüttelte sich und spazierte fröhlich auf die Wiese. Natürlich zum Essen ... Es hatte ja schließlich schon lange nichts mehr gegeben.

 Diese Chuzpé hat er sich bewahrt, und man erkennt es auch heute noch, wenn man ihn auf seiner Wiese beobachtet. Er scherzt und flirtet mit den jungen Stuten wie eh und je. 37 Jahre: Das ist für ein Großpferd ein nahezu fossiles Alter. Körperlich ist er nicht mehr der durchtrainierte Cowboy, sondern eher der süße Opa mit gesenktem Rücken, Hängebäuchlein und dem Alter entsprechenden Wehwehchen.

Während seine menschlichen Altersgenossen auf die Dritten bauen können und herzhaft zubeißen, geht das bei Warmblütern nicht so einfach. Aber Karotten liebt er immer noch. Für diese ist seine treue Seelenverwandte Ulrike Morgenstern zuständig. Die beiden sind seit 18 Jahren unzertrennlich, seit Ulrike seine Pflege von Ihrer Tochter übernommen hat.

Vier Kilo Möhren, aber weichgekocht

Jeden Tag kommt Ulrike Ihren Angelino mindestens einmal täglich besuchen. Bis zu vier Kilogramm Möhren werden weichgekocht und dem feinen Herrn serviert. „Aber nur die Guten vom Feinschmeckladen. Denn die mag er am liebsten“, sagt Ulrike Morgenstern. Sie war Ihr Leben lang für das Wohl anderer im Einsatz. Zunächst als erste weibliche Chirurgin, die in Aachen Ihren Abschluss machte, in ihrer Praxis und auch privat als Mutter zweier Kinder, die sie weitgehend alleine aufzog.

Jeden Tag wird Angelo von der Wiese in den Stall geführt und gepflegt. Für ein langes Leben als Pferd braucht man gute Gene, kompetente Pflege und viel Glück. Apropos: Wenn Angelo könnte, würde er sicher von Herzen seiner Ulrike, der frischgebackenen Großmutter, zu ihrem 75. Geburtstag gratulieren – auch stellvertretend für viele Pferdeliebhaber der Reiterstadt Aachen.

(re)
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