Aachen: Drohungen gegen Leiter des Jugendtreffs

Zum Schutz von Mitarbeitern und Besuchern : Offene Tür Josefshaus nach massiven Drohungen geschlossen

Die Offene Tür Josefshaus im Aachener Ostviertel ist derzeit geschlossen. Nach massiven Drohungen gegen den Leiter der Einrichtung hat sich der Träger, der katholische Kirchengemeindeverband Aachen-Ost/Eilendorf, in Absprache mit dem Bistum Aachen zur – zumindest vorübergehenden – Schließung entschlossen.

„Josefshaus – ein Ort des kulturellen Lebens in Aachen-Ost“: So begrüßt die Internetseite der Offenen Tür Josefshaus die Besucher. Lebendig ist es am Kirberichshofer Weg aber derzeit ganz und gar nicht. Die OT Josefshaus, beliebter und wichtiger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, ist geschlossen. Schon seit dem 13. November, also seit gut zwei Wochen, sind die Türen zu. Und die Gründe, die zu diesem Schritt geführt haben, sind schwerwiegend. Es hat massive Drohungen gegen den Leiter der Einrichtung gegeben.

Stefan Wieland, Pressesprecher des Bistums Aachen, bestätigte am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung die Schließung der OT. Träger des Hauses ist der katholische Kirchengemeindeverband Aachen-Ost/Eilendorf, zu dem auch die Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam gehört. Die Schließung sei in enger Absprache mit dem Bistum erfolgt, sagte Wieland.

Nach seinen Angaben hat es im Josefshaus eine „massive Bedrohung“ gegeben. Besucher des Hauses hätten Drohungen gegen den Leiter der Einrichtung ausgesprochen. „Zum Schutz der Mitarbeiter im Josefshaus und zum Schutz der übrigen Besucher hat sich der Träger daraufhin entschlossen, das Haus zu schließen.“ Nun sind die Türen erst einmal zu. Gegen die mutmaßlichen Täter ist nach Angaben des Bistumssprechers Anzeige erstattet worden. Es soll sich um eine Clique von jungen Leuten handeln.

Marihuana im Briefkasten

Hintergrund der Auseinandersetzungen, sagte Wieland, war offenbar eine „Drogenproblematik, der entgegengewirkt werden sollte. Das ist dann eskaliert.“ Polizeisprecher Paul Kemen bestätigt einen Drogenfund im Josefshaus. Am 7. November sei morgens im Briefkasten Marihuana entdeckt worden. Daraufhin sei die Polizei gerufen worden.

Der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen ist nach Angaben aus dem Bistum am 19. November, also knapp eine Woche nach der Schließung der OT, informiert worden. Björn Gürtler vom städtischen Presseamt teilte mit, man sei in der Angelegenheit im Gespräch, unter anderem mit dem Bistumsjugendpfleger.

Allen Beteiligten ist offenbar sehr daran gelegen, die Offene Tür Josefshaus, die für viele Kinder und Jugendliche im Viertel ein zweites Zuhause ist, möglichst schnell wieder in Betrieb zu nehmen. „Der Schutz der Besucher hat allerdings oberste Priorität“, betont Stefan Wieland ausdrücklich.

Bei den Aachener Jugendpolitikern kamen die Informationen über die Vorgänge im Josefshaus, einem Haus mit mehr als 45-jähriger Tradition, erst jetzt an. Hilde Scheidt, jugendpolitische Sprecherin der Grünen im Rat, kritisiert den zögerlichen Informationsfluss. Immerhin sei die Stadt Aachen doch Partner in der Organisation der Offenen Jugendarbeit in Aachen. „Ich bin entsetzt, dass wir in der Jugendpolitik das bisher nicht gewusst haben“, erklärte Hilde Scheidt. „Es ist enttäuschend, dass man uns nicht informiert hat.“

Für viele junge Menschen im Ostviertel sei es eine schlimme Sache, nun vor verschlossenen Türen zu stehen. „Wir können die Jugendlichen, die mit den Vorfällen nichts zu tun haben, doch nicht im Stich lassen“, betonte Scheidt. „Da muss man jetzt einen Weg finden, um aufzuarbeiten, was passiert ist.“

Die dramatischen Vorfälle und ihre Konsequenzen fallen ausgerechnet in eine Zeit, in der über die – finanzielle – Zukunft der Offenen Türen in Aachen intensiv diskutiert wird. Träger der offenen Jugendarbeit in Aachen, die in der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Offener Türen (Agot) zusammengeschlossen sind, hatten im Sommer Alarm geschlagen. Sie beantragten eine verlässlichere Finanzierung der offenen Jugendarbeit durch die Stadt. Ansonsten drohe einigen Einrichtungen sogar die Schließung, hieß es.

Am kommenden Dienstag (ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Mozartstraße) wird sich der städtische Kinder- und Jugendausschuss im Rahmen seiner Haushaltsberatungen auch mit der Finanzausstattung der offenen Jugendarbeit in Aachen befassen.

An der verschlossenen Tür des Josefshauses hängt unterdessen ein Zettel an die „lieben Besucher“, der auf die derzeitige Schließung hinweist. Am Telefon meldet sich nur der Anrufbeantworter: „Derzeit sind wir auf unbestimmte Zeit außer Haus.“

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