Aachen: Diskussion um Rotlichtviertel Antoniusstraße

Aachener Rotlichtszene : Piraten befürchten weitere Verdrängung der Prostitution in die Illegalität

Mit Sorgen verfolgen die Aachener Piraten die Entwicklung der Antoniusstraße, in der derzeit mehrere Bordelle leerstehen. Um zu klären, welchen Anteil die Verwaltung daran hat und ob sie womöglich die politischen Beschlüsse zur Prostitution in der Innenstadt unterläuft, haben sie nun einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt.

Das Misstrauen sitzt dabei insbesondere gegen Oberbürgermeister Marcel Philipp tief, der bekanntlich ein Gegner der Bordelle in der Innenstadt ist und im Juni 2017 für eine Auslagerung an den Stadtrand gestimmt hat. An seiner Seite waren damals einzig die FDP und die AfD-Vertreterin. Eine deutliche Mehrheit aus CDU, SPD, Grünen, Linken, Piraten und UWG stimmte hingegen für den Verbleib des Rotlichtmilieus in der Antoniusstraße, das sich dort allerdings in Zukunft mit einem deutlich verkleinerten Platz begnügen soll.

Im Zuge der geplanten Altstadtsanierung zwischen Büchel, Nikolausstraße, Kleinkölnstraße und Mefferdatisstraße soll der obere Teil der Antoniusstraße bekanntlich zum Sperrbezirk erklärt werden. Ersatzweise ist dafür der Bau eines sogenannten Laufhauses geplant, in dem die Prostituierten künftig ihre Dienste anbieten können.

Wann dieses Laufhaus gebaut wird, kann derzeit niemand mit Bestimmtheit sagen. Zugleich scheint aber schon jetzt eine Mitte des Jahres erlassene Veränderungssperre zu greifen, die zur Folge hat, dass derzeit mehrere Häuser in der Antoniusstraße leerstehen und keine Konzession für den Bordellbetrieb erhalten haben. Inzwischen haben mehrere Bordellbetreiber, die dieses Vorgehen für unrechtmäßig halten, eine Klage gegen die Stadt angekündigt.

Auch die Piraten haben ihre Zweifel, dass in der Antoniusstraße derzeit alles mit rechten Dingen zugeht, wie ihr Antrag auf Akteneinsicht zeigt. Wie Ratsherr Udo Pütz auf Anfrage mitteilt, wolle man auf diese Weise in Erfahrung bringen, warum mehrere Bordellbetriebe geschlossen sind und keine Konzession erhalten. „Die Informationen seitens der Verwaltung sind sehr spärlich“, beklagt Pütz, „wir wollen uns die Situation genauer ansehen.“

Er betont, dass die Schließung einzelner Bordellbetriebe nicht die Intention der Veränderungssperre gewesen sei. So will er nun per Akteneinsicht klären, ob die Verwaltung dieses Werkzeug womöglich zweckentfremdet hat, um die unliebsamen Bordelle gegen die politische Beschlusslage zu vertreiben.

Pütz betont, dass er kein Jurist sei. Dass einigen Bordellbetreibern die Konzession versagt wird, könne aber in seinen Augen kaum mit der Veränderungssperre begründet werden. Denn ausdrücklich heißt es darin, dass „die Fortführung einer bisher ausgeübten Nutzung von der Veränderungssperre nicht berührt“ werde. Eine neue Genehmigung für einen Prostitutionsbetrieb sei seiner Meinung nach demnach nicht nötig, wenn dort auch vorher schon einer war.

Die Folge des Leerstands in der Antoniusstraße sei, dass derzeit bereits rund 100 der einst dort arbeitenden Sexarbeiterinnen verschwunden seien. „Von ihrem Verbleib wissen wir nichts“, gibt Pütz zu Bedenken. „Bisher haben wir wenigstens noch grob gewusst, was in der Antoniusstraße passiert und mit wem wir es zu tun haben.“

Wie die Piraten haben inzwischen auch Politiker der anderen Parteien die Sorge, dass zunehmend mehr Prostituierte in die illegale Wohnungsprostitution oder auf den Straßenstrich verdrängt werden. Nicht nur die Piraten wollen daher die Verwaltung verstärkt drängen, auch das Gespräch mit den Betreibern zu suchen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ziel müsse es sein, die in der Antoniusstraße arbeitenden Frauen zu schützen, zugleich aber auch die stadtplanerischen Ziele für das Altstadtquartier nicht zu gefährden.

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