Aachen: Die Digital-City-Flags lassen seit Monaten auf sich warten

Digital-City-Flags : Werbebildschirme am Straßenrand noch ohne Baugenehmigung

Die RBL Media GmbH will in Aachen seit Monaten „Digital-City-Flags“ installieren. Die sehen aus wie überdimensionale Smartphones für digitale Werbung am Straßenrand. Allerdings verlangen die Behörden aufwendige Lichtimmissionsgutachten. Auch deshalb verzögert sich die Installation der hochmodernen Werbebildschirme. Es gibt noch keine Baugenehmigungen für 16 Standorte.

Die Digitalisierung wirft ihre Schatten voraus. Leider buchstäblich. Weil nämlich durch die deutlich höheren Monofußanlagen namens „Digital-City-Flags“ demnächst die Werbebildschirme am Straßenrand in nicht gekannter Form dahinter liegende Gebäude – und zuweilen auch sehenswerte Türme – verdecken könnten, verzögert sich die Installation der Anlagen um Monate. Ursprünglich sollte das neue System bereits zum Jahreswechsel laufen.

Jetzt rechnet der Werbe-Konzessionär RBL Media aus Hückelhoven mit dem Aufbau im Laufe des Monats Juni. Falls die behördliche Erlaubnis vorliegt. Denn: „Die Baugenehmigungen stehen jedoch noch aus“, bestätigt RBL-Sprecherin Eva Weingärtner auf Anfrage unserer Zeitung. „Aufgrund der fehlenden Baugenehmigungen können noch keine Baustellen fest eingeplant werden“, fügt sie hinzu. Das gesamte Verfahren sei für beide Seiten – die Stadt Aachen und RBL – aufwendiger, „da das neue Format der Digital-City-Flags aufgrund ihrer Größe deutlich größer als die CLP-Vitrinen sind und die Standorte von mehr Ämtern – zum Beispiel aufgrund verdeckter Sicht auf Kirchtürme – beanstandet werden können“.

Bald kommt Hightech

Der vormalige Werbeflächen-Vermarkter hatte große querformatige „Plakatwendeanlagen“ installiert, künftig kommt Hightech: Auf hochauflösenden Bildschirmen im Mega-Handyformat könnten sogar Filme und animierte Sequenzen abgespielt werden – in der Praxis erstrahlen in der Regel digitale Poster. Als Grund für die verzögerten Screen-Installationen – seit Monaten ragen nur die Stümpfe beziehungsweise Säulen aus dem Boden – erläutert Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt: „Es kam zu Verzögerungen, weil die Anlagen noch produziert werden.“ RBL hingegen erklärt, wieso die fehlenden Baugenehmigungen auf sich warten lassen: „Zudem muss zu jedem Bauantrag durch einen Sachverständigen ein Lichtimmissionsgutachten für jede Werbefläche erstellt werden“, teilt Weingärtner mit. Die Anlagen sollen rund um die Uhr – also gedimmt auch nachts bei Dunkelheit – in Betrieb sein. Natürlich wolle RBL die „neueste, hochmoderne Technik“ einsetzen. „Dies bedarf einer speziellen Produktentwicklung und einer Abstimmung mit den Zulieferern“, teilt sie mit.

In den kommenden Wochen soll das verfahren abgeschlossen werden, im Juni will man mit den Installationen beginnen. Während die Mindestpacht für die Standorte vor der Ära RBL bei 33.000 Euro jährlich lag, seien künftig 131.200 Euro fällig – plus Umsatzpacht, die von den Werbebuchungen abhängig ist.

Obwohl seit Monaten – abgesehen von den konventionellen RBL-Werbeflächen an über 430 Bushaltestellen etc. – keine Einnahmen aus den digitalen Großanlagen erzielt werden, zahle RBL die Pacht ohne Abzüge, erklärt Herrmann. „Als Kompensation für die nicht nutzbaren Flächen kann die Stadt nach Absprache nicht vergebene Kontingente auf den kommerziellen Seiten der Citylights nutzen“, erklärt er. Denn im städtischen Vertrag ist eine Überlassung von Webezeit und -flächen zur Bekanntmachung bestimmter Themen vorgesehen – etwa für die Bewerbung des Karlspreises.

Schlechte Nachrichten gibt es indes für die digitale Bildschirmwerbefläche an der Haltestelle „Eisenman“ am Elisenbrunnen. Diese ist seit Jahren defekt, gehört aber nicht zum RBL-Kontingent. Keine sonnigen Aussichten in punkto Digitalisierung: Die Ausschreibung „ist bereits in Arbeit“, teilt die Stadt mit.

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