Aachen: Der Quellenhof wir für zweistellige Millionensumme saniert

Sanierung für Millionen angekündigt : Der Quellenhof macht ganz allein weiter

Im Aachener Nobelhotel Quellenhof gehen die Lichter Ende des Jahres nicht aus, obwohl Verhandlungen mit mehreren potenziellen neuen Pächtern scheiterten. Die Eigentümer unter der Federführung von Benedikt Jagdfeld kündigen nun die Sanierung der Luxusherberge für einen zweistelligen Millionenbetrag an.

Der bisherige Pächter Accor steigt am 31. Dezember mit seiner Marke Pullman aus. Ab 2020 will Jagdfeld das Haus in Eigenregie führen.

Die Eigentümer leisten sich den Luxus. Nachdem Gespräche mit potenziellen neuen Pächtern nicht zum Erfolg führten, soll Aachens einziges Nobelhotel, der Quellenhof an der Monheimsallee, nun in Eigenregie geführt werden. Damit der Fünf-Sterne-Standard gehalten wird, wollen die Eigentümer ab 2020 eine zweistellige Millionensumme in die in die Jahre gekommene Luxusherberge investieren.

Der Pachtvertrag mit dem bisherigen Nutzer AccorInvest Germany GmbH, die das Fünf-Sterne-Haus unter der Accor-Marke „Pullman“ betreibt, endet nach 20 Jahren am 31. Dezember 2019. Nicht nur unter den knapp 100 Mitarbeitern des Quellenhofs gab es in den vergangenen Monaten ernste Befürchtungen, dass nach gescheiterten Verhandlungen Ende dieses Jahres die Lichter in dem neoklassizistischen Prachtbau ausgehen. Auf einer Betriebsversammlung gab es am Freitagnachmittag das große Aufatmen – alle Arbeitsplätze bleiben bestehen. Auch der erfolgreiche Hoteldirektor Walter Hubel bleibt in Aachen.

Die Eigentümer kassierten von ihrer Belegschaft erleichterten Applaus. „Wir freuen uns, die gesamte hochmotivierte Belegschaft zu übernehmen und so einen nahtlosen Übergang sicherstellen zu können“, erläuterte Benedikt Jagdfeld, Chef der Deutschen Immobilien-Gruppe (DI-Gruppe) aus Düren, die das Hotel im Auftrag einer Investorengesellschaft unter dem Fondsnamen „DI Parkhotel Quellenhof Nr. 33 KG“ managt.

„Nach 20 guten Jahren wollen wir jetzt die Chancen nutzen, den ,Quellenhof’ unabhängig von internationalen Betreiberketten wieder zu dem zu machen, für das er lange gebürgt hat: Aachens erstes Haus am Platze mit herausragendem Service und wahrer, individueller Klasse. Der Quellenhof soll wieder das Wohnzimmer aller Aachener werden – ein Wahrzeichen wie der Dom und das Rathaus“, betonte Benedikt Jagdfeld.

Er managt unter anderem das nach DI-Angaben erfolgreichste Luxushotel Deutschlands, das Berliner Adlon. Sein Onkel Helmut Jagdfeld, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft des Quellenhofs (hinter der die Familie von Anno August Jagdfeld steht) erläuterte, dass man hier sehr wohl um den Sanierungsstau wisse.

Vor allem die 181 Zimmer müssen dringend generalüberholt werden – sie genügen Jagdfelds Ansprüchen nicht mehr. Hier hatten Quellenhof-Gäste in den vergangenen Jahren in Sachen Qualität und Sauberkeit schlechtere Bewertungen auf Hotelportalen via Internet platziert. „Wir werden schrittweise im laufenden Betrieb sanieren. Den eleganten Charakter des Grandhotels werden wir erhalten, das Ergebnis wird das Hotel wieder zu einem echten Fünf-Sterne-Haus machen“, sagte Helmut Jagdfeld. Dies werde mehrere Jahre dauern. „Zum Glück haben wir die nötigen finanziellen Mittel.“

Die hohen Sanierungskosten, die nun fällig werden, hatten Verhandlungen mit potenziellen neuen Betreibern nicht vereinfacht. Auszuschließen sei aber nicht, dass der Quellenhof in einigen Jahren doch wieder unter einem anderen Pächter geführt werde, hieß es. „Das Hotelgeschäft ist schnell. Man kann jetzt nicht sagen, was in fünf oder zehn Jahren passiert“, räumte er ein. „Der Quellenhof war, ist und bleibt eines der schönsten Grandhotels Deutschlands“, lobte Jagdfeld. Man knüpfe nun an eine lange Tradition an.

Im Frühjahr 1913 hatten die Arbeiten für den „Hotelpalast Aachener Quellenhof“ begonnen, der am 8. Juni 1916 feierlich eröffnet wurde. Während des Zweiten Weltkrieges, im Herbst 1944, fiel die gesamte Inneneinrichtung der Vernichtung und Plünderung zum Opfer, die Wandelhalle wurde völlig zerstört. Der Baukörper des Quellenhofs blieb nur in seiner Konstruktion erhalten, die Badeanlagen des Kurmittelhauses wurden fast vollständig vernichtet. Der Wiederaufbau dauerte Jahre, erst 1948 gab es wieder erste Hotelzimmer.

Nach Erwerb von der Stadt hatte die DI-Gruppe das „Parkhotel Quellenhof“ in den Jahren 1998 und 1999 grundlegend modernisiert und saniert – und dann auf 18.848 Quadratmetern als Aachens erstes und einziges Grandhotel eröffnet. 2001 und 2002 wurde das Haus mit seinen 181 Zimmern und Suiten um ein Konferenz-, Wellness- und Beauty-Center von 3122 Quadratmetern erweitert. Mit „Stüber & Stüber“ mietete sich vor einigen Jahren noch ein „Fünf-Sterne-Friseur“ in einem Hotelflügel ein – auch er bleibt.

Katrin Hissel, Vorstand des Aachen Tourist Service, freut sich über die Entwicklung: „Die Existenz eines Fünf-Sterne-Hotels wie der Quellenhof ist für Aachen gleich aus mehreren Gründen immens wichtig. Jährlich finden in der Stadt mit der Verleihung des Karlspreises oder dem Weltfest des Pferdesports CHIO Veranstaltungen von herausragender Bedeutung statt. Viele hochrangige Gäste sind zu dieser Zeit in der Stadt zu Besuch. Wir möchten diesen Gästen die Möglichkeit bieten, in einem entsprechend hochklassigen Hotel zu logieren“, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Hissel erläuterte: „Auch für das Kongresswesen ist der Quellenhof von Bedeutung: Für viele Veranstalter ist insbesondere die Lage des Hotels direkt neben dem Eurogress ein wichtiger Faktor, sich für Aachen zu entscheiden beziehungsweise in den folgenden Jahren ihre Kongresse erneut in Aachen durchzuführen. Und das Interesse ist nach wie vor hoch: Täglich erreichen uns Anfragen von Veranstaltern, die Kontingente für die kommenden Jahre einholen und von Einzelgästen, die schon jetzt ihre Zimmer für das nächste Jahr buchen möchten.“

Rund 55.000 Übernachtungen zählte Hoteldirektor Hubel pro Jahr, mit einer Belegungsquote von über 60 Prozent war man durchaus zufrieden – zumal die großzügigen Zimmer pro Nacht ab 130 Euro aufwärts kosten. Aber: „Diverse Hotelneueröffnungen in Aachen haben uns – obwohl dort kein Fünf-Sterne-Standard und natürlich auch nicht das Ambiente des Quellenhofs zu finden ist – spürbar Geschäftskunden gekostet“, sagte Hubel.

Künftig will man neben Business-, Tagungs- und Kongresskunden als nobelste Herberge der Kaiserstadt wieder mehr „Genusstouristen“ an das Haus binden. Und auch Einheimische: „Ich wünsche mir, dass Aachener hier wieder gerne auf eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen vorbeikommen“, erklärte Jagdfeld. Luxus als Sahnehäubchen inklusive.