Aachen: Depot Talstraße soll noch mehr im Quartier beworben werden

Debatte im Kulturausschuss : Depot Talstraße: Es sollen mehr quartiersbezogene Veranstaltungen her

Das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt, das zum Stadtteilzentrum für Soziales und Kultur ausgebaut wurde, zieht auch nach bald zwei Jahren zu wenige Menschen aus dem direkten Umfeld an.

Es ist bald zwei Jahre her, dass das Depot Talstraße dem Kulturbetrieb übertragen wurde. Zuvor ist das ehemalige Straßenbahndepot für rund zwölf Millionen Euro aufwendig saniert worden, um es schließlich als Stadtteilzentrum für Soziales und Kultur auszubauen. Es zogen Mieter ein wie das Atelierhaus Aachen, das Stadtteilbüro Aachen-Nord, der Kinderschutzbund und die Stadtteilbibliothek. Es kamen temporäre Mieter hinzu, die die Räumlichkeiten für Werbeaufnahmen nutzten, Ausstellungen zeigten oder Hochzeiten feierten. Was jedoch bis heute fehlt, das sind ausgerechnet die Menschen aus dem direkten Umfeld, die man ja eigentlich dort zusammenbringen wollte.

„Das Depot soll noch stärker als Bürgerzentrum im Quartier entwickelt werden“, sagt Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs. Dafür will man sich nun ein Jahr Zeit nehmen und probeweise auf Einnahmen für quartiersbezogene Veranstaltungen verzichten. „Die Politik hat jetzt grünes Licht dafür gegeben“, so Müller weiter. Es sollen für solche Events lediglich die Betriebskosten anfallen. Wird das den Zulauf ankurbeln?

Im Kulturausschuss ging man nun auf Ursachenforschung. „Der Ruf geht um, dass die Preise zu hoch sind“, sagte Ursula Epstein von der Linken-Fraktion. „Die Preise sind nicht neu, das ist keine teure Vermietung“, entgegnete Susanne Schwier, Kulturdezernentin. Würde man auch auf die Betriebskosten verzichten und die Preise insgesamt senken, dann ginge das zu Lasten des Kulturbetriebs. „Und das wollen wir alle nicht“, so Schwier weiter. Kalkuliert wird jährlich mit Mieteinnahmen zwischen 30.000 und 35.000 Euro. „Das werden wir erreichen“, so Müller. Auch für 2019 gebe es schon Vermietungen, die rund 15.000 Euro einbringen. „Es kommen täglich Anfragen, das wird noch mehr“, sagte Müller.

Die Vermietung der Piazza des Depots kostet im Basis-Tarif (für gemeinnützige Einrichtungen) 300 Euro am Tag und 60 Euro pro Stunde. Der Seminarraum schlägt mit 50 Euro zu Buche. Privatpersonen, die die Piazza mieten, zahlen 600 Euro pro Tag und 120 Euro pro Stunde (Seminarraum 100 Euro/Tag; 20 Euro/Stunde), die gewerbliche Mietung kostet 1200 Euro am Tag und 240 Euro pro Stunde (Seminarraum 200 Euro/Tag; 40 Euro/Stunde). Diese Summen entfallen nun probeweise, falls eine quartiersbezogene Veranstaltung in die Räumlichkeiten verlagert wird. Denkbar wären laut Müller Formate und Diskussionen über das Viertel oder etwa Arbeitsgruppensitzungen der Kita-Initiative. „Wir möchten das Haus für bürgerschaftliches Engagement zur Verfügung stellen“, sagte der Leiter des Kulturbetriebs. „Und wie will man die bewerben?“, hakte Epstein nach. „Wir haben einen großen E-Mail-Verteiler, außerdem wird es beispielsweise Flyer geben. Ich denke, dass wir schon an die Protagonisten rankommen“, so Schwier.

Die große Piazza im Depot Talstraße: Ein Raum, der in der Theorie viele Möglichkeiten bietet. Doch Menschen aus dem Quartier mieten den Raum eher selten. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Aida Beslagic von der Grünen-Fraktion brachte da noch einen weiteren Punkt an: „Im Depot ist ein Gastronom angesiedelt. Können die Mieter auch einen anderen Gastronomen wählen und vielleicht selbst für Catering sorgen?“ „Es gibt zumindest keine Bindung“, sagte Irit Tirtey, kaufmännische Geschäftsführerin des städtischen Kulturbetriebs. Sie wies aber auch darauf hin, dass ein Gastronom, der dort angesiedelt ist, aber auf Dauer nicht gebucht würde, sicher nicht ewig bliebe. Schließlich wolle dieser ja auch verdienen.

Das Problem mit der Akustik

Und dann ist da ja noch das Problem mit der Akustik. „Sind die Vorhänge inzwischen da? Ich mache mir Sorgen um das Konzert des Sinfonieorchesters am 30. November“, sagte Ruth Crumbach-Trommler, FDP-Fraktion. „Das werden wir herrichten. Die Vorhänge sind bestellt. Sollten sie nicht pünktlich ankommen, werden wir welche leihen“, so Schwier. Außerdem wolle man einen Filzbelag auslegen. Alles für den besseren Klang und damit das Orchester unter üblichen Bedingungen spielen kann. „Wir wollen ja auch zufriedene Besucher, sonst kommen sie nicht wieder“, so Crumbach-Trommler. „Jede Veranstaltung ist Werbung für den Raum“, ergänzte Hermann Josef Pilgram (Grüne). Doch er wunderte sich, dass keine Karnevalsveranstaltungen im Depot stattfinden. „Die gehen alle ins Alte Kurhaus oder in die Aula Carolina. Aber vielleicht kommt das noch“, sagte Tirtey.

„Es ist unser Ziel, in der Kulturtopographie der Stadt Aachen Akzente zu setzen. Es muss nicht immer alles im Zentrum stattfinden“, so Müller. Das Probejahr 2019 wird dann zeigen, ob es an den Preisen liegt, dass die Menschen aus dem Quartier zögerlich sind, oder eben nicht. „Nach einem Jahr wird es einen Abschlussbericht geben“, so Schwier.

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