Aachen: Debatte über neue Orte für Trauungen

Aus der Bezirksvertretung Mitte : Trauungen in Aachen: Standesbeamter am Swimmingpool?

Sollen die Standesbeamten in Aachen künftig am schicken Pool einer Villa Paare trauen? Unter freiem Himmel an den Säulen auf dem Lousberg? Im Ludwig-Forum? Mittemang auf dem Tivoli? Über außergewöhnliche Trauorte, sogenannte Ambiente-Trauungen, debattierte die Bezirksvertretung Aachen-Mitte.

Die Diskussion ging zurück auf einen Antrag der Grünen vom November 2017 an die Bezirksvertretung und auf einen längst verschollen geglaubten Antrag der SPD vom Februar 2014 an den Stadtrat. Nach viereinhalb Jahren tauchte der aus den unergründlichen Tiefen der städtischen Aktenhalde plötzlich wieder auf. „Der Antrag der SPD ist auf unserem Tisch nie gelandet“, wunderte sich selbst Standesamtsleiter Lothar Linden.

Die Grünen beantragen, neue Außenstandorte für standesamtliche Trauungen zu prüfen. Sie sollen sich an den Wünschen der Paare orientieren. Auch Eheschließungen unter freiem Himmel seien zu prüfen. Es gebe ein großes Bedürfnis von Paaren, dass ihre Trauung an einem besonderen Ort stattfinde, was Standesamt und die Trauzimmer in den Bezirksverwaltungen nicht seien.

Viele heiratswillige Paare verzichteten heutzutage (Anmerk. d. Red.: Stand Februar 2014) auf eine kirchliche Trauung, weshalb die standesamtliche an Bedeutung gewinne, argumentieren die Sozialdemokraten. Auch wenn das Standesamt Aachen Trauungen im Weißen Saal, im Couven-Museum, im Schloss Schönau in Richterich und in der Welschen Mühle in Haaren anbiete, sei das Angebot verglichen mit anderen Städten ausbaufähig. Auch seien die Trauorte für große Festgesellschaften nicht geeignet. Für viele Paare sei es zudem attraktiv, sich am gleichen Ort trauen zu lassen, an dem die Feier stattfinde.

Auf „Rekordkurs“

In der Sitzungsvorlage trumpfte das Standesamt mit beachtlichen Daten auf. Mit der im Jahr 2015 hinzugekommenen Burg Frankenberg biete das Standesamt zehn in Stil, Größe und Ambiente völlig unterschiedliche Räume an. Die Zahl der Ehen sei von 1192 im Jahr 2007 auf 1425 im Jahr 2017 gestiegen. Im laufenden Jahr werde wahrscheinlich der bisherige Spitzenwert des Jahres 2016 mit 1453 Ehen gebrochen. Für die „Qualität unserer Trauungen“ spreche auch, dass im vergangenen Jahr mit 295 auswärtigen Paaren, 20,7 Prozent, der bisherige Spitzenwert noch einmal getoppt werden konnte.

Der Hinweis auf das Gemeindeprüfungsamt NRW fehlte nicht. Das bescheinigt dem Aachener Standesamt im Vergleich mit 23 kreisfreien Städten „Bestwerte in NRW“ bei Leistung, Termin- und Organisationsstruktur und Personalkosten. Jedoch lehne die Verwaltung die Anträge ab. Sie sehe nicht „das große Bedürfnis nach neuen und besonderen Orten. Dies sind Einzelwünsche.“ Und mahnt: „Wäre jeder geäußerte Orts- und Terminwunsch das Realisationsziel für unser Standesamt, müsste der Pfad der Wirtschaftlichkeit und auch der Sinnhaftigkeit verlassen werden mit klaren negativen Auswirkungen auf den Personalbedarf und die Effektivität.“

„Wir schaffen das Optimum“

So sehr sich die Bezirksvertreter über die Bestnoten freuten, so sehr missfiel ihnen das Nein zu den Anträgen. Belege fehlten (Patrick Deloie, SPD), die Anträge würden abgebügelt (David Hasse, Grüne), es fehle jegliches Argument (Ralf Otten, CDU), Aachen sei eine weltoffene Stadt, andere Städte kriegten das hin, die Verwaltung möge noch einmal überlegen (Helga Gaube, Grüne). Allein Joachim Moselage (FDP) hielt dagegen: „Wir können nicht jeden Wunsch erfüllen und überall Standesbeamte hinschicken. Es reicht, was wir haben.“

Der schwarz-rot-grüne Unmut legte sich erst, als Amtsleiter Lothar Linden die zahlengespickte Vorlage mit einem vortrefflichen mündlichen Bericht komplettierte und präzise die Arbeit des Standesamts und der 14 Mitarbeiter schilderte. „Ein Standesamt hat weitere Aufgaben, es ist mehr als Eheschließung“, sein Kernsatz. So rangieren beispielsweise alle Urkunden rund um Bestattungen oder Geburten weit vor der Zahl der den Trauungen.

„Mit unserem Personal schaffen wir das Optimum“, bilanzierte Linden. Überdies wäre mehr Personal im Standesamt an der Krämerstraße räumlich nicht unterzubringen. Wobei das Thema Neues Kurhaus (ehemals Spielcasino) aufkam: „Wir wären bereit, dort einzuziehen. Dort könnten wir auch die Barrierefreiheit umsetzen, was im Standesamt nicht geht“, lockte Linden.

Die Bezirksvertreter verstanden. Sie akzeptierten die Vorlage, empfehlen aber dem Rat, das Standesamt zu beauftragen, den Hochzeitmarkt zu beobachten und dabei das Angebot an Trauorten gemäß den Wünschen der Paare im Rahmen der Wirtschaftlichkeit anzupassen.

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