Aachen: Das Da Theater mit neuem Kinderstück

Theater für Kinder: Was man von Milchkuh Lieselotte noch lernen kann

Schlussendlich hatten die Kinder sogar Mitleid mit dem armen Postboten (Klaus Beleczko), der jeden Morgen, wenn er die Post zum Bauernhof bringt, von Kuh Lieselotte (Regina Winter) erschreckt wird.

Ein gutes Zeichen, denn damit zeigten die Kinder, dass sie die Botschaft von „Lieselotte lauert“, der neuen Kindertheaterproduktion des Das Da Theaters, verstanden hatten: etwas, das einem selbst Spaß macht, muss anderen nicht unbedingt auch Spaß machen.

Kindertheater ist bis heute eine unterschätzte, wenngleich wichtige Kunstform. Das Das Da Theater versteht es wie kaum ein anderes, Kinder immer wieder für das Theater zu begeistern, in die Geschichte hineinzuziehen und sie Teil der Handlung werden zu lassen. Ziel ist es, durch das Theater die Kinder in ihrer Persönlichkeit zu bilden, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, die Fantasie zu fördern und einen positiven Blick auf die Umwelt zu entwickeln. Das gilt auch für das neue Stück „Lieselotte lauert“, das am Samstag vor voll besetztem Haus Premiere feierte.

Mitreißende Musik

Lieselotte ist eine besonders intelligente, sprechende Kuh, die gar keine Lust hat, den ganzen Tag auf der Weide zu stehen. „Nur auf der Wiese stehen ist mir zu dumm, ich laufe lieber auf dem Hof herum“, singt sie. Und was macht Lieselotte am liebsten? Den Postboten erschrecken, wenn er die Pakete vorbeibringt. Das sorgt beim Bauern (ebenfalls Klaus Beleczko) nicht unbedingt für Heiterkeit, kommen doch seine Teetassen, Weihnachtskugeln und selbst seine Blumensamen nie heil bei ihm an. Schließlich zäunt er Lieselotte sogar ein, lässt sie aber frei, als sie verspricht, den Postboten nicht mehr zu erschrecken. Ob sie sich aber daran hält?

Wie auch die bisherigen Kinderstücke, ist „Lieselotte lauert“ voll von mitreißender Musik, komponiert von Christoph Eisenburger, und hat ein Bühnenbild, das mit einem Detailreichtum und einer Lebendigkeit aufwarten kann, die man in mancher moderner Inszenierung als Erwachsener vermisst. Die Kinder konnten sich gar nicht sattsehen an den Hühnern, dem Zaun, der Glocke und dem Postwagen. Auch die Einbindung in das Stück gelang hervorragend, die Kinder rätselten gemeinsam mit dem Postboten über ein passendes Geschenk für Lieselotte oder aber halfen der Kuh ein gutes Versteck zu finden.

Rassel und Furzkissen

Ein Highlight dieser Aufführung im Speziellen war die Geräuschuntermalung durch Tom Schreyer als Hahn, der zu Ukulele, Gitarre, Fahrradklingel, Rassel und Furzkissen griff, um das Stück, wie in einem Cartoon, mit Geräuschen zu untermalen. Die zahlreichen Instrumente waren liebevoll und unauffällig ins Bühnenbild integriert. Als besonders herausragend zu würdigen ist auch die Leistung von Regina Winter, die nicht nur ein perfektes, kindgerechtes Kostüm trug, sondern auch die Bewegungen einer Kuh glaubwürdig und subtil imitierte. Breiten Schrittes stapfte sie über die Bühne, nutzt vielfach ihre Zunge und warf hier und da an genau den passenden Stellen ein „Muh“ ein. Immerhin ist Lieselotte bei aller Vermenschlichung dann doch eine Kuh.

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