Aachen: Café Plattform freut sich nicht nur Weihnachten über Spenden

Weihnachten in Aachen : Auch im Café Plattform bleibt reichlich Platz fürs festliche Vergnügen

Alle Jahre wieder, und das nicht nur zur Weihnachtszeit, stehen die Mitarbeiter des Café Plattform vor enormen Herausforderungen. Wenn die Temperaturen sinken, steigt naturgemäß die Auslastung der Caritas-Anlaufstelle für Nichtsesshafte.

Und natürlich sind die Pforten des Hauses am Veltmanplatz – wie jeden Tag – auch am Heiligen Abend geöffnet. „Dank vieler ehrenamtlicher Helfer können wir auch diesmal ein schönes Fest veranstalten, wir freuen uns auf jeden, der dabei sein möchte“, betont Mark Krznaric, Leiter des Café Plattform und des „Troddwar“ am Kaiserplatz, im Gespräch mit unserem Redakteur Matthias Hinrichs.

Das „Plattform“ hat in diesem Frühjahr sein 30-jähriges Bestehen ziemlich groß gefeiert. Bleiben noch Energien und Mittel fürs traditionelle Weihnachtsfest an Heiligabend?

Krznaric: Klar. Wir erwarten wieder rund 150 Gäste am Veltmanplatz, verschenken Präsenttüten an jeden, der kommt. Für ein durchaus opulentes Festmenü ist dank der großen Hilfe ehrenamtlicher Gastronomen und Hobbyköche ebenfalls gesorgt. Außerdem gibt es weihnachtliche Klänge mit dem Pianisten Gottfried Siegers und dem Gitarristen Tobias Malms. Linus Offermann liest Weihnachtsgeschichten. In der Küche hat Emmy Roncken – sie betreibt ein Restaurant in den Niederlanden – sozusagen den Hut auf.

Ist die Zahl der Nichtsesshaften in den vergangenen Jahren gestiegen?

Krznaric: Man kann sagen, dass sie im Ganzen konstant geblieben ist. Zurzeit übernachten etwa 20 Menschen regelmäßig bei uns, die Zusammenarbeit mit den städtischen Notunterkünften und den vielen anderen Initiativen, die Hilfe für Obdachlose anbieten, läuft wirklich sehr gut. Niemand muss auf der Straße schlafen. Es gibt allenfalls eine Handvoll Nichtsesshafte in Aachen, die praktisch permanent draußen übernachten, weil sie es einfach wollen. Natürlich sprechen unsere Streetworker aber auch diese Menschen regelmäßig an und weisen ihnen Wege ins niedrigschwellige Hilfssystem.

Wenn die Temperaturen weiter sinken, wird es aber auch im „Plattform“ eng. Zu eng?

Krznaric: Nein. Wir lassen niemals jemanden vor der Tür stehen, wenn es richtig kalt ist. Wir haben noch immer Lösungen gefunden, die sogar einen gewissen Charme haben, um gegebenenfalls auch bis zu 30 Menschen ein Bett zu bieten. Im Übrigen haben wir, wie gesagt, immer einen schnellen Draht zu den städtischen Einrichtungen, an die wir Ankömmlinge verweisen können.

Obwohl es einen sehr engagierten Förderkreis gibt, sind Sie stets auch auf Spenden angewiesen. Wie groß ist der Bedarf aktuell?

Krznaric: In den vergangenen Jahren haben wir es zum Glück immer geschafft, einen stattlichen Betrag an Spenden zusammenzutragen, zuletzt waren das etwa 160.000 Euro. Wir brauchen dieses Geld für wichtige Angebote, die weit über eine schlichte Übernachtungsmöglichkeit hinausgehen. Im nächsten Jahr wollen wir zum Beispiel das „Queerbeet“-Programm des „Troddwar“ auch auf das Café Plattform ausdehnen, um unseren Gästen eine sinnvolle Beschäftigung zu vermitteln.

Wie hat sich die Situation Ihrer Klientel verändert? Oft ist zum Beispiel zu hören, dass viele in wachsendem Maße auch unter psychischen Krankheiten leiden.

Krznaric: Deshalb wird es immer wichtiger, eine engmaschige Begleitung anzubieten. Das gelingt dank des intensiven Verbundes mit etlichen Institutionen – von der Polizei bis hin zu den Fachkliniken – auch in schwierigen Situationen aus meiner Sicht sehr gut. Wir versuchen natürlich, eine besondere Atmosphäre für die Menschen, die ins „Plattform“ kommen, zu schaffen, Geborgenheit zu geben, die jeder Mensch sucht. Und wir geben ihnen die Möglichkeit, aus ihrer Einsamkeit herauszukommen. Wir freuen uns über jeden, der uns dabei hilft.

Was können Sie Menschen anbieten und empfehlen, die vielleicht selbst nicht so viel Geld haben, sich aber anderweitig einbringen möchten?

Krznaric: Einfach mal vorbeikommen oder anrufen! Wir finden immer Möglichkeiten, sich ganz unbürokratisch zu engagieren. Wer kontaktfreudig ist und Interesse an Menschen hat, ist im „Plattform“ immer richtig. Schließlich betonen wir nicht von ungefähr, dass es bei uns keine Hemmschwellen geben soll. Und das gilt für jeden einzelnen.