Aachen: Busfahrer dringend gesucht

Infotag bei der Aseag : Stefan Joußen parkt besser mit dem Bus als mit dem Auto

Der 20-jährige Stefan Joußen ist einer der jüngsten Busfahrer der Aseag. Mit einem Infotag versucht das Unternehmen, junge Menschen für den Beruf des Busfahrers zu begeistern.

Schon als kleiner Junge wollte Stefan Joußen (20) Busfahrer werden. Dann verlor er diesen Wunsch vorübergehend aus den Augen. „Ich wollte Astronomie studieren“, erzählt er. Doch dann lernte er bei einem Praktikum die Aseag näher kennen, und kam erneut auf den Geschmack. Heute ist er mit seinen 20 Jahren einer der jüngsten Busfahrer in der Flotte der Aseag. „Ich bin mein eigener Herr und habe Kundenkontakt“, sagt er. Das gefalle ihm sehr gut. Und später einmal möchte er Fahrlehrer werden.

Bei einem Infotag der Aseag an der Neuköllner Straße bekamen Interessenten jetzt wieder einmal Gelegenheit, den Betrieb kennenzulernen. Angeboten wurden Führungen und sogar die Möglichkeit, einen der Aseag-Busse mit einem Fahrlehrer an der Seite selbst zu fahren. „Es ist sehr schwer, Busfahrer zu finden“, sagt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Deshalb versuchte der Betrieb jetzt zum dritten Mal, Nachwuchs über den Infotag zu begeistern. Und die Ausbildung beinhaltet sehr viel mehr als nur den Busführerschein.

Leitstelle, Fahrplan, Technik

Eineinhalb Jahre hat sich Joußen mit den unterschiedlichen Bereichen der Aseag vertraut gemacht. Dazu zählen Leitstelle, Betriebs-und Fahrplan-Planung, rechtliche Aspekte, Fahrzeugtechnik sowie der Besuch der Berufsschule in Köln mit Wirtschafts- und Betriebslehre. Ein ganzes Paket also, das den Auszubildenden ermöglicht, später auch in anderen Bereichen zu arbeiten.

Nach eineinhalb Jahren stand der Besuch der Kfz-Werkstatt auf dem Programm, und erst danach lernte Joußen in etwa einem Jahr, Bus zu fahren. „Ganz am Anfang durften wir schon auf dem Hof fahren und die Busse umparken“, erzählt er. „Linksrum-Führerschein“ heiße das betriebsintern. Denn die Busse werden dabei immer nur in einer Linkskurve bewegt.

Rund 100 Linien gelernt

Heute fährt Joußen längst im normalen Linienverkehr. Rund 100 Linien hat er im Rahmen seiner Ausbildung auswendig lernen müssen, um die einzelnen Strecken routiniert abfahren zu können. „So schwierig ist das aber gar nicht“, sagt er. „Alle 5er fahren beispielsweise die Trierer Straße Richtung Brand. Die 5, die 15, die 25… Einige zweigen ab, andere fahren geradeaus weiter.“ Wie genau, folge immer einem System. Navigationssysteme gibt es nicht im Bus. „Wir müssen die Strecken, die verschiedenen Tarife und die einzelnen Haltestellen kennen, denn nur so können wir Auskunft geben“, sagt er. Ob normaler Bus oder Doppelgelenkbus: Er kann jeden Bus problemlos durch die Straßen lenken. „Und rückwärts parke ich besser mit einem Bus ein, als mit meinem eigenen Auto“, sagt er lächelnd.

Weil er noch so jung ist, darf er keine „grenzüberschreitenden Fahrten“ machen. Eine gewisse Reife wird beim Busfahrer vorausgesetzt, normalerweise darf man den entsprechenden Führerschein (Klasse D) erst mit 24 Jahren machen. Wer ihn bei der Aseag macht, darf früher fahren.

Freundlicher Umgang

Stefan Joußen jedenfalls will in den nächsten Jahren mit dem Bus unterwegs sein. Und ein freundlicher Umgang mit den Fahrgästen ist ihm dabei besonders wichtig. „Am Bushof verabschiede ich die Kunden freundlich“, sagt er. Erst in einigen Jahren will er sich Gedanken über eine Ausbildung zum Fahrlehrer machen. Er ist in seinem Beruf rundum zufrieden, und weil das so ist, fungiert er auch als Ausbildungsbotschafter und erzählt in Schulen von seinem Beruf. „Die Bezahlung ist gut, es gibt Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie viele Zulagen“, sagt er.

Die Aseag sucht derweil weiter nach neuen Auszubildenden oder auch Seiteneinsteigern, die nur den Busführerschein machen wollen. „Pro Jahr brauchen wir etwa 40 neue Fahrer“, sagt Paul Heesel. Und für 2019 werden noch vier Auszubildende gesucht.

230 Busse, 490 Fahrer

Die Flotte der Aseag besteht aus 230 Bussen und 490 Fahrern. Das macht etwa 60 Prozent des Gesamtvolumens aus, die anderen 40 Prozent sind Auftragsunternehmen. Mit dem Zulauf am Infotag sind die Verantwortlichen der Aseag zufrieden. Sie müssen am Ball bleiben, um für Nachwuchs zu sorgen. „Der Markt ist wie leergefegt“, sagt Heesel und freut sich, mit Stefan Joußen einen so engagierten Mitarbeiter gefunden zu haben, der als Ausbildungsbotschafter überzeugend für seinen Job wirbt. Und nicht nur das. Er hat seine Abschlussprüfung mit hervorragenden Noten bestanden und ist sicher ein gutes Vorbild für alle die, die sich wie er für eine Ausbildung zum Busfahrer entscheiden.