Aachen: Bürgervariante für Radvorrangroute Lothringerstraße vorgestellt

Plötzlich heißt es auch Rad gegen Baum : Bürgervariante für Radvorrangroute Lothringerstraße vorgestellt

Für ihre Entwürfe für die Teilstrecke Lothringerstraße der geplanten Radvorrangroute, die künftig Eilendorf und Brand mit Aachen verbinden soll, hat die Verwaltung Spott und Kritik geerntet. Radverbände haben nun eine Alternative vorgestellt.

Man muss in Aachen nicht gleich das Rad neu erfinden – aber eine sichere, komfortable Fahrradstraße darf es aus Sicht der Radfahrer dann schon sein. Vor rund einem Monat stellte die Stadtverwaltung in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte drei Entwürfe einer Teilstrecke der geplanten Radvorrangroute vor, die künftig Eilendorf und Brand mit Aachen verbinden könnte. Konkret ging es um den Abschnitt der oberen Lothringerstraße zwischen Wilhelm- und Harscampstraße – wohl einer der wichtigsten Bausteine der Route. Doch statt positivem Feedback ernteten die Stadtplaner Spott und Kritik. In der kommenden Woche beschäftigen sich die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und der Mobilitätsausschuss der Stadt Aachen erneut mit den verschiedenen Varianten.

Gemeinsam nahmen der Verkehrsclub Deutschland, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, die Projektwerkstatt „Fahrradfreundliches Brand“ und die Bürgergruppe „Eilendorf – fahrradfreundlich“ die umstrittenen Entwürfe zum Anlass, selbst eine sogenannte „Vari­ante 2a“ zu entwickeln. „Wir haben den zweiten Vorschlag der Verwaltung weiterentwickelt“, erklärte Norbert Rath bei der Vorstellung am Donnerstagabend.

Das Motto ihrer Idee: „Rot, breit, durchgehend“. Die Breite der Fahrbahn sei grundsätzlich gleichgeblieben, mithilfe von elf Änderungen sollen die Pläne der Verwaltung jedoch optimiert werden.

Ein Kernelement ist die Verwendung von rotem Asphalt zur auffälligen Markierung der Radfahrfläche. „Das sieht die Stadt eigentlich auch so“, meinte Rath. So soll auch eine Bepflasterung für sichere Trennstreifen, ein reduzierter Kurvenradius für eine Drosselung der Geschwindigkeit und eine Anrampung der Richardstraße für eine Verdeutlichung der Radvorrangroute sorgen.

Vier Bäume müssen gefällt werden

Doch nicht jeder zeigte sich glück­lich bei der Vorstellung des Bürgervariante. „Sie verlieren kein Wort zum Thema Grünflächen“, äußerte ein Vertreter des Aachener Baumschutzbündnisses. Vier Bäume müssten gemäß dem Entwurf gefällt werden, sechs neue werden dafür gepflanzt. „Das ist doch Augenwischerei“, kritisierte der Mann. „Sie pflanzen Jungbäume, aber geholzt werden ältere.“

Wer mit einer Diskussion zwischen Rad- und Autofahrer gerechnet hatte, der wurde enttäuscht. Stattdessen lautete der Wortkampf: Rad gegen Baum. Denn mehr Platz für das Rad bedeutet gleichzeitig weniger Platz für die Natur. Den Autoverkehr in der Straße befürwortete tatsächlich kaum jemand, die anwesenden Anwohner protestierten nicht einmal gegen die Idee einer autofreien Lothringerstraße. Ist das Auto also vielleicht der Verlierer in der Lothringerstraße? „Man bräuchte zumindest keine Bäume fällen, wenn hier keine Autos fahren würden, und die Radfahrer hätten trotzdem genug Platz“, betonte Gereon Hermens, der die Diskussion moderierte. Das wäre in seinen Augen dann keine 2a-, sondern vielmehr eine 1a-Lösung.