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Aachen: Bewegende Gedenkfeier zum Vokstrauertag

Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror : „Niemand flieht ohne Not aus seiner Heimat“

Mit einer Gedenkveranstaltung in der Aula Carolina und einer Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof ist in Aachen der Volkstrauertag begangen worden. Das Leid der Opfer von Opfer von Gewaltherrschaft, Verfolgung, Vertreibung, Krieg und Terror stand im Mittelpunkt.

„Auch das Volk erfährt das Leid, nicht nur die Soldaten“, sagte Standortältester Oberst Klaus Gerhard Engel während der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in der Aula Carolina. Er hielt ein bewegendes Plädoyer gegen den Krieg und erzählte von seinen eigenen Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan. Er habe dort gesehen, wie Angst und Schrecken verbreitet würden und qualvoll gemordet und gefoltert werde. Den Fehler der zwei Weltkriege nicht zu wiederholen, war sein Aufruf an diesem Tag des gemeinsamen Gedenkens. Trotz all dieser schmerzhaften Erfahrungen gebe es noch immer Kriege und Terroranschläge, sagte er und warb um Mitgefühl für das Schicksal der vielen Flüchtlinge, die seit dem Jahr 2015 vermehrt Schutz in Europa suchen.

„Niemand flieht ohne Not aus seiner Heimat“, betonte er und erinnerte daran, dass auch viele Europäer dieses Schicksal kennen dürften. „Heute wissen viele nicht mehr, was es bedeutet, verfolgt und ausgebombt zu werden“, fuhr er fort und kritisierte all jene, die Flüchtlinge denunzieren und zu Verbrechern abstempeln, statt ihnen zu helfen. Dass es bis heute nicht gelungen sei, eine wirksame Flüchtlingshilfe zu etablieren, hält er für ein großes Defizit.

Seine bewegende Ansprache war nur ein Teil der Gedenkstunde, zu der der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) – Kreisverband Städteregion Aachen in die Aula Carolina eingeladen hatte. Die Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasiums trugen mit ihren Rezitationen zu einem angemessenen Rahmen bei, während die Tempelsingers und das Orchester des St. Ursula-Gymnasiums für musikalische Highlights sorgten. Auch an St. Ursula gab es jüdische Schülerinnen, die unter den Nazis von der Schule vertrieben wurden. „Acht Schülerinnen mussten St. Ursula 1938 verlassen“, erzählte Kordula Smits, Leiterin des Orchesters. Sie erinnerte an eine Gedenkfeier am St. Ursula, zu der jüdische Überlebende aus Amerika angereist seien. „Das war sehr bewegend“, sagte sie.

Der emeritierte Domkapitular Hans-Günther Vienken lud zum Gebet, rief den „Gott der Versöhnung und des Friedens“ an und sorgte mit seinen Worten für eine spirituelle Einkehr. Abschließend dankte Städteregionsrat Tim Grüttemeier allen Akteuren für die „einfühlsame Gedenkveranstaltung“. Und in der Tat hatten gerade auch die Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasium mit ihren Texten für Nachdenklichkeit gesorgt. „Ein Soldat stirbt nicht, hat keine Angst, keine Schmerzen. Wir sagen: Er fällt“, rezitierte ein Schüler aus einem Text von Hans-Peter Kraus. 32 Millionen Soldaten sind in den zwei Weltkriegen „gefallen“, außerdem kamen 36 Millionen Zivilisten ums Leben.

Um all dieser Opfer zu gedenken, machte sich der VDK mit seinen Gästen anschließend zur Kranzniederlegung auf den Weg zum Hochkreuz am Aachener Waldfriedhof. „Denn 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges und 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges muss das Gendenken an die Opfer aufrechterhalten werden“, meint der VDK. Denn es sei traurige Realität, dass es immer noch unzählige Opfer von Gewaltherrschaft, Verfolgung, Vertreibung, Krieg und Terror gebe.