Aachen: Bei der Waffenbehörde der Polizei kann man die Funde abgeben

Was tun mit geerbten Waffen? : Pistolen und Revolver als brisante Erbstücke im Schrank

Für Hinterbliebene kann es eine böse Überraschung sein, wenn sie im Nachlass des Verstorbenen Waffen finden. Bei der Waffenbehörde der Polizei kann man sich beraten lassen und solche Funde abgeben.

Montagvormittag im Aachener Polizeipräsidium: Vorsichtig legt die Besucherin eine augenscheinlich nicht ganz leichte Stofftasche auf den Tisch. Ebenso vorsichtig öffnet Dorothea Kehrig den Beutel und nimmt den Inhalt heraus. Drei Waffen hat die Frau vorbeigebracht, die sie im Nachlass ihres jüngst verstorbenen Vaters gefunden hatte.

„Der ist ja noch geladen“, sagt Kehrig, als sie die größte der drei Waffen, einen Revolver, genau unter die Lupe nimmt. Tatsächlich: In der Trommel steckt noch eine Patrone. Die Besucherin wird ein wenig blass um die Nase, als sie das hört. „Hätte ich das gewusst, dann hätte ich die Teile gar nicht erst angefasst“, sagt sie und erklärt kategorisch: „Waffen will ich nicht im Haus haben.“

Im Aachener Polizeipräsidium ist Dorothea Kehrig eine von mehreren zuständigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern fürs Waffenrecht. Regelmäßig schauen bei ihr auch Angehörige vorbei, die nach einem Todesfall Waffen entdeckt haben. „Die meisten Leute kriegen bei so etwas erst mal einen Schreck“, weiß sie. In der Regel wüssten Angehörige aber, ob der Verstorbene vielleicht Jäger oder Sportschütze war, ob er also eine Waffe besitzen durfte oder nicht.

Drei Handfeuerwaffen, die ihrem Vater gehört haben, gibt eine Frau am Montag bei der Waffenbehörde.ab. Foto: ZVA/Harald Krömer

Die verunsicherte Tochter kann Kehrig an diesem Morgen erst einmal beruhigen. Die drei Handfeuerwaffen, die sie vorbeigebracht hat, sind Schreckschusswaffen, sogenannte Gas-Alarm-Pistolen und -Revolver. „Das sind keine richtigen Schusswaffen, die dürfen Sie besitzen“, sagt Kehrig. Die Frau schüttelt dennoch energisch den Kopf. Sie ist erleichtert, dass sie die drei Waffen im Präsidium zurücklassen kann. Munition habe sie nicht gefunden, sagt sie auf Nachfrage. Eine Waffenbesitzkarte ebenfalls nicht.

Die allerdings müsste eigentlich vorhanden sein, denn der Vater besaß zumindest früher eine Waffe, für die er eine solche Karte brauchte. „Die grüne Waffenbesitzkarte ist so etwas wie der Führerschein für eine Waffe“, erklärt Kehrig. „Die Waffe Ihres Vaters ist aber bereits im System ausgetragen“, sagt sie nach einem Blick in den Computer. Alles in Ordnung also. Erleichtert verlässt die Tochter das Präsidium. Sollte sie die Waffenbesitzkarte noch finden, werde sie die ins Präsidium schicken, verspricht sie.

Im Schnitt einmal in der Woche werden Waffenfunde aus Nachlässen bei der Waffenbehörde im Polizeipräsidium abgegeben, berichtet Kehrig. Wer solche Fundstücke im Präsidium vorbeibringt, sollte allerdings für einen sicheren Transport sorgen, rät sie. „Am besten in einer Waffentasche.“ Wer unsicher ist, was er da zu Hause entdeckt hat, sollte kein Risiko eingehen und lieber bei der Waffenbehörde der zuständigen Polizei anrufen, betont die Sachbearbeiterin.

In so manchem Schrank steht vermutlich auch noch ein altes Luftgewehr. Wer so etwas findet und unsicher ist, ob er die Waffe legal behalten darf, sollte nach dem sogenannten „F im Fünfeck“ suchen, rät die Sachbearbeiterin. Ist das Zeichen in die Waffe eingestanzt, dann entwickelt sie eine maximale Bewegungsenergie von 7,5 Joule. Solche Waffen sind in Deutschland an Personen über 18 Jahre, die nicht vorbestraft sind, frei verkäuflich.

Ansonsten regelt das Waffengesetz sehr streng, wer unter welchen Umständen eine Waffe besitzen oder führen darf. In der Städteregion Aachen gibt es laut Polizei rund 4500 registrierte Waffenbesitzer. Hinterbliebene, die im Nachlass ihrer Verstorbenen solche Waffen entdecken, müssen sich innerhalb einer Frist von einem Monat mit der zuständigen Waffenbehörde in Verbindung setzen.

Wer illegal eine Waffe zu Hause hatte, konnte diese vor einiger Zeit im Rahmen einer einjährigen bundesweiten Amnestie straffrei abgeben. Diese Amnestieregelung, die auch im Bereich der Kreispolizeibehörde Aachen intensiv genutzt wurde, ist Anfang Juni 2018 ausgelaufen. „Seitdem werden überwiegend erlaubnisfreie Waffen bei uns abgegeben“, resümiert Dorothea Kehrig.

Und so sieht ihre aktuelle Bilanz aus: Seit Mai sind im Aachener Polizeipräsidium 56 Kurzwaffen und 25 Langwaffen abgegeben worden, natürlich nicht alle aus Nachlässen. Die abgegebenen Waffen werden vernichtet.

aachen.polizei.nrw

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