Aachen: Baustelle führt zu Umwegen, Tunnel gesperrt

Lange Umleitung : Tunnel dicht, Anwohner empört

Anwohner – vor allem Senioren und Eltern – sind empört, weil die Fußgängerunterführung zwischen Hohenstaufenallee und Reumont-/Mariabrunnstraße ersatzlos dicht gemacht wurde. Grund ist eine Großbaustelle der Fachhochschule Aachen an der Hohenstaufenallee.

Deswegen müssen Fußgänger und Radfahrer nun lange, teils gefährlichere Umwege in Kauf nehmen.„Das ist doch ein Schildbürgerstreich“, kommentiert eine junge Mutter am Montag. Gerade hat sie die rot-weißen Absperrgitter für Ihren sechsjährigen Sohn beiseite geschoben. Der radelt dann durch die rund 20 Meter lange Unterführung, die eigentlich seit dem Wochenende für alle Verkehrsteilnehmer – und ausdrücklich auch Fußgänger – gesperrt ist. Oben donnert die Bahn entlang, unten dient der kleine „Tunnel“ seit vielen Jahren als wichtige autofreie Querverbindung. „Der Weg durch die Unterführung verbindet das Quartier mit dem Einkaufszentrum an der Schillerstraße und den Grünanlagen am Hangeweiher und wird viel genutzt. Durch die Sperrung wird ein Umweg von 400 bis 500 Metern notwendig“, ärgert sich Anwohner Kilian Schulte.

Er denkt dabei vor allem an ältere Menschen, Senioren mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen sowie Schulkinder der Grundschule Reumontstraße. Letztere seien aber gerade der Grund, warum man die Sperrung pünktlich zum Schulbeginn nach den Herbstferien eingerichtet habe, sagt Stefan Herrmann von städtischen Presseamt. „Wir haben das nach Rücksprache mit der Schulleitung und in Zusammenarbeit mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) so entschieden, weil vor der Unterführung Bagger, Laster und anderes Baustellengroßgerät unterwegs ist – unmittelbar neben dem Weg zur Unterführung. Diese Nähe wäre zu gefährlich, deshalb wurde komplett gesperrt“, sagt er. Und bittet Betroffene, die nun Umwege in Kauf nehmen müssen, ausdrücklich um Verständnis.

Diese Umwege führen allerdings im baustellengeplagten Viertel an weiteren – womöglich nicht minder gefährlichen – Baustellen vorbei. Seit über einem Jahr werden Kanäle in der Südstraße saniert; und auch die Mozartstraße ist derzeit Großbaustelle. „Ganz abgesehen davon, dass die Kinder nun statt durch die Unterführung entlang der Hauptverkehrsstraße laufen oder radeln müssen“, kritisiert eine andere Mutter vor Ort und schüttelt den Kopf. Bis ins Frühjahr 2019 ist die Sperrung bereits offiziell von der Stadt genehmigt. Dann soll die Sinnhaftigkeit erneut überprüft werden. Absehbar ist jedenfalls, dass die Großbaustelle an der Hohenstaufenallee deutlich länger dauern wird, mindestens bis 2020.

Dort hat der BLB im März damit begonnen, die Baugrube für das „Kompetenzzentrum Mobilität“ der FH Aachen auszuheben – gut sieben Jahre später als ursprünglich vom BLB geplant. Ab 2020 sollen in dem 32 Millionen Euro teuren Bau bis zu 3500 Studenten optimale Lernbedingungen vorfinden. Interdisziplinär will man das Thema Mobilität in den Fachbereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau und Mechatronik sowie Elektrotechnik und Informationstechnik behandeln. So könnte ein neues Herzstück der FH Aachen entstehen. Anwohner der Großbaustelle hoffen nun, dass in Sachen Mobilität in unmittelbarer Nähe doch noch eine verträglichere Lösung gefunden wird – inklusive Fußgängerunterführung.