Aachen: Baupläne der Kirche oft später und teurer

Bistum Aachen : Gottvertrauen reicht beim Bauen nicht

Auf Gott kann man bauen. Das ist sich die Kirche sicher. Bloß der ein oder andere Handwerker lässt bei diversen Baumaßnahmen des Bistums Aachen zuweilen auf sich warten. Dafür tauchen manchmal ungebetene Gäste auf, die weitere Probleme auslösen.

Trotz etlicher Verzögerungen ist nun Licht am Ende des (Bau-)Tunnels in Sicht. Millionen Euro flossen und fließen in diverse Maßnahmen.

  • Bischöfliches Generalvikariat: Gerade platzieren Arbeiter die letzten gestrahlten Sandsteine auf der neuen imposanten Fassade des 5200 Quadratmeter großen Baus am Klosterplatz. Das marode Gebäude wurde komplett entkernt und saniert. Knapp anderthalb Jahre später und mit über 16 Millionen Euro gut 2,6 Millionen teurer als ursprünglich geplant, wird die Maßnahme nun vor Weihnachten beendet werden. Über 100 Mitarbeiter – inklusive Generalvikar – freuen sich über die neuen Büros, Aufzüge, Konferenzräume, Innenhöfe und das neue Foyer. „Noch in diesem Jahr werden die noch ausstehenden Fertigsstellungsarbeiten abgeschlossen sein. Die Bauzeit hatte sich aufgrund von Lieferengpässen für verschiedene Gewerke verzögert. Aufgrund der alten Bausubstanz gestaltete sich zudem der Aufbau der Außenfassade schwierig. Eine endgültige Schlussrechnung kann erst gezogen werden, wenn die Arbeiten komplett abgeschlossen sind“, erklärt Anja Klingbeil von der Pressestelle des Generalvikariats.
  • Diözesanarchiv in der ehemaligen Kirche St. Paul an der Jakobstraße: Die offizielle Eröffnung des Diözesanarchivs in der ehemaligen Kirche St. Paul war Anfang September. Bereits im Mai fand der Rückzug von Düsseldorf nach Aachen statt. Insgesamt zwei laufende Kilometer Urkunden, Akten, Pläne sowie 600 Meter Bücher mussten per Lkw transportiert werden. Das Investitionsvolumen der Umbauarbeiten von St. Paul betrug 3,2 Millionen Euro  – etwa 600 000 Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Allerdings muss der Kirchenboden noch komplett nachgearbeitet werden. Ärger verursacht zudem ein kostspieliger Raubzug: „Im Außenbereich werden noch zusätzliche Lampen angebracht. Dadurch, dass dort vor kurzem Kupferkabel direkt über dem Boden gekappt und entwendet wurden, dauern diese Arbeiten noch an, werden aber in den nächsten Wochen abgeschlossen“, sagt Klingbeil.
  • St. Foillan: Allein die Gerüstkosten an der ersten Bürgerkirche Aachens aus dem Jahr 1180 und dem neugotischen Turm aus dem Jahr 1888 erreichen den Wert mehrerer Einfamilienhäuser. Der Kirchturm wird umfassend saniert, nachdem im Jahr 2015 ein elf Kilogramm schwerer Stein auf den benachbarten Spielplatz des Pfarrkindergartens stürzte – zum Glück ohne jemanden zu verletzen. Natursteinfassade, die Dachverkleidung und das Gebälk müssen aufwendig überarbeitet werden. Das wird  bis zum Jahr 2020 dauern. Kosten ohne Gerüst bislang: rund zwei Millionen Euro.
  • Kreuzgruppe vor St. Jakob: Der Ursprungsbau des Gotteshauses war im Jahr 1885 abgerissen worden. Die Steine wurden für den Aufbau des höchsten Kirchturms der Stadt Aachen gleich nebenan verwendet. Im Schatten dieses 87 Meter hohen Turms erinnert seit 1893 eine Kreuzgruppe an die alte Kirche, direkt auf dem Platz zwischen Jakob- und Vaalser Straße. Über viele Jahre vermoderten die Figuren oberhalb des Außenaltars allerdings. Einige Wochen vor diesem Sommer wurde die Kreuzgruppe zur Restaurierung eingerüstet. Steinmetz Christoph Schwartzenberg schätzte die Sanierungsdauer damals auf sechs bis acht Wochen. Dann tauchten diverse Probleme während der Restaurierung auf. Zur Vorweihnachtszeit soll die Kreuzgruppe spätestens wieder in hellem Gestein vor St. Jakob strahlen, heißt es aus Pfarrkreisen. Die Höhe der Sanierungskosten ist noch unbekannt.
  • Pfarrhaus Heilig Kreuz: An der Pontstraße beginnt die Sanierung der Pfarrhausfassade aus dem Jahr 1736. „Wir haben die Couven-Fassade bereits eingerüstet. Nun steht die Entscheidung an, ob die Fassade – gemäß den Vorgaben der Denkmalpfleger – mit Aachener Blaustein, belgischem Granit oder Limestone wieder aufgebaut wird“, erläutert Architekt Mathias Paulssen. Ein gutes halbes Jahr kalkuliert er für die Restaurierungsarbeiten. Wenn nichts dazwischen kommt. Worauf man eigentlich bauen kann. „Es ist schon passiert, dass Diebe die Metallkabel unserer Lastenaufzüge nachts ausgebaut und geklaut haben“, erinnert sich Paulssen. „Dabei bringt das Hehlern kaum ein paar Euro ein.“ Reines Gottvertrauen reicht auch bei kirchlichen Baumaßnahmen nicht aus.