Aachen: Ausstellung zur Umnutzung von Kirchen

Ausstellung in Aachen : „Kirchengebäude und ihre Zukunft“

Immer mehr Kirchen verschwinden aus den Städten. Sie werden umgenutzt, rückgebaut, manchmal auch abgerissen. Eine Ausstellung in Aachen zeigt 20 Beispiele, bei denen der Umbau für eine neue Nutzung architektonisch gut gelungen ist.

Können Sie sich die Stadtsilhouette von Köln ohne den Dom vorstellen? Oder den Aachener Talkessel ohne sein Münster? Unvorstellbar, aber genau das ist in Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren passiert. Kirchengebäude verschwinden aus dem Ortsbild. Manchmal nur durch Umnutzung oder Rückbau, aber manchmal auch durch Abriss. Dabei sind die Bauwerke in vielen Fällen architektonisch herausragende Teile der Baukultur und durchaus erhaltenswert.

Das haben Fachleute erkannt, und das war auch der Grund, warum die Stiftung Wüstenrot einen Wettbewerb auslobte, der die besten Nutzungsänderungen von Kirchen in den Fokus rückte und aufzeigen sollte, wie durch den Erhalt der Gebäude und eine damit verbunden Nutzungsänderung wertvolle Bausubstanz gerettet werden kann und die oft emotionalen und sozialen Bezugspunkte der Menschen erhalten werden können.

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) widmet den 20 Kirchenbauten, die im Wettbewerb in die engere Auswahl kamen, eine eigene Ausstellung und möchte damit den Menschen, die möglicherweise mit dem Thema konfrontiert sind, Anregungen geben und zeigen, was möglich ist, wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Gegen massive Widerstände

Und das können durchaus viele Instanzen sein, von den Gemeindemitgliedern über die Geistlichen bis hin zu Planern, Architekten, Verwaltungsangestellten, Denkmalbehörden und Stadtplanern. Sie alle und noch weitere Beteiligten wollen und müssen im Falle einer Nutzungsänderung gefragt werden, einmal ganz abgesehen von der grundsätzlich schwierigen emotionalen Ebene. So verwundert es nicht, dass viele Ideen erst gegen massive Widerstände durchgesetzt werden können. Das Ergebnis kann sich aber in vielen Fällen sehen lassen.

Ein gutes Beispiel ist die Umwidmung der Kirche St. Elisabeth in Münster. Die Gebäude waren zum Abriss freigegeben, was die Gemeindemitglieder aber nicht akzeptierten. Sie plädierten für den Erhalt des Bauwerks und suchten nach Nutzungsideen. Es stellte sich heraus, dass die angrenzende Montessori-Schule über keine eigene Sporthalle verfügte. Die Nachnutzung war gefunden, die Kirche ist heute ein viel genutzter und mit Leben gefüllter Raum, wobei die ursprüngliche Gebäudestruktur immer noch gut nachvollziehbar ist. In anderen Objekten wurde der sakrale Bereich verkleinert, frei werdender Raum wurde anderen Nutzungsmöglichkeiten zugeführt, was im Ergebnis zu einer deutlichen Belebung der Gebäude führte und so die soziale Bedeutung der Bauten für die Menschen erhalten und teilweise noch vertiefen konnte.

Dr. René Hartmann von der Wüstenrot-Stiftung zeichnete noch einmal die Gründe nach, die derartige Umnutzungen nötig machen. „Nach 1945 waren in Deutschland mehr als 80 Prozent der Bevölkerung christlichen Glaubens, heute sind es noch knapp 60 Prozent“, zeichnete er die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nach.

„Ein schwieriger Akt“

Stadtentwickler Jörg Beste hat sein Augenmerk vornehmlich auf NRW gerichtet und erklärte am Beispiel des Bistums Essen die Entwicklung. „Wenn die Entwicklung weiter verläuft wie in den vergangenen zwölf Jahren, wird es hier im Jahr 2030 nur noch ein Drittel der Kirchen mit sakraler Verwendung geben im Vergleich zu 2006. Das zeigt die Wichtigkeit des Themas, denn jede Kirchenschließung ist ein schwieriger Akt“, zeigte er den Weg für die Zukunft auf.

Die Ausstellung „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ ist bis zum 12. Oktober im Erdgeschoss des ehemaligen „Lust for Life“-Kaufhauses zu sehen (Eingang vom Dahmengraben) und ist geöffnet dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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