Aachen: "April, April" zum zehnten Mal in der Galerie Artikel 5

Kultur in Aachen : Sniper im Fenster, Schädel im Hinterzimmer

Die Nerven liegen blank, wenn ein Sniper im Fenster liegt. Seine Waffe zielt auf die Straße, sicher steht sie auf einem Gestell. Der Attentäter spielt auf Zeit, hat Essen dabei und richtet sich ein im Thrill. Wann fällt der Schuss?

Gar nicht – denn der Scharfschütze steht in einer Zigarrenkiste. Schwärzester Humor kennzeichnet die Arbeiten des Maastrichter Künstlers Tobias Duysens, der mit einigen kleinen Installationen und Objekten bei der schon traditionellen Ausstellung „April, April“ der Produzentengalerie Artikel 5 dabei ist. Es ist bereits die zehnte humorig-makabre Ausstellung dieser Art, die immer als große Gruppenausstellung stattfindet und Jahr für Jahr nicht nur mehr Besucher anzieht, sondern auch Künstler – in diesem Jahr sind es 27.

Neu dabei ist der international tätige Maler und Musiker Wolfgang in der Wiesche, ebenso Hella Frohwein-Hagenah, die eine Textilarbeit mit einer Gardinenkordel kombiniert. Gisela Ilse Klaßen (GiK) näht Bügelbretter in Filz ein, Julia Isaak fotografiert kompliziertes Flechtwerk. Gerd Beisbarth zeigt völlig unaufgeregt und humorfrei seine empfindlichen Pigmentbilder, während Edith Bachmann ein Nilpferd gähnen lässt und Monika Petschnigg in luftiger Galeriehöhe, über den Arbeiten der Kollegen schwebend, frühlingsfrische Kompositionen mit raumgreifenden Weiten und Tiefen präsentiert. April, April – er macht, was er will.

Spaß in ihre Reisefotografie bringt Petra Ostré, indem sie Fotos aus der algerischen Wüste mit deutschen Verkehrsschildern kombiniert. Da wird dann vor Sanddünen etwa auf die Krötenwanderung hingewiesen oder eine Ampelanlage installiert. Ein echter Gag ist das gelbe Rechteck in Miniatur von Dorothea Flatau, das einen Raucherbereich kennzeichnen soll. Nicht lustig, aber auch nicht unbedingt ernst gemeint ist die düstere Landschaft mit Orientierungshilfe, die Ela Schwartz in ihren neuen Arbeiten zur Natur einsetzt. Typische Fotoarbeiten stammen von Anett Hoffmann, monströs und nie vorher gesehen zeigt sich eine Kombination verschiedener Tierschädel, die Peter J.M. Schneider bei Wanderungen in verlassenen Regionen gefunden hat und nun diskret im Hinterzimmer zeigt. Dazu legt eine junge Dame, gemalt von Helga Palmisano, diskret den Finger auf ihre Lippen.

Künstlerische Ereignisse, Geheimnisse und ein paar Scherze werfen ihre Schatten voraus – liebevoll inszeniert und gehängt von Petra Ostré, Ela Schwartz, Anett Hoffmann und Dorothea Flatau. Zu sehen ist „April April“ noch bis zum 11. Mai an der Bahnhofstraße 33, jeweils freitags von 18 bis 20 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr oder nach Absprache unter 0178/7617852.

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