Aachen: An fünf Schulen fehlen Schulleiter

Lehrermangel : Fünf Aachener Schulen ohne Leitung

Dass es sich ohne offizielle Leitung mitunter etwas schwierig führen lässt, müssen zurzeit fünf Schulen in Aachen erfahren.

Sowohl an den Grundschulen Gerlachstraße, Richterich und der Montessori-Grundschule Reumontstraße als auch an der Hauptschule Aretzstraße und dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung sind die Schulleitungsstellen vakant. Das geht aus der Antwort des NRW-Schulministeriums auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Karl Schultheis (SPD) hervor. Noch mehr Kandidaten werden für die Positionen des jeweiligen Stellvertreters gesucht: Elf Vakanzen weist die Statistik auf, davon die meisten an den Grundschulen (Am Haarbach, Driescher Hof, Gerlachschule, Mataréstraße, Düppelstraße, Forster Linde, Höfchensweg).

Der Lehrermangel macht sich zwar landesweit vor allem im Primarbereich bemerkbar, in Aachen sieht man sich allerdings noch vergleichsweise gut aufgestellt. Dass das nötige Personal vorhanden ist, stellte Petra von Jakubowski, Schulrätin für die Aachener Grundschule, kurz vor Beginn des laufenden Schuljahres erleichtert fest. Und das obwohl in Aachen an der Hochschule das Grundschullehramt nicht mal angeboten wird und der „Heimvorteil“ damit ausbleibt, um neue Lehrer an die Stadt zu binden. Und dennoch: Alle Stellen konnten auch im Primarbereich nicht zum Beginn des neuen Schuljahres besetzt werden. „Seiteneinsteiger“ ohne ein Lehramtsstudium sind in Aachen indes eher die Ausnahme, zumindest im Primarbereich. Gerade mal ein Seiteneinsteiger wurde zum Schuljahr 2017/18 an einer Aachener Grundschule eingestellt. Anders sieht das an den Berufskollegs aus. Dort wurden zum Schuljahr 2017/18 sieben Seiteneinsteiger eingestellt. Aktuellere Zahlen liefert die Antwort des Ministeriums nicht.

Gute Einstellungschancen haben in Aachen Sonderpädagogen – sofern es sie denn geben sollte. Den Personalmangel kann man in diesem Bereich in Aachen durchaus als dramatisch bezeichnen. Laut Statistik des Landesministeriums waren zum 17. September 2018 insgesamt 43 Stellen für Lehrer mit einer sonderpädagogischen Ausstellung unbesetzt, mehr als die Hälfte davon an Förderschulen und Berufskollegs. Gesucht werden sie jedoch für alle Schulformen.

Ein Ungleichgewicht

In den nächsten zehn Jahren werden in NRW voraussichtlich mehr als 78 000 Lehrerstellen neu zu besetzen sein. In den kommenden 20 Jahren sind es sogar fast 140 000, wie das Ministerium mitteilt. Die sogenannte Lehrkräftebedarfsprognose habe zudem ein Ungleichgewicht bei der Lehrerausbildung ans Licht gebracht: Demnach fehlen in den kommenden zehn Jahren rund 15 000 Lehrer an Grundschulen, Berufskollegs, weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I (also Haupt- und Realschulen) sowie Sonderpädagogen. An Gymnasien und Gesamtschulen seien es jedoch im gleichen Zeitraum rund 16 000 Absolventen zu viel.

(akas)
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