Aachen: An der Roermonder Straße entstehen neue Wohneinheiten

Aachen : Autohaus weicht 120 neuen Wohnungen

120 neue Wohnungen sollen gegenüber der Agentur für Arbiet entstehen. Das Großprojekt an der Roermonder Straße soll bis Anfang 2024 umgesetzt werden. Auch Appartements und Reihenhäuser sind vorgesehen.

Das ganze Ausmaß offenbart sich erst beim Blick von oben: 8000 Quadratmeter Grundstück in bester Innenstadtlage sollen in den kommenden Jahren für eine fast 9000 Quadratmeter umfassende Wohnbebauung erschlossen werden. Das ist weitaus mehr, als die Außenansicht des Geländes an der Roermonder Straße, auf dem bis Ende 2020 noch das Autohaus Gohr als Mieter seinen Standort haben wird, vermuten lässt. 120 Wohneinheiten werden dort, gegenüber von der Agentur für Arbeit, geschaffen, 30 Prozent davon öffentlich gefördert. Spätestens Anfang 2024 sollen sie bezugsfertig sein.

Josef Engelen musste sich nicht lange bitten lassen, als ihm das Grundstück angeboten wurde. „Hervorragende innerstädtische Lage, Sichtbezug zum Lousberg und sehr gute Anbindung an den ÖPNV“, zählt der Architekt aus Herzogenrath einige Qualitätsmerkmale des „Filetstücks“ auf. Gemeinsam mit Helmut Heuer vom Aachener Architekturbüro „HeuerFaust“ und dem auf Bebauungspläne spezialisierten Uwe Schnuis hat Gehlen die Planung für das Großprojekt übernommen.

Auftraggeber und Investor ist die Bonava, ein international tätiger Projektentwickler im Haus- und Wohnungsbau mit Hauptsitz in Stockholm, der es mit seinen insgesamt 2000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben allein in Deutschland 2018 auf einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro gebracht hat.

Konkrete Zahlen zum Volumen des Vorhabens an der Roermonder Straße gibt es noch nicht. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös“, erklärt Hans-Joachim Heckmann. „Wir wollen das Wohnen wieder in die Stadt bringen“, formuliert der Bonava-Projektleiter stattdessen den grundsätzlichen Anspruch. Damit liege man genau auf der Linie der Verwaltung, die im Übrigen von allen Beteiligten in höchsten Tönen gelobt wird. „Die Unterstützung, vor allem vom Planungsamt, ist wirklich bestens“, betont Josef Gehlen. „Die Kritik des Bundes Deutscher Architekten können wir nicht unterschreiben.“ Und Hans-Joachim Heckmann unterstreicht mit Verweis auf seine Erfahrungen in vielen deutschen Städten: „In dieser Form ist das die absolute Ausnahme.“

Sind für das Bauvorhaben an der Roermonder Straße verantwortlich: Bonava-Projektleiter Hans-Joachim Heckmann (v.l.) sowie die Architekten Helmut Heuer, Axel Klemens, Uwe Schnuis und Josef Engelen. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Das Bauprojekt an der Roermonder Straße wird nach den aktuellen Plänen, die noch von der Stadt genehmigt werden müssen, in drei Nutzungseinheiten unterteilt. In vorderster Front soll ein fünf- bis sechsgeschossiger Komplex mit insgesamt 63 Ein- oder Zwei-Zimmer-Studentenappartements entstehen – 26 frei finanzierte und 37 öffentlich geförderte. Außerdem ist im Erdgeschoss ein Café als Treffpunkt und Versammlungsraum für die Bewohner vorgesehen.

In zweiter Reihe, in Richtung alter Bahndamm, werden vier sogenannte Stadtvillen gebaut. Hier entstehen 50 Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit Flächen zwischen 65 und 95 Quadratmetern. Komplettiert wird die Bebauung durch sechs Einfamilienreihenhäuser.

Zu allen Einheiten gemeinsam wird eine große Tiefgarage mit voraussichtlich 75 Stellplätzen gehören. „Das reicht sicher aus, weil viele Mieter über kein eigenes Auto verfügen werden“, sagt Josef Engelen. Vorgesehen ist deshalb auch ein eigenes Carsharing-System mit Fahrzeugen, die exklusiv den Bewohnern der Anlage zur Verfügung stehen werden. Und es soll jede Menge Fahrradstellplätze geben.

Helmut Heuer ist überzeugt, dass von dem Bauprojekt nicht nur die zukünftigen Mieter und Eigentümer profitieren werden. „Ein emittierender Gewerbebetrieb in dieser attraktiven Lage ist eine Vergeudung von Ressourcen“, stellt der Architekt mit Blick auf das Autohaus und seine Werkstätten fest. Und: „Die neue Nutzung wird auch für die Nachbarschaft eine erhebliche Aufwertung mit sich bringen.“ Zum Beispiel, weil laut Heuer etwa ein Drittel der derzeit komplett versiegelten Fläche zugunsten von Grünflächen aufgebrochen wird. Und weil der Fußweg in Richtung Rütscher Straße hergerichtet, beleuchtet und mit den neu angelegten Wegen verknüpft werden soll.

Baugenehmigung bis Ende 2020

Im Moment ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Bis zum Auszug des Autohauses, das nach Angaben von Geschäftsführer Alexander Gohr in Aachen bleiben wird und derzeit zwei potenzielle Grundstücke prüft, hofft Hans-Joachim Heckmann, die Baugenehmigung vorliegen zu haben. Danach stehen zunächst einmal umfangreiche Abrissarbeiten an: Neben dem Hauptgebäude und den Werkhallen muss auch eine in mehreren Abschnitten gebaute und entsprechend verschachtelte Tiefgarage, die fast das gesamte Gelände durchzieht, aus der Welt geschaffen werden.

Mit dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten rechnet der Projektleiter für Mitte 2021. Die Vermarktung der Wohnungen, die mit Erteilung der Baugenehmigung beginnen soll, könnte dann vielleicht schon abgeschlossen sein. Josef Engelen jedenfalls schließt das nicht aus. „Unser Vorhaben hat sich offenbar in Windeseile herumgesprochen. Das Telefon steht schon jetzt nicht mehr still.“

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