Aachen: Altes Gebäude der Knappschaft soll Hotel und Wohnungen weichen

Stadtplanung : Knappschaftshaus steht vor dem Abriss

Es wird mehr als ein „Facelifting“, geht über eine Schönheitsbehandlung deutlich hinaus: Denn die Abrissbirne nimmt langsam Schwung auf, das schmucklose Gebäude in exponierter Lage an der Monheimsallee 22 muss weg. Das ehemalige Knappschaftshaus aus dem Jahr 1952 inklusive Anbau aus den 70er Jahren soll auf rund 5000 Quadratmetern einem ambitionierten Neubauprojekt weichen: Hotel, Wohnungen, Praxen und eine Gastronomie sind geplant.

Das betagte Gebäude – in dem derzeit die Deutsche Angestellten Akademie Bildungsangebote realisiert, nachdem die englische St. George’s School dort jahrelang zu wenig Schüler zählte und 2016 dicht machte – steht in exponierter Lage: unmittelbar am Kurpark neben dem Nobelhotel Quellenhof, Eurogress und Kurhaus. Deshalb hatte die Stadt mehrfach versucht, ein Vorkaufsrecht aus dem Jahr 2006 gerichtlich durchzusetzen und die Immobilie für rund 1,6 Millionen Euro zu erwerben.

Doch die öffentliche Hand zog in zwei Instanzen den Kürzeren. Die private Eigentümergemeinschaft, vertreten durch den CDU-Politiker und Rechtsanwalt Rolf Einmahl, denkt nun an einen Verkauf des Projekts. Der Aachener Bauunternehmer und Projektentwickler Maximilian Derichs (Derichs & Konertz) hat mit Architekt Gerd Wittfeld (kadawittfeld) erste Entwürfe skizziert. „Wir möchten in enger Abstimmung mit Politik und Verwaltung die nächsten Schritte gehen, um in dieser besonderen Lage auch etwas Besonderes zu realisieren“, sagt Derichs am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. Am kommenden Mittwoch, 3. Juli, soll das Verfahren in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte mit einem sogenannten „Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan“ in die Wege geleitet werden.

Nach dem Komplettabriss der Bestandsgebäude könnte ein luftiges, dreiteiliges Gebäude-Ensemble wachsen. Richtung Monheimsallee wäre ein Hotelbau denkbar, Richtung Kurpark eine Gastronomie unter Büro- und Praxisräumen mit großer Außenterrasse bis zum ebenerdigen Dach der angrenzenden Tiefgarage – und (quasi nach hinten) Richtung alter evangelischer Friedhof Wohnbebauung mit „einem angemessenen Anteil aus öffentlich gefördertem Wohnungsbau“. In der Verwaltungsvorlage für die Politiker der Bezirksvertretung wird der „öffentliche Charakter“ des Plangebiets betont. Es geht dabei um „eine stärkere funktionale und räumliche Anbindung des Stadtparks an die Aachener Innenstadt sowie die Aufwertung der öffentlichen Grünfläche“. Um den Park „erlebbar“ zu machen, sei „eine Verbesserung der öffentlichen Wege, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer, besonders wichtig“.

Dem Vernehmen nach sieht die Aachener Kommunalpolitik den Ideen sehr positiv entgegen. Wittfeld sowie Derichs und Konertz haben in der Kaiserstadt bereits mehrfach ausgezeichnete Architektur realisiert: zum Beispiel mit der Aixact Immobilien GmbH auf dem Areal des ehemaligen Tivoli-Stadions ein Hotel der Marke „Hampton by Hilton“ sowie rund 30 Eigentums- und Mietwohnungen (Derichs). Oder die Architektur des ehemaligen Bankhauses nebst Motel One am Theaterplatz (Wittfeld). In der Hotelbranche hat Derichs zuletzt ein Holiday Inn Express in Saarbrücken fertiggestellt.

Der Marktpreis des Grundstücks mit dem abrissreifen Haus, aus dem sich die Knappschaft Ende 2011 von etwa 3000 Quadratmetern Nutzfläche zurückgezogen hatte, betrug vor Jahren bereits 2,7 Millionen Euro. Die aktuelle Projektentwicklung dürfte ein Vielfaches davon kosten. In unmittelbarer Nähe eines womöglich bald für rund 50 Millionen Euro sanierten Kurhauses, eines dann noch größer aufgestellten Eurogress’ und des ähnlich sanierungsbedürftigen Quellenhofs, dessen Eigentümer gerade einen neuen finanzstarken Pächter sucht, erkennen Projekt-
entwickler beste Zukunftsperspektiven. Bis der komplette Bereich in neuem Glanz erstrahlt, dürften allerdings noch einige Jahre ins Land ziehen. Die Vorhaben – auch in der Nachbarschaft – sind komplex und kostspielig: keine kosmetische Maßnahme, sondern umfassende Operationen.

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